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Nach Fund der Hammaburg: Hamburg plant Ausstellung zur Stadtentwicklung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Euphorie? Eher nicht. Nach der Enträtselung der legendären Hammaburg als Keimzelle Hamburgs war in Politik und Kultur der Stadt gestern von Überschwang wenig zu spüren. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gratulierte dem Team um Hamburgs Landes-Archäologen Professor Rainer-Maria Weiss eher nüchtern: „Unsere Stadt ist jetzt offenbar um eine große, historisch bedeutende Erkenntnis reicher.“ Wie berichtet, hatten Archäologen und Historiker nach langer Detektivarbeit den Standort der Hammaburg am heutigen Domplatz lokalisiert.

Die Stadtgeschichte müsse in Teilen neu geschrieben werden, sagte Weiss. Klar sei nun, dass die Hammaburg bereits im 8. Jahrhundert entstand und damit keine Gründung Karls des Großen oder des Missionsbischofs Ansgar gewesen sein könne.

Die frühmittelalterliche Hammaburg gilt sprachlich wie entwicklungsgeschichtlich als Wiege der Stadt. Anders als der Name vermuten lässt, war der Handelsplatz nahe der heutigen St. Petri-Kirche keine Burg. Gefundene Holzreste deuten auf eine von Palisaden aus Baumstämmen sowie einem Graben geschützte Siedlung mit einem Durchmesser von etwa 70 Metern hin. Laut Weiss war diese nicht dauerhaft besiedelt, sondern diente nur zeitweise als Ort für Handel zwischen Alster und Elbe. Die Bewohnerzahl dürfte bei etwa 100 bis 200 gelegen haben.

Nachweislich wählte Ansgar die Keimzelle Hamburgs im Jahr 832 zum Sitz seines Erzbistums. 845 überfielen und brandschatzten die Wikinger die Siedlung. Seit 1949 gab es drei größere Grabungen auf dem Domplatz – bis zuletzt ohne schlüssigen Hinweis auf die Hammaburg. Erst verfeinerte technische Methoden der Materialanalyse brachten den Durchbruch.

„Darüber freuen wir uns sehr“, ließ Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) über einen Sprecher mitteilen. Freilich: Was die Kulturbehörde mit der bahnbrechenden Gewissheit anfangen will, steht nicht fest. „Wir sind ganz am Anfang der Überlegungen.“ Erster Schritt werde eine umfangreiche Schau zur Hammaburg-Suche im Archäologischen Museum in Harburg sein.

Museumschef Rainer-Maria Weiss bereitet dort eine große Sonderausstellung vor, die ab Oktober zu sehen sein soll. „Das Puzzle ist nun zusammengesetzt worden. Der richtige Zeitpunkt also, um im Rahmen einer Ausstellung das Thema aufzuarbeiten.“ Unter dem Titel „Mythos Hammaburg – Archäologische Entdeckungen zu den Anfängen Hamburgs“ soll die Stadtwerdung erstmals umfassend dargestellt werden. Die Ausstellung werde als politisch-historische Gesamtschau die Rolle Hamburgs „im Spannungsfeld zwischen Heiden und Christen, zwischen Franken, Sachsen, Slawen und Wikingern beleuchten“. Gezeigt werden auch Grabungsfunde, die bisher nicht der Öffentlichkeit zugänglich waren. Hinzu kommen Leihgaben sowie virtuelle Modelle der Hammaburg.

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erstellt am 27.Jan.2014 | 12:09 Uhr

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