Leere Räume, volle Server

Schulen in der Region greifen nach der Schließung auf digitale Kommunikationswege zurück / Auch für Kita-Teams gibt es Arbeit

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16. März 2020, 12:50 Uhr

Seit gestern sind die Schulen und Kindertagesstätten im Kreis Pinneberg dicht. Aber wie gehen die Einrichtungen in der Region mit diesem radikalen Schritt um? Unsere Redakteure Susi Große, Klaus Plath und Andrea Stange haben in Uetersen, Tornesch und den Gemeinden der Marsch und Geest einmal nachgefragt.

Rosenstadtschule Uetersen: In die Ferien entlassen seien die zirka 500 Schüler nicht, macht Gisela Leffers, Leiterin der Rosenstadtschule, gegenüber unserer Zeitung deutlich. „Wir nutzen die Plattform IServ. Jeder Kollege ist am Freitag angewiesen worden, die Kinder zu beauftragen, alle Materialien mit nach Hause zu nehmen.“ Die Schüler könnten nun von zu Hause aus arbeiten. „Insbesondere die Abschlussklassen 9 und 10 haben ausreichend Übungsmaterialien erhalten, um sich vorbereiten zu können.“ Während sich die meisten Lehrer im Homeoffice befinden hält ein kleiner Stab von Pädagogen an der Rosenstadtschule den Betrieb aufrecht, der auch abseits des Unterrichts anfällt. Die Schulleitung, sagt Leffers, sei immer präsent.

Seitens der Schülerschaft habe sie zuletzt wahrnehmen können, dass diese gerne weiter zur Schule gegangen wären. „Kein Kind hat gejubelt, dass es nun Zusatzferien gibt.“ Fünft- und Sechsklässler werden an weiterführenden Schulen betreut. Sowohl an der Rosenstadtschule als auch am benachbarten Ludwig-Meyn-Gymnasium tauchten jedoch am Montag keine Kinder auf.

Ludwig-Meyn-Gymnasium Uetersen: Auch das Uetersener Gymnasium, das von zirka 1000 Schülern besucht wird, nutzt IServ. „Die Lerngruppen werden vom häuslichen Arbeitsplatz der Lehrkräfte aus mit Material und Arbeitsaufträgen versorgt. Dafür müssen die Schülerinnen und Schüler bitte regelmäßig ihre IServ-Accounts aufrufen“, hat Schulleiter Alexej Stroh den Eltern in einem Rundschreiben mitgeteilt. Die Aufgaben würden in vielen Fällen mit bestimmten Fristen und Abgaben versehen sein. Stroh: „Diese Aufgaben haben den Zweck, in den Fächern inhaltlich weiterzukommen. Die Erledigung und deren Qualität geht in die mündliche Bewertung ein.“

Stroh bittet die Eltern, mitzuhelfen und ihren Kindern nach Möglichkeit einen Rechnerzugang zu ermöglichen. Der Schulleiter macht deutlich, dass die Aufgaben nicht das Ziel verfolgen, dass sich Jugendliche in Gruppen treffen, um diese gemeinsam zu erledigen. Das sei im Rahmen schulischer Maßnahmen strikt untersagt. Stroh: „Wir planen bisher nur bis zum 20. April, dem Tag an dem nach jetzigem Kenntnisstand der Unterrichtsbetrieb wieder aufgenommen werden soll.“

Gemeinschaftsschule Moorrege: Krisenmanagement ist auch für Knud Avé-Lallemant, Rektor der „Gemsmo“, am Montagmorgen angesagt. Er geht an die Organisation mit Gelassenheit heran. ,,Bei uns ist nichts los. Wir haben nur ein Betreuungskind, das kommt morgen auch nicht“, sagt Avé-Lallemant gestern am Telefon auf Nachfrage unserer Zeitung. Am vergangenen Wochenende sei mit Hochdruck daran gearbeitet worden, die Umgestaltung des Unterrichts von analog auf digital vorzubereiten. Die Schüler müssten nun von zu Hause aus arbeiten und würden dort von den Kollegen begleitet, die entweder aus dem Homeoffice heraus oder aus der Gemsmo arbeiteten.

