Julia Nissen ist die „Deichdeern“ : Mit beiden Beinen fest auf dem Deich

Bezeichnet sich als „Landlebenbloggerin“: Julia Nissen zeigt ihren Lesern, wie spannend und abwechslungsreich es auf dem Land zugeht.
Bezeichnet sich als „Landlebenbloggerin“: Julia Nissen zeigt ihren Lesern, wie spannend und abwechslungsreich es auf dem Land zugeht. Fotos: Deichdeern

Heimatverbundenheit und die Liebe zum Landleben – darüber schreibt Nordfriesin Julia Nissen in ihrem Blog „Deichdeern“.

shz.de von
11. August 2018, 14:53 Uhr

Bargum | Per Internet lässt sich vom Sofa aus die ganze Welt erkunden, heißt es. Manchmal führt der Weg durchs World Wide Web allerdings in die virtuelle Nachbarschaft. Statt bei der Fashion Week in New York landet man online in heimatlichen Gefilden. Im nordfriesischen Bargum zum Beispiel. Hier lebt und arbeitet Julia Nissen. Und von hier aus betreibt sie auch ihr Internet-Tagebuch namens Deichdeern. Unter dem Motto „Zwischen Kind, Küche und Kuhstall“ nimmt die 30-Jährige ihre Leser mit zum Landfrauen-Treffen, ins maritime Museum, aufs Wattentaxi, in den Bauernhofkindergarten und zum Ringreiten. Humorvoll, lebensnah, unterhaltsam – und freitags auch auf plattdüütsch.

Neben der Liebe zur nordfriesischen Heimat bringt Julia Nissen weitere ideale Voraussetzungen für eine Online-Präsenz als ländlich-moderne Deichdeern mit: Sie hat an der Landfrauenschule Hauswirtschaft gelernt und Agrarwissenschaft studiert, ist Mutter eines zweijährigen Sohnes und berufstätige PR-Fachfrau. Das Weblog ist ihr Hobby. Jeden Monat klicken sich rund 30.000 Leser durch ihr Weblog. Auf ihrem gleichnamigen Facebook-Profil und der Fotoplattform Instagram folgen ihr derzeit über 10.000 Fans.

Warum teilt Julia Nissen ihr Land(er)leben mit einem digitalen Publikum? „Als Redakteurin sollte ich einmal einen Presseartikel über die Landfrauen verfassen. Hinterher stellte ich fest: Da würde ich gerne auch privat meinen Senf dazugeben. Also habe ich begonnen, mir ein Weblog zu erstellen, dort regelmäßig zu schreiben und Fotos zu veröffentlichen.“ Das kam in der Internet-Community sehr gut an. Themen fanden sich reichlich.

Selbstgemacht: Julia Nissen im Strandkorb aus Holzpaletten.
Deichdeern
Selbstgemacht: Julia Nissen im Strandkorb aus Holzpaletten.
 

Besonders beliebt sind ihre kreativen Do-it-yourself-Aktionen. Da verwandelt sie Gummistiefel in Blumenvasen, bastelt aus Europaletten Strandkörbe und Grünpflanzenregale, saniert und dekoriert eine Ferienwohnung und macht Popcorn-Siebe fürs Lagerfeuer. „Die Leute machen das mit Begeisterung zuhause nach und schicken mir anschließend ihre Bilder. Eine Frau schrieb, dass sie und ihr Mann das gemeinsame Strandkorbbauen quasi als Paartherapie genutzt hätten“, erzählt Julia Nissen schmunzelnd. Andere ihrer Follower sagen, ihr Blog zu lesen, sei wie mit einer guten Freundin unterwegs zu sein. Mit der man Spaß und viel gemeinsam hat; die gut erzählen und einen inspirieren kann.

Damit wurde Julia Nissen auch für Unternehmen interessant, die Reichweite und Einfluss von erfolgreichen Internet-Akteuren zum Empfehlungsmarketing ihrer Produkte nutzen – und das auch honorieren. Diese Form der Produktwerbung ist mittlerweile ein verbreiteter und akzeptierter Trend in den sozialen Medien. „Zu meinen Kooperationspartnern gehören derzeit ein nordfriesischer Baustoffhandel und eine maritime Porzellanmanufaktur“, berichtet Julia Nissen. Der finanzielle Aspekt sei für sie zweitrangig. Sie achte vielmehr auf Glaubwürdigkeit und Transparenz. „Wenn die Produkte nicht zu mir passen oder mir selber nicht gefallen, lehne ich eine Zusammenarbeit ab.“

Eine Herzensangelegenheit der Deichdeern ist das Zusammenbringen von Städtern und Landleuten: „Ich kämpfe für ein liebevolleres Miteinander.“ Beruflich hat sie öfter in Berlin zu tun, daher besteht der Freundeskreis auch aus Hauptstädtern und Bargumern: „Das passt prima zusammen.“ Aus Sicht von Julia Nissen würden viele Klischees nicht zutreffen. „Die jungen Landfrauen sind moderne Frauen, die auch beruflich durchstarten und wissen, was sie wollen.“ Man lebe zwar hinterm Deich, aber nicht hinterm Mond.

„Wir wissen durchaus, was Pinterest und WhatsApp sind. Oder Tinder.“ Aber ist sie selber da nicht eher eine Ausnahme? „Ganz ehrlich: Nein, bin ich nicht. Ich bin ganz normal – ich schreib‘ bloß drüber.“

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