Mehr als nur Pompons und Jubelrufe

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Die Cheerleader vom SC Gut Heil Neumünster sind für die Landesmeisterschaften gut vorbereitet / Mit Pyramide und Flick-Flack geht es nach Krempe

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06. März 2014, 13:33 Uhr

Cheerleader – das sind doch die mit den bunten Puscheln, die immer die Footballer anfeuern. Sie buchstabieren lautstark vor sich hin und müssen immer ein Lächeln auf den Lippen haben. Gut, das mit dem Lächeln stimmt, das wars dann aber auch schon. Kaum eine Sportart ist mit so vielen Klischees behaftet, wie das Cheerleading. Doch beim letzten Training vor der Landesmeisterschaft morgen in Krempe (Kreis Steinburg) zeigen die 18 Mädchen des SC Gut Heil Neumünster, was es wirklich bedeutet, ein Cheerleader zu sein.

Die Pompons – so heißen die bunten Puschel – werden kaum noch genutzt. Bei den akrobatischen Übungen sind sie eher hinderlich, erklärt Trainerin Katja Magel. Und dass die Cheerleader andere Mannschaften mit Sprechchören anfeuern, ist auch eher die Ausnahme. Nur einmal hat der Verein aus Neumünster die Baltic Hurricanes in Kiel bejubelt.

Längst hat sich das Cheerleading zu einer eigenen, ernsthaften Sportart entwickelt. Dort gibt es auch Wettkämpfe, die Mädchen brauchen keine Football-Mannschaft als Legitimation. Sie machen ihr eigenes Ding und zwar genauso ernsthaft, wie Fußballer oder Handballer. Cheerleading ist kein einfaches Herumhopsen, Cheerleading ist Leistungssport.

Wenn die Mädchen des SC Gut Heil ihre zweieinhalb Minuten lange Choreografie durchturnen, tanzen und springen, erinnert das schon fast an Zirkusakrobaten. In sekundenschnelle stapeln sie sich zu einer meterhohen Pyramide zusammen, und genauso schnell landen sie alle wieder sicher auf dem Boden und formieren sich zur nächsten Figur. „Vertrauen spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Die Mädels müssen sich aufeinander verlassen können“, sagt die 27-jährige Trainerin. Cheerleading ist eben ein echter Teamsport. Macht nur einer einen Fehler, betrifft das alle und das kann böse enden. „Bei uns ist aber zum Glück noch nie etwas passiert“, sagt Katja Magel und klopft dabei auf die Holzbank.

Die beiden 14-jährigen Mädchen Selina und Natalie gehören ebenfalls zu der Gruppe. Sie kennen das Problem mit den Vorurteilen. Oft werden sie nicht ernst genommen und von anderen belächelt. „Ihr hampelt doch nur rum“, hören sie von ihren Mitschülern. „Gib mir ein A und ein B“, machen sie sich lustig. Doch dann erzählen die Mädchen, wie sie bis zu drei Mal in der Woche trainieren müssen und wie sie sich gegenseitig durch die Lüfte schleudern. „Dann verstehen es die meisten doch.“

Für die Schülerinnen bedeutet Cheerleading alles. Zeit für andere Hobbys haben sie nicht. Macht aber auch nichts, finden die beiden. „Für uns ist das ein so großer Spaß. Man kriegt immer gute Laune. Ich muss mich gar nicht zum Lächeln zwingen, das kommt von ganz alleine“, beschreibt Natalie ihre Liebe zum Sport. Seit sieben Jahren ist sie im Verein.

In ganz Schleswig-Holstein erfreut sich Cheerleading schon seit langem wachsender Beliebtheit. Inzwischen gibt es rund 20 Vereine mit 1600 Mitgliedern im Bundesland, im American-Football sind es übrigens nur elf Vereine. Katja Magel gehört zu den ersten Schleswig-Holsteinerinnen, die Anfang 2000 einen Trainerschein machen konnten. Da war sie erst 15 Jahre alt. „Damals war Cheerleading bei uns noch nicht so bekannt. Jetzt boomt das hier gerade total“, sagt sie.

Dass der Sport auch ein echter Publikumsmagnet ist, weiß die junge Trainerin: „So eine spektakuläre Show bekommt man eben nicht jeden Tag geboten.“ Das zeigt auch der Kartenverkauf für die Landesmeisterschaften. Alle 1000 Tickets sind schon Wochen vorher vergriffen gewesen. Im nächsten Jahr soll der Wettkampf deshalb in eine noch größere Halle verlegt werden, bestätigt der Cheerleading Verband Schleswig-Holstein.

Doch bevor es für die Gruppe aus Neumünster beim diesjährigen Wettkampf ernst wird, geht es noch an die Feinarbeit. Jeder Schritt und jeder Handgriff muss sitzen. „Stellt euch vor, das ist unser Auftritt. Gebt noch mal alles“, feuert Katja Magel ihr Team an. „Ihr seid richtig gut. Wir packen das!“ Und dann dröhnt noch einmal die Musik aus der Anlage, die Mädchen stellen sich auf ihre Position und setzen wieder ihr schönstes Lächeln auf.

> Eine Bildergalerie vom Training des

 SC Gut Heil Neumünster gibt es auf shz.de

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