Dabei wird auf Schul-Comm-Sy gesetzt. ,,Das ist eine virtuelle Schule“ erläutert der Gemsmo-Chef. Die Gemsmo nutze das seit etwa sechs oder sieben Jahren. Er räumt ein, dass es sich um eine sehr ungewohnte Situation handele. ,,Es stehen viele Entscheidungen an“, sagt Avé-Lallemant. Wie beispielsweise die Klasseneinteilungen der neuen 5. Klassen, die Vorbereitungen von Lehrerkonferenzen und der Schulkonferenz. Und auch der ganze Bereich der Abschlussarbeiten seien ein Thema. Für die Gemeinschaftsschule sei es nicht so drängend, wie an den Gymnasien. ,,Die hatten ihre ersten Abitur-Klausuren vor den Frühjahrsferien geplant“, sagt Avé-Lallemant.


DRK-Kita in Holm: Ute Stegemann, Chefin der Kindertagesstätte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Holm ist heute kein Kind gekommen. Stegemann ist dankbar: ,,Die Eltern haben das organisiert bekommen.“ Die Eltern seien sehr solidarisch und verantwortungsbewusst. Stegemann: ,,Es gibt nur eine Mutter, die das vielleicht beruflich nötig hätte, aber sie wird das Problem vermutlich auch allein lösen können.“ Die Mitarbeiter haben sich Montagmorgen kurz getroffen, um alles zu klären. Stegemann: ,,Und nun wird von zu Hause aus gearbeitet.“ Arbeit gebe es reichlich für das Team, auch wenn die 95 Mädchen und Jungen, 20 davon im Krippenalter, nicht betreut werden müssen. Planung steht dabei im Vordergrund, wie beispielsweise das Projekt Kita 21, Themenvorbereitungen zum Qualitätsmanagement und Verfahrensweisen für das Qualitätsmanagement-Handbuch. Auch die Brandschutzbelehrungen würden überarbeitet und Berichte für die Homepage erstellt. Zudem gelte es, Dokumentationsarbeiten am Laptop zu erledigen. Und es gebe jede Menge Fortbildungsinformationen zu lesen, sagt Stegemann.

Klaus-Groth-Schule Tornesch: Knapp 1200 Schüler wandeln sonst Tag für Tag auf den Fluren der KGST. Dieser Tage ist aufgrund der Corona-Krise alles ganz anders. Zwei Fünftklässler waren gestern die einzigen Schüler, die sich in der Gemeinschaftsschule aufhielten. Wie Schulleiter Andreas Waldowsky im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet, wurde für sie eine Notfallbetreuung eingerichtet, da ihre Eltern in Berufen arbeiten, die zur Aufrechterhaltung der Infrastrukturen wichtig sind. „Für alle anderen Fünft- und Sechstklässler gab es eine Betreuungsregelung“, sagt Waldowsky.

Doch wie ihre Mitschüler auch hatten die beiden keinen Unterricht. Stattdessen wurden sie durch Lehrer verschiedener Fachrichtungen pädagogisch betreut. Zu diesem Zweck hatten sie den Kunstraum der Schule für sich ganz allein, auspowern konnten sie sich an den Tischtennisplatten des benachbarten Jugendzentrums.

Doch ganz ohne Schulaufgaben kommt in den nächsten fünf Wochen kein KGST-Schüler davon. Die Schule arbeitet schon seit Längerem mit der Online-Plattform Edudocs. Dort erteilen sie nun Aufgaben, die in der schulfreien Zeit abzuarbeiten sind. „Sofern dafür die Möglichkeit durch die Fächer gegeben ist“, erläutert Waldowsky. Während sich dies in den Hauptfächern – wie etwa Mathe – relativ einfach gestalte, sei es für Fächer wie Kunst, Sport und Musik nicht möglich. Hier setzt der Unterricht aus. Per E-Mail halten die Lehrkräfte, die bis auf das siebenköpfige Schulleiterteam im Homeoffice arbeiten, Kontakt zu ihren Schülern. In der Regel werde dabei der Klassensprecher angeschrieben, der die Informationen dann in die WhatsApp-Gruppe seiner Klasse trage. „Lehrer dürfen nämlich nicht per WhatsApp mit ihren Schülern kommunizieren. Das ist ihnen gesetzlich untersagt“, erklärt der KGST-Schulleiter.

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