Messerangreifer von Lübeck eingewiesen

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24. August 2018, 18:54 Uhr

Er zündete in einem Lübecker Linienbus seinen Rucksack an, verletzte zehn Fahrgäste mit einem Messer. Jetzt ist der mutmaßliche Täter in einer psychiatrischen Klinik untergebracht worden.

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft keine Hinweise auf eine verminderte Schuldfähigkeit, gegen Ali D. (34) wurde Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen. Gestern erklärte Christian Braunwarth, Sprecher der Lübecker Behörde: „Mittlerweile ist der Beschuldigte von einer forensisch-psychiatrischen Sachverständigen untersucht worden. Sie ist zu dem Ergebnis gekommen, dass bei ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit eine paranoide Schizophrenie vorliegt.“ Ali D. sei damit zum Zeitpunkt der Tat nicht schuldfähig gewesen.

„Der Beschuldigte ist aber weiterhin gefährlich“, so Braunwarth. Zudem gebe es dringende Gründe dafür, dass im kommenden Prozess eine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet werde – zum Schutz der Allgemeinheit. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ordnete das Amtsgericht Lübeck deshalb die vorläufige Unterbringung in einer Fachklinik an.

Die Tat hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht. Nachdem der Busfahrer (62) den brennenden Rucksack bemerkt hatte, stoppte er sofort und öffnete die Türen, was den Fahrgästen die Flucht ermöglichte. Danach griff er zum Feuerlöscher, wurde von dem Angreifer niedergeschlagen.

Ali D. ist im Iran geboren, kam als Kind nach Deutschland. Er besuchte das Gymnasium, verließ es aber ohne Abschluss. Er ging zur Bundeswehr, war zuletzt arbeitslos und wohnte bei seinem Vater. Der erklärte bereits am Abend der Tat, sein Sohn sei psychisch auffällig. „Er fühlte sich von Nachbarn verfolgt und glaubte, sie würden ihn mit Strahlenangriffen durch die Wand malträtieren.“ Deshalb soll Ali D., der selbst im Sommer eine Winterjacke trug, Nachbarn immer wieder laut angeschrien haben. Außerdem stritt er sich mit seiner Ex-Partnerin um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. Der Vater sagte, sein Sohn sei frustriert gewesen, weil er sie nicht mehr sehen durfte. Das Motiv für die Tat ist weiterhin unklar.

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