Klassik : Musikalischer Genuss im Uetersener Kloster

Das Ensemble Merlini konzertierte in Uetersen. Auf dem Programm standen vorzugsweise Werke von Telemann.  Fotos: Schilling
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Das Ensemble Merlini konzertierte in Uetersen. Auf dem Programm standen vorzugsweise Werke von Telemann.

Anspruchsvolle Unterhaltung: Das Ensemble Merlini verzaubert Besucher in der Gräfin-Bredow-Scheune.

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04. Juli 2018, 13:00 Uhr

Uetersen | Mit einem kammermusikalischen Komponistenporträt erfreute das Ensemble Merlini seine Gäste in der Gräfin-von-Bredow-Scheune. Die Überschrift des Konzerts, „G. P. Telemanns besucht B. v. Ahlefeldt im Adeligen Kloster Uetersen“, spielt auf die enge Verbindung zwischen der Hafen- und der Rosenstadt an. Telemann hatte von 1721 bis 1767 als Director Musices die fünf Hauptkirchen Hamburgs und das Johanneum musikalisch geleitet und als künstlerischer Leiter mit Benedikt von Ahlefeldt als Mäzen und Direktor die Hamburger Gänsemarktoper geführt. Dieser nahm von 1732 bis zu seinem Tode auch das Amt des Klosterprobsten in der Rosenstadt wahr.

Eröffnet wurde das Konzert mit der Sinfonia I des Komponisten und Kapellmeisters Filippo Finazzi (1705 bis 1776). Es folgten eine Reihe von weltlichen Werken, die man als Laie nicht unbedingt mit ihm in Zusammenhang bringen würde. Es handelte sich vorzugsweise um humorvolle, gesellschaftskritische, politische und menschenbeobachtende Szenen, die er mit musikalischen Mitteln darstellte. Nicht von ungefähr kommt, dass sein Schaffen auch plattdeutsche Werke beinhaltet – denn die Kaufmanns-, Literaten und Umgangssprache war Plattdeutsch.

Es erklangen bäuerliche Hochzeitskantaten und Arien aus einigen Opern auf Plattdeutsch. „Watt wart uns armen Deerns suer“ hieß es in Reinhard Kaisers Oper „Carneval von Venedig“, und „Watt stellt sick doch een Deern vertwifelt billig an“ in Johann Matthesons Oper „Cleopatra“. Seinen ausgeprägten Humor belegte der Komponist gleich mit einer Reihe von humorvollen Liedern wie der Kantate „Der Schulmeister“. Sie legt die feinen Unterschiede zwischen damaligen und heutigen Erziehungspraktiken offen, was bei den etwa 90 Zuhörern große Freude auslöste.

„Ihr Jungen, sperrt die Ohren auf, ich will mein Amt verwalten und singen Stunden mit Euch Alten.“ Der Schulmeister hält aber auch nicht mit deftiger Schelte zurück, wenn seine Schüler einmal nicht wunschgemäß funktionieren beziehungsweise parieren. „Bald schreit ihr um die Wette, bald singt ihr keinen Ton!“ wettert er. Ein besonderer musikalischer Genuss war die Darbietung des Singgedichts „Alles redet und singet“ mit dem Text von Barthold Heinrich Brockes durch Swantje Tams Freier (Sopran) und Jan Schulenburg (Foto, Baß-Bariton). Sie sangen im Duett „Alles redet...“, dann einzeln die Arie „Unbetrügliche Waldsirene“ (Tams Freier) und Accompagnato „Indessen wächst der Laut, da Mensch und Tier erwacht“ (Schulenburg). Den Schluss bildete die Arie „Da Welt und Himmel jubilieret“. Mit einem anderen Part aus diesem Singgedicht schloss die Musikveranstaltung.


Anspruchsvolle Unterhaltung

Das Ensemle Merlini bot anspruchsvolle musikalische Unterhaltung mit viel Raum für fröhliches, entspanntes Lachen. Das Konzert bleibt allen, die es erlebten, sicherlich noch lange in bester Erinnerung. Das Ensemble, bestehend aus Sängern, Bläsern, Streichern, wurde im Jahr 2000 von Petra Besteck gegründet. Zu ihrem Programm gehören Werke der deutschen, italienischen und spanischen Renaissance und des Barock.

Von Ahlefeldt (1678 bis 1757) war Gutsherr der holsteinischen Güter Jersbek und Stegen, mäzenatischer Direktor der Hamburger Oper und Erbauer des berühmten Jersbeker Barockgartens. 1732 wurde er von der Priorin und den Konventualinnen des adeligen Klosters Uetersen zu deren Klosterprobst gewählt. Er ließ das heute noch bestehende Probsteigebäude 1733/1734 und 1748 die Klosterkirche unweit des Klostergrunds errichten. Finazzi weihte die Kirche 1749 musikalisch ein.

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