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Lehrerausbildung: Kompromiss-Suche hinter den Kulissen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In den Streit um die künftige Lehrerausbildung an den Universitäten Kiel und Flensburg kommt Bewegung. Wissenschaftsministerin Waltraud Wende zeigte sich gestern im Bildungsausschuss des Landtags offen, über die Zahl der Fächer für Flensburg zu reden. Zugleich verteidigte die Ministerin ihren Reformkurs.

Überlegungen der Grünen und der Opposition, an der Ausbildung von Mittelstufenlehrern festzuhalten, erteilte sie eine Absage. Kiel wie Flensburg sollen künftig einheitlich Lehrkräfte ausbilden, die an Gymnasien wie an Gemeinschaftsschulen zum Abitur führen können. Die zum Ausbau der Uni Flensburg veranschlagten 1,2 Millionen Euro für Investitionen und 1,35 Millionen Euro für Personal reichten dazu aus. Man habe sich dabei an vergleichbaren Studiengängen kleinerer Hochschulen wie Konstanz oder Passau orientiert. Die Uni Kiel geht von weit höheren Kosten aus. Die Opposition erneuerte ihre Zweifel an den Kostenkalkulationen.

Fast drei Stunden lang stand Wende im Bildungsausschuss Rede und Antwort. Detailliert schilderte sie die Entstehung ihres Gesetzentwurfs, der zunächst den Aufbau von sieben statt 13 Fächern an der Uni Flensburg vorgesehen hatte. Danach wären auch weiterhin Lehrkräfte für die Mittelstufe in Flensburg ausgebildet worden. Studienabschlüssen in einem solchen Mischmodell wären aber nach Einschätzung von Experten in anderen Bundesländern womöglich die Anerkennung verweigert worden. Entsprechende Bedenken habe auch die Uni Kiel vorgetragen.

Heute will Wende mit Vertretern der Uni Flensburg über den künftigen Fächerkanon reden. Am Montag folgt ein Gespräch mit dem Präsidium der Uni Kiel, tags drauf ein Gespräch mit beiden Hochschulen. Hinter den Kulissen loten zeitgleich SPD, Grüne und SSW Kompromissmöglichkeiten aus. Abgeordnete der Koalition im Bildungsausschuss ließen zugleich erkennen, am Zeitplan bis zur Verabschiedung des Gesetzentwurfs bis zur Sommerpause festhalten zu wollen. Die Opposition pocht auf eine Verabschiedung, hält die Vorlage – wie die CDU – für „nicht im Ansatz beratungsreif“.

Wende kündigte an, dass Studierende für das künftige Praxissemester mit Zuschüssen des Landes rechnen könnten. Die nötigen 140 000 Euro sollten aus den Etats der Ministerien finanziert werden. Dass Studierenden in der Praxisphase ein Mindestlohn vom Land gezahlt werde, schloss Wende aus.

Offen blieb im Ausschuss die Frage nach der Besoldung künftig einheitlich ausgebildeter Lehrer. Dazu gebe es „Modelle“, die nach Verabschiedung des Lehrkräftebildungsgesetzes beraten werden sollten, sagte Wende. Der CDU-Hochschulexperte Daniel Günther warnte die Landesregierung vor, künftigen Regierungen damit „ein Riesenproblem“ zu hinterlassen.

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