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Lehrergewerkschaft fordert Diplomatie statt Kriegsrhetorik und Lokalpatriotismus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Von einem Koalitionskonflikt will Schleswig-Holsteins Grünen-Chefin Ruth Kastner nicht sprechen. Man führe Gespräche über die Pläne der Landesregierung zur Lehrerbildung. „Dann wird es zu einer Einigung kommen, da bin ich ziemlich sicher“.

Wie diese Einigung aussehen kann, ist völlig offen, nachdem Kastner gestern den „Wunsch“ der Grünen ausgesprochen hat, auch in Zukunft Lehrer für die Mittelstufe auszubilden. Mehr noch: Verlässliche Kostenangaben zum Ausbau der Universität Flensburg verlangte Kastner, machte das zur Bedingung für eine Zustimmung der Grünen.

Deutlicher hatte bisher noch kein Koalitionär die von Wissenschaftsministerin Waltraud Wende (parteilos) als „seriös“ verteidigten Berechnungen in Frage gestellt. Mit Investitionen von 1,2 Millionen Euro am Standort Flensburg glaubt Wende auszukommen – aller Bedenken der Opposition und der Uni Kiel zu Trotz. Die rechnet mit einem Bedarf von bis zu 65 Millionen Euro. „Da irrt die Uni“, beschied Ministerpräsident Torsten Albig dem Präsidium der Kieler Hochschule.

Wende zeigt sich weiter unbeeindruckt von aller Kritik. An ihrem Konzept zur Lehrerausbildung will sie nicht rütteln lassen. Der Einheitslehrer für Gymnasien und Gemeinschaftsschulen soll kommen – ausgebildet in Kiel wie in Flensburg.

Heute wird Wende im Bildungsausschuss des Landtags Rede und Antwort stehen müssen. Der Wind, der der parteilosen Wissenschaftlerin dabei entgegenschlagen wird, dürfte eisig sein. Die Piraten wollen Wende mit ihrem Gesetzentwurf nach Hause schicken, pochen auf eine beratungsfähige Vorlage. Die CDU fordert, dass der Landtag die von Wende geplanten Doppelstrukturen zur Lehrerausbildung in Kiel und Flensburg ablehnt. „Dieser fatale Irrweg muss gestoppt werden“, sagte der Hochschulexperte Daniel Günther. Flensburg solle Lehrer für Grundschulen und für die Sekundarstufe I (Klassen 5 bis 10) ausbilden und Kiel die Gymnasiallehrer.

Das will auch die FDP, die dazu einen Gesetzentwurf vorlegte. Fraktionsvize Christopher Vogt hält nach dem „Schiffbruch der Landesregierung“ einen Neustart für nötig. Vogt warnte die Koalition davor, die Reform wie geplant vor der Sommerpause „durchs Parlament zu prügeln“. Wer das tue, versündige sich am Hochschulstandort Schleswig-Holstein.

Besorgte Reaktionen kamen angesichts des Dauerkonflikts von den Gewerkschaften. DGB-Chef Uwe Polkaehn forderte alle Beteiligten zur Deeskalation auf. „Findet einen Kompromiss“, mahnte Polkaehn. Ähnlich der GEW-Vorsitzende Matthias Heidn: „Statt Kriegsrhetorik und Lokalpatriotismus brauchen wir mehr Diplomatie und Kompromissfähigkeit“.

Nie war der Druck auf die Regierung Albig so hoch wie heute. Wie groß das Risiko sei, dass Wende und Albig am Ende beschädigt dastehen könnten? Das weiß auch Kastner nicht so genau und gibt sich einsilbig: „Abwarten“.

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