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100 Jahre DLRG : Lebensretter feiern Jubiläum

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Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft bekommt einen neuen Präsidenten aus Norderstedt. Zum Jubiläum warnen die Retter vor Bäderschließungen.

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erstellt am 19.Okt.2013 | 07:00 Uhr

Norderstedt/Berlin | Heute wird es eng auf der Spree. Die Deutsche-Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) will zu ihrem 100-jährigen Bestehen 200 Motorboote in Berlin versammeln. Die Retter wollen jedoch nicht feiern, sondern gegen die Schließung von Schwimmbädern protestieren. Mit der Aktion soll auf die gestiegene Zahl ertrunkener Menschen aufmerksam gemacht werden. Mit dabei sind auch Delegierte und Mitglieder des schleswig-holsteinischen Landesverbands.

„Wir mussten bei der Zahl ertrunkener Kinder einen sprunghaften Anstieg feststellen“, sagt Landesgeschäftsführer Thies Wolfhagen. In den Gewässern Schleswig-Holsteins ertranken 2012 ihm zufolge 22 Menschen – 69 wurden gerettet. Die Ursache sieht Wolfenhagen in der zunehmenden Zahl von Nichtschwimmern: „Nur noch die Hälfte aller Kinder kann sicher schwimmen, wenn sie aus der Grundschule kommen.“ Und das liege vor allem an fehlenden Möglichkeiten schwimmen zu lernen. „Hallen werden geschlossen, Altbestände nicht saniert und bei neuen Anlagen handelt es sich oft nur noch um Spaßbäder“, kritisiert der Landesgeschäftsführer. Schuld an der Situation sei eine falsche Verteilung: „Wir brauchen eine kontrollierende und koordinierende Instanz auf Landesebene, um eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen.“

Und noch eine weitere Forderung stellt die DLRG an die Landesregierung: „Unsere Arbeit muss ähnlich wie die der Freiwilligen Feuerwehr im Katastrophenschutz des Landes rechtlich anerkannt werden“, sagt Wolfhagen. Das habe man vor allem dieses Jahr bei den Einsätzen in Hochwassergebieten wie Lauenburg festgestellt. Damit würde die Versicherung der DLRG-Mitglieder im Ernstfall, finanzielle Unterstützung und die Freistellung von der Arbeit gewährleistet sein. „Hier muss es eine Gesetzesänderung geben“, so der Landesgeschäftsführer.

Auf Bundesebene wird der 1926 gegründete Landesverband Schleswig-Holstein zukünftig besonders präsent sein. Die Delegierten der Bundestagung haben gestern den 63-jährigen Norderstedter Hans-Hubert Hatje zum Präsidenten gewählt. Er war bis zum Jahr 2010 Präsident und danach Ehrenpräsident des DLRG-Landesverbandes Schleswig-Holstein.

Die Retter im Norden sind mit 31.000 Mitgliedern und 102 Ortsverbänden im Mittelfeld der deutschen Landesverbände. „Wir beobachten bei den Mitgliedszahlen eine leichte Tendenz nach unten. Das ist bisher nicht so schlimm wie erwartet“, sagt Landesgeschäftsführer Thies Wolfhagen. Finanziell wird die Gesellschaft zu 90 Prozent durch die eigenen Mitglieder getragen. Daneben gibt es Förderungen von Bund und Land sowie Spenden und Stiftungsgelder. 5000 Rettungsschwimmer bewachen in der Saison die Küsten, Seen und Flüsse.

Anlass für die Gründung der DLRG am 19. Oktober 1913 in Leipzig war ein dramatisches Unglück ein Jahr zuvor auf der Ostseeinsel Rügen. Hunderte Schaulustige hatte sich auf der Binzer Seebrücke am Bäderdampfer „Kronprinz Wilhelm“ versammelt. Das Bauwerk hielt dem nicht stand und brach trichterförmig ein. Etwa 100 Personen stürzten ins Wasser, 17 Menschen, darunter sieben Kinder, starben, weil sie nicht schwimmen konnten.

Was war vor 100 Jahren das Anliegen für die Gründung der DLRG?

Im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts verloren viele Tausend Menschen pro Jahr ihr Leben im Wasser. Das lag auch daran, dass nur zwei bis drei Prozent überhaupt schwimmen konnten. Ein tragisches Ereignis an einem norddeutschen Sommersonntag des Jahres 1912 gab den Ausschlag zur Gründung des DLRG: Die Anlegestelle am Brückenkopf der Seebrücke in Binz auf Rügen brach und 16 Personen, darunter zwei Kinder, ertranken in der Ostsee. Aus dem hieraus gewachsenen Bewusstsein über die Vermeidbarkeit solcher Unglücke entwickelte sich eine Initiative, die zur Gründung der DLRG am 19. Oktober 1913 führte. Seitdem hat die Organisation nach eigenen Angaben mehr als 66.000 Menschen vor dem Tod durch Ertrinken gerettet

Welche sind die zentralen Ziele und Betätigungsfelder des Rettungsvereins?

Bei ihrer Gründung vor genau 100 Jahren hat sich die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft den Kampf gegen Ertrinkungs-Unfälle auf die Fahnen geschrieben. Um den größten Schutz am und im Wasser zu gewährleisten, kümmert sich der Verein um Aufklärung, die Ausbildung von Schwimmern, Rettungsschwimmern und Spezialisten der Wasserrettung. 1.600 Ehrenamtliche überwachen die Küsten, 1.700 die Binnengewässer und Schwimmbäder. Dazu werden Einsatzbereitschaften im Rettungsdienst und Katastrophenschutz, Absicherung von Wassersport- Veranstaltungen, Breiten- und Gesundheitssport im und am Wasser und erste Erste Hilfe-Ausbildung Rettungssport geboten. Bei der Bundestagung 2001 entwarf man in einer neuen Leitidee ein Zukunftsziel: Die Halbierung der Ertrinkungszahlen bis zum Jahr 2020.

Wie viele Mitglieder und Förderer hat die DLRG?

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) ist mit über 1.100.000 Mitgliedern und Förderern die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt. In Schleswig-Holstein engagieren sich knapp 32.000 Mitglieder aktiv oder fördernd.

Welche Besonderheiten gelten für den Landesverband Schleswig-Holstein?

1951 schritt der SH-Landesverband voran und setzte sich gegen die ablehnende Haltung der Bundesgremien durch: Der Bereich einer eigenen Jugendpflegearbeit wurde in einer Satzung beschlossen. Die Jugend bekam so ein eigenes Arbeitsfeld und die DLRG nachhaltig ein neues Gesicht. Heute gibt es 32.000 Mitglieder in über 100 Ortsgruppen im Land zwischen den Meeren. Jeden Sommer bewachen fast 2.000 Rettungsschwimmer aus ganz Deutschland die Strände an Nord- und Ostsee, um den Urlaubern und einheimischen Badegästen einen sicheren Badespaß zu ermöglichen.

Gab es die DLRG auch in der ehemaligen DDR?

In Westdeutschland wurde bereits ein Jahr nach dem Krieg wieder mit der aktiven DLRG-Arbeit begonnen. Nicht so in der sowjetischen Besatzungszone. In der damaligen DDR blieb der DLRG die Anerkennung bis zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1990 versagt. Ein neu gebildeter Wasserrettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes, die heutige Wasserwacht, übernahm die Aufgaben der DLRG.

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