Lebensgeschichten in der Kirche

Jörg Göbbels und Angela Prieg erzählten als Lebensexperten ihre Lebensgeschichte.
Jörg Göbbels und Angela Prieg erzählten als Lebensexperten ihre Lebensgeschichte.

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16. Oktober 2018, 13:26 Uhr

Zu einem außergewöhnlichen Gottesdienst mit Lebensexperten hatten die Kirchengemeinden der „Quellregion“ in die Sankt-Jacobi-Kirche von Süderbrarup eingeladen. Der Altarraum war als kombinierte Schuster- und Schneiderwerkstatt eingerichtet. Denn die beiden Experten Angela Prieg und Jörg Göbbels kommen aus der Schuhmacherei No.1, die Lederarbeiten anbietet und auch eine Änderungsschneiderei ist.

Göbbels wehrte sich dagegen, mit dem Titel „Lebensexperte“ in die Ratgeberecke geschoben zu werden. Er plädierte eher dafür, dass jeder Mensch auch Lebensexperte ist.

Vor den zahlreichen Zuschauern in der Kirche erzählte er seine Lebensgeschichte. Als begeisterter Handwerker lernte er den Beruf Maurer. Doch nach einem schweren Unfall musste er diese Laufbahn aufgeben. „Ich war körperlich und geistig am Ende“, verriet er. Doch Handwerker wollte er dennoch sein. So lernte er Schuhmacher, weil er dabei nicht stehen muss.

Doch als er mit der Lehre fertig war und sogar schon den Meisterbrief besaß, stellte er fest, dass dieser Beruf bereits auf der roten Liste stand. Denn Schuhe wurden bereits maschinell hergestellt und kein Mensch wollte von ihm teure, neue Schuhe angefertigt bekommen. Also bot er Schuhreparaturen an und erwarb sich nach und nach den Ruf, auch knifflige Ledersanierungen, Neuentwicklungen oder Nachbauten erledigen zu können. „Woran dein Herz hängt, damit kommst du auch durch das Leben“, war einer der wenigen Ratschläge, die er seinem Publikum gab.

Angela Prieg kam durch Tradition zum ihrem Schneiderberuf. Doch das hinderte sie nicht daran, dieses Handwerk zu lieben. Sie begann als Stundenkraft in der „Schuhmacherei No.1“. Heute ist ihre Arbeit so gefragt, dass sie schon manchmal das Wochenende dazu nehmen muss, um noch alle Aufträge erledigen zu können. „Es wird kaum noch Kleidung weggeworfen“, hat sie festgestellt. Es werde wieder gestopft, geflickt und geändert. Das Wichtigste ist ihr, dass hinter jedem Kleidungsstück auch ein Mensch steht, für den man Augen und Ohren haben muss. Besonders stolz ist sie auf die Änderung eines Brautkleides, das von der Mutter an die Tochter weitergegeben wurde.

Die Schilderungen der zwei Experten wurden von Pastorin Anne Vollert und Pastor Frank Schnoor mit Lesungen aus dem Buch der Prediger unter der Überschrift „Alles hat seine Zeit“ ergänzt.

Ein weiteres Highlight des Regionalgottesdienstes war die musikalische Begleitung von den Tiefbläsern Angeln unter Leitung von Jan Martinen. Die tiefen und weichen Töne von Posaunen und Hörnern gaben bekannten Musikstücken eine ganz neue Interpretation.



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