Neue Wege in die Lunge

Freudestrahlend steht Eberhard Schütze (Mitte) umrahmt von seinen Ärzten Dr. Hamid­Reza Mahoozi (links) und Dr. Hamid Mofid drei Tage nach der Lungen-OP wieder fit und munter auf den Beinen.
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Freudestrahlend steht Eberhard Schütze (Mitte) umrahmt von seinen Ärzten Dr. Hamid­Reza Mahoozi (links) und Dr. Hamid Mofid drei Tage nach der Lungen-OP wieder fit und munter auf den Beinen.

Premiere in Pinneberg: Top-Chirurgen zeigen besonders schonendes Verfahren in der Regio-Klinik / Patient wurde gestern entlassen

shz.de von
13. April 2018, 16:00 Uhr

Die Narbe, die Eberhard Schütze knapp unter seinem Brustbein trägt, ist kaum breiter als zwei Finger. Und das ist eine Sensation. Denn noch vor wenigen Jahren wäre für den Eingriff, der am Montag an dem Uetersener vorgenommen wurde, ein etwa 30 Zentimeter langer Schnitt nötig gewesen. Die Ärzte hätten dann mit einer Zange seine Rippen auseinanderdrücken müssen, um mit den Händen an die inneren Organe zu gelangen. Dank einer neuen Methode aber konnte er gestern nach nur drei Tagen das Krankenhaus wieder verlassen – und nicht nach den bisher üblichen bis zu zehn Tagen.

Seit dieser Woche bietet das Regio-Klinikum Pinneberg als bundesweit einzige Klinik das neuartige, minimalinvasive Verfahren der Lungenchirurgie an. Experte auf diesem Gebiet ist Dr. Hamid-Reza Mahoozi, Leiter der Sektion für Thoraxchirurgie in der Regio-Klinik. Er hatte gemeinsam mit dem spanischen Thoraxchirurgen Dr. Diego Gonzáles-Rivas diese sogenannte subxiphoidale Lobektomie am Montag in Pinneberg operiert. Von dem spanischen Facharzt, der Direktor des weltweit größten Zentrums für Brustkorb-Chirurgie in Shanghai ist, hatte Mahoozi das Verfahren wiederum gelernt.

Dr. Hamid Mofid, Leiter der Chirurgie am Klinikum in Pinneberg, ist die Begeisterung anzusehen, wenn er von dem Fortschritt berichtet, den das neue Verfahren bedeutet. Vor knapp 15 Jahren habe es nur die Möglichkeit gegeben, für Lungen-OPs etwa eine handbreit unter der Achsel-Höhle den 30-Zentimeter-Schnitt anzusetzen und so den Brustkorb für den Eingriff zu öffnen. „Als sich dann die endoskopischen Eingriffe etablierten, wurden vier kleine Schnitte vorgenommen, um mit den Geräten reinzugehen.“ Mit angewinkeltem Spezialgeräte war es dann später möglich, über nur einen Schnitt reinzugehen. Mofid: „Bei all diesen Verfahren sind die Chirurgen aber immer im Bereich der Rippen reingegangen – und dort verlaufen viele Nervenstränge.“ Und überall, wo Nervenstränge verlaufen, steigt das Risiko, dass diese verletzt werden und der Eingriff wird schmerzhafter. Bei der neuen Methode, die jetzt in Pinneberg bei Schütze Premiere hatte, erfolgt der Eingriff über einen winzigen Zugang unterhalb des Brustbeins und ist schonender, als der durch die Rippen, da keine Nerven verletzt werden können. Mahoozi erläutert: „Nach einem konventionellen Eingriff, bei dem der Brustkorb weiter geöffnet werden musste, mussten die Patienten mindestens acht bis neun Tage im Krankenhaus bleiben. Darüber hinaus litten sie unter erheblich stärkeren Wundschmerzen und auch das Risiko einer Komplikation ist bei dem minimalinvasiven Verfahren der subxiphoidalen Lobektomie deutlich geringer.“

Schütze litt an einer Luftblase in der Lunge, die einen Lungenlappen bereits zerstört hatte und weiteres Lungengewebe abdrückte. Lächelnd stand er gestern knapp eine Stunde vor der Entlassung zwischen den Ärzten. „Alles gut“, sagte der 78-Jährige kurz und knapp auf die Frage, wie es ihm geht: Alle Vorteile, die ihm vorher beschrieben wurden, sind eingetreten. „Und ich glaube: In ein paar Jahren wird so ein Eingriff ambulant vorgenommen.“

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