Porträt : Lotte hat die ganze Welt gesehen

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In Gedanken versunken: Rolf „Lotte“ Reinstrom schaut am Ende der Reise noch einmal zurück auf die Berge und Erlebnisse seiner Wanderung.
In Gedanken versunken: Rolf „Lotte“ Reinstrom schaut am Ende der Reise noch einmal zurück auf die Berge und Erlebnisse seiner Wanderung.

Rolf „Lotte“ Reinstrom ist ein echter Abenteurer. In seinem Leben hat der leidenschaftliche Musiker mehrfach die Welt bereist.

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13. Oktober 2018, 14:00 Uhr

Bullendorf/ Elmshorn | Es sind nicht nur die Musikfreunde in der Region, die Rolf „Lotte“ Reinstrom seit langem kennen und schätzen. Durch seine Veranstaltungsreihe „Lottes Musiknacht“, die mittlerweile seit vielen Jahren besteht und immer wieder aufs Neue Top-Acts der internationalen Singer-/Songwriter- und Folk-Szene nach Elmshorn holt, ist er vielfach in der Öffentlichkeit präsent. Das Industriemuseum, die M.S. Klostersande, das Haus 13 und Kirchen sind längst etablierte Veranstaltungsorte für die Konzerte. Lotte, der Musikmacher. 

Doch Rolf Reinstrom war den Menschen bereits vorher in der Krückaustadt und Umgebung ein Begriff, denn er hat in seinem bisherigen Leben die Welt mehrfach bereist. Lotte, der Abenteurer. „Mein Leben ist sehr stark durch Musik und Reisen geprägt worden, und so wird es auch weiterhin sein“, betont der 62-Jährige, der gemeinsam mit seiner Frau Sabine in einem kuscheligen Haus in Bullendorf vor den Stadttoren Elmshorns lebt. Wer ihn besucht, wird ihm sofort Glauben schenken. Allein seine CD-Sammlung, die rund 20 000 Exemplare umfasst, ist ein Beleg für seine große Leidenschaft zur Musik – stilistisch übrigens breit gefächert: Sie reicht vom progressiven Rock der 1970er-Jahre, über Blues, Jazz, Weltmusik bis hin zum Folk. 

Etwa 20  000 Exemplare umfasst die CD-Sammlung von Musikfan Rolf „Lotte“ Reinstrom.
Ulf Marek
Etwa 20 000 Exemplare umfasst die CD-Sammlung von Musikfan Rolf „Lotte“ Reinstrom.
 

Wichtig für ihn sei es dabei, dass es sich um einen handwerklich gut gemachten Sound handelt. Doch wie wurde aus Rolf Reinstrom der Musikfreund und Weltenbummler Lotte, der den Globus für sich persönlich erfassbar machte? Der gebürtige Elmshorner erinnert sich. „Mit 17 Jahren wurde es mir in Elmshorn zu eng. Ich brach die Schule ab und ging nach Berlin“, berichtet er. Nicht der beste Schritt. „Ich war nicht zufrieden dort. Ich fühlte mich verloren in der großen Stadt, habe den Boden unter den Füßen verloren. Das Reisen war zuerst ein Instrument für mich, vielleicht auch eine Flucht, eine Herausforderung, um ins Leben zurückzufinden.“ Da ihm dabei der direkte Kontakt zur Natur sehr wichtig war, gab es für ihn nur eine Kombination für seinen Reisedrang: „Zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Rucksack und dem Zelt.“ So folgten Reisen, die ihn körperlich und psychisch einiges abverlangten. Unter anderem ging es mit dem Fahrrad durch Nordafrika, zum Nordkap, durch Kanada, und zu Fuß durch Island. Viele Gebirge wurden dabei durchwandert und manch eine endlos wirkende Strecke bewältigt – aber auch so manch ein selbst gestecktes Ziel erreicht. „Ich habe nahezu jeden Gipfel, der mir begegnete, bestiegen“, sagt Lotte.

Doch den Weltenbummler zog es auch immer wieder in die Heimat zurück. In Bullendorf lebt er nun seit mehr als 30 Jahren, wo er sich bis heute auch mit Glaskunst und Glasmalerei beschäftigt. Der Spirit in der Heimat tut ihm gut. „Ich fühle mich in Elmshorn und seiner Umgebung absolut wohl“, betont er. Elmshorn sei eine besondere Stadt mit vielen Menschen, die wichtig für ihn seien und auf die er niemals verzichten möchte.

Dass diese Chemie stimmt, wurde auch durch den Erfolg seiner Konzertreihe „Lottes Musiknacht“ belegt. Keine geplante Aktion. „Kontakte zu Musikern in der internationalen Szene sind vielfach auf meinen Reisen entstanden, da ich natürlich auch im Ausland Konzerte und Festivals besuche und gerne dabei mit Menschen in Kontakt trete“, erklärt er. So war es möglich, als der gemeinsame 99. Geburtstag mit seiner Frau Sabine anstand, dass Lotte bei der texanischen Künstlerin Jess Klein anfragte, ob diese zu diesem Anlass für einen speziellen Auftritt vorbeikommen würde – genauer gesagt zu seinem Biotop „Lomaloma“ in Altenmoor, wo es eine kleine Bühne gibt und die Feier stattfinden sollte. „Und sie sagte tatsächlich zu“, so Lotte. Die Feier und der Auftritt im privaten Rahmen wurden zu einem unvergesslich schönen Erlebnis, das auch der Künstlerin überaus gut gefiel. Man schloss Freundschaft, und Jess Klein kam erneut nach Deutschland. Diesmal dann nach Elmshorn, wo sie im Haus 13 und später auch im Industriemuseum auftrat. Und so nahm „Lottes Musiknacht“ Fahrt auf.

Jetzt befindet sich die Konzertreihe im siebten Jahr, und der dazugehörige, gemeinnützige Verein wurde 2016 gegründet. Lotte ist seitdem sehr viel mit den Veranstaltungen beschäftigt und wird immer mehr auch seitens interessierter Künstler kontaktiert, die gerne einmal in Elmshorn bei „Lottes Musiknacht“ auftreten würden. „Die Arbeit rund um die Veranstaltungen ist schon sehr intensiv und manchmal natürlich auch stressig. Aber sie macht sehr viel Freude und den Kontakt zu Künstlern und dem Publikum möchte ich auf keinen Fall missen“, betont er. Dennoch wird es bald eine längere Pause geben. „Im Juli 2019 will ich mit meiner Frau wieder einmal auf Weltreise gehen. Diese wird sich voraussichtlich über zehn Monate erstrecken“, erklärt Lotte, der aber versichert, dass dies nicht das Ende der beliebten Konzertreihe bedeutet. „Auf keinen Fall! Wir sind jetzt bereits dabei, die ersten Termine für 2020 zu organisieren“, erklärt er.

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