Fussball-Kolumne : Meister-Stück, Schenk-Aktion, Absage-Idee

In seiner Kolumne schreibt Jürgen Muhl über die Entwicklungen in der Sportwelt.

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05. April 2021, 19:20 Uhr

Was für ein enttäuschendes Spitzenspiel. Leerlauf, ideenlos, emotionslos – kurz: zum Vergessen. RB Leipzig fiel nichts ein, um den Bayern gefährlich zu werden. Was dazu führt, dass dem Rekordmeister aus München der Schlafgang zum erneuten Titelgewinn reicht. Dazu kann Robert Lewandowski in aller Ruhe seine Blessuren auskurieren. Der FC Bayern gewinnt auch mit der B-Truppe oder mit nur zehn Herren auf dem Feld – wie zuletzt gegen Stuttgart. Lewandowski könnte schon jetzt im Museum ausgestellt werden, die Besucher würden – sobald es wieder möglich ist – Schlange stehen und einen kräftigen Top-Aufschlag bezahlen. So wie früher bei Spitzenspielen, als das Volk noch ins Stadion durfte und bei Lewandowskis Toren zu lautstarken Jubelstürmen ansetzte. Das alles kann man sich in Zukunft sparen.

Die Bayern haben ihr vorläufiges Meisterstück schmucklos heruntergespielt. Mehr mussten sie nicht tun. Auch die Nagelsmänner dieser Welt können den Fußball in Deutschland nicht auf den Kopf stellen.

Haaland-Clan reist quer durch Europa

Das schafft auch die Familie Haaland in Dortmund nicht. Sohn Erling, der es seit geraumer Zeit versucht, bereitet seinen Abgang vor. Der norwegische Haaland-Clan mit Vater Alf-Inge an der Spitze des Managements reist quer durch Europa, damit der Sohn in der nächsten Saison Champions League spielen kann. In Dortmund wird das wohl nichts. Der FC Barcelona und Real Madrid haben Interesse. Zwei Clubs, die nach deutschem Recht längst pleite sind. Und doch mit den Millionen jonglieren.

Es hat nicht allzu lange gedauert, bis der HSV in jenes Muster zurückgefallen ist, das ihm in den letzten beiden Jahren den Aufstieg gekostet hat. Klar führen und doch noch Punkte verschenken. So wie in Hannover. Weil die Hamburger Abwehr im zweiten Spielabschnitt eine Geschenk-Aktion ins Leben rief. Noch hat der HSV alles in eigener Hand.

Die Hanseaten haben von allen Aufstiegskandidaten das leichteste Restprogramm. Auch betont Trainer Daniel Thioune immer dann, wenn es nicht wie gewünscht gelaufen ist, sich auf Fehlersuche zu begeben. Da hat er gut zu tun. Der HSV spielte mit Trauerflor. Zu Ehren des verstorbenen Ex-Präsidenten Dr. Peter Krohn, der zu seiner Zeit Stars wie Kevin Keegan, Rudi Kargus, Manfred Kaltz und auch Felix Magath in den Volkspark geholt hatte und den Verein am Ende seiner Amtszeit 1977 schuldenfrei an seine Nachfolger übergeben konnte. Eine Seltenheit in der neueren HSV-Geschichte.

Corona-Aufholjagd von Holstein Kiel

Gerade mit dem Bus aus Bochum enttäuscht zurückgekehrt, stand das Flugzeug für Holstein Kiel in Richtung Heidenheim bereit, wo die Störche am Dienstagabend gastieren. Es ist die erste Etappe der Corona-Aufholjagd. Holstein hat noch alle Chancen. Auf Platz eins, Platz zwei oder auf Platz drei. Aber auch auf Platz vier.

Soll der Bundes-Jogi noch vor der EM gehen? Möglicherweise hat Löw mit der Niederlage gegen Nordmazedonien dem DFB einen Gefallen getan. Würde man sich sportlich nicht für die umstrittene WM in Katar qualifizieren, bliebe dem Verband die von vielen Seiten geforderte Absage erspart. Keine so schlechte Idee.

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