masken

img-20200330-wa0006

Avatar_shz von
31. März 2020, 16:46 Uhr

Kiel | Die schleswig-holsteinische Landesregierung plant zur Eindämmung des neuen Coronavirus derzeit keine Pflicht zum Tragen eines Mund- und Nasenschutzes beim Einkaufen oder auf öffentlichen Plätzen. Dies erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums gestern. Solange Schutzmasken ein knappes Gut seien, müssten vorrangig die an der medizinischen Versorgung Beteiligten damit ausgestattet werden. Somit stelle sich die Frage einer allgemeinen Empfehlung für die Bevölkerung nicht, hieß es aus dem Kieler Ministerium.

Dagegen steuert die besonders von der Coronavirus-Pandemie betroffene thüringische Großstadt Jena zur Eindämmung der Lungenkrankheit eine Maskenpflicht an. Nach Angaben der Jenaer Stadtverwaltung soll das Tragen eines Mund- und Nasen-Schutzes, also einer einfachen OP-Maske, in Verkaufsstellen, dem öffentlichen Nahverkehr und Gebäuden mit Publikumsverkehr „in einer Woche“ verpflichtend sein. Als Alternative sind Tücher und Schals erlaubt. In Österreich gilt von heute an eine Schutzmaskenpflicht beim Einkaufen.

Während die meisten deutschen Epidemiologen noch Ende Februar erklärten, das Tragen von Atemschutzmasken in der Öffentlichkeit sei sinnlos, deutet sich mittlerweile ein Sinneswandel an. Selbst die einfachen OP-Masken böten Schutz, sagt der Virologe Alexander Kekulé. „Besonders dann, wenn wir alle sie tragen würden.“ Grund: Infizierte, die noch gar nicht wissen, dass sie das Virus in sich tragen, husten dank der Masken ihre Tröpfchenwolken nicht so weit durch die Luft. Tatsächlich zeigt der Blick nach Südkorea, Taiwan oder Hongkong, dass Masken offenbar dabei helfen, die Corona-Pandemie milder verlaufen zu lassen. „Aus medizinischer Sicht halte ich eine solche Bestimmung persönlich für sehr sinnvoll“, sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht den Nutzen. „Solche einfache Masken, die als Spuckschutz dienen, reduzieren das Risiko, dass man seine Mitmenschen über die Tröpfcheninfektion ansteckt, und machen wirklich Sinn.“

Das Robert Koch-Institut sieht derzeit keine Notwendigkeit für eine generelle Mundschutzpflicht, auch die Bundesregierung ist zurückhaltend. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprachen sich dagegen im Moment gegen eine allgemeine Masken- oder Mundschutzpflicht aus.

Auch für das Gesundheitsministerium in Kiel steht fest, dass zunächst die Helfer geschützt werden müssen. Man halte das Tragen eines Mundschutzes allerdings für sinnvoll, „wenn man selber als Träger Symptome ausweist“. Sprecher Marius Livschütz: „Gegen das Tragen einer Maske spricht zudem, dass leicht Anwendungsfehler gemacht werden, die den Nutzern nicht bewusst sind.“ Im Gefühl falscher Sicherheit könnten dann andere Hygienemaßnahmen vernachlässigt werden. Ein großes Problem sieht das Kieler Gesundheitsministerium auch darin, den Bürgern zu erklären, wie man die Masken richtig aufsetzt: „Es wäre eine Herausforderung, die korrekte Anwendung und die Limitationen der Wirksamkeit eines Mund-Nasen-Schutzes zu vermitteln.“

Während Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) an die Industrie appelliert, an der Herstellung dringend benötigter Medizinprodukte mitzuwirken, greifen auch in Schleswig-Holstein immer mehr Menschen zu Nadel und Faden, um selbst Schutzmasken herzustellen. Wohlfahrsverbände bitten bereits um Spenden von diesen selbstgemachten Masken.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen