Nachwuchsreporter in SH : Landtagsabgeordnete Aminata Touré will Rassismus aktiv bekämpfen

Aminata Touré ist im Landtag Vizepräsidentin und unter anderem Sprecherin für Migration und Flucht, Antirassismus,.
Aminata Touré ist im Landtag Vizepräsidentin und unter anderem Sprecherin für Migration, Flucht und Antirassismus.

Im Parlament setzt sich die Politikerin für einen Aktionsplan ein, der in den nächsten Monaten in Kraft treten soll.

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16. April 2021, 11:08 Uhr

Der Vorfall um Tareq Alaows, der in Nordrhein-Westfalen seine Kandidatur für den Bundestag aufgrund von Rassismus zurückgezogen hat, der Prozess um den Tod von George Floyd: Immer wieder machen uns dramatische Ereignisse darauf aufmerksam, dass Rassismus in unserer Welt präsent ist. Das Thema scheint aber durch die Pandemie in den Hintergrund zu rücken.

Viktoria, Marek, Sebastian, Lars und Lena interviewen Aminata Touré über Zoom.
Ina Reinhart

Viktoria, Marek, Sebastian, Lars und Lena interviewen Aminata Touré über Zoom.

 

Im Kieler Landtag engagiert sich Aminata Touré gegen Rassismus. Bei ihrem Eintritt in das Landesparlament 2017 hat sich die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen sofort für einen Aktionsplan gegen Rassismus eingesetzt, der nun in Arbeit ist und laut Aminata Touré in den nächsten Monaten in Kraft treten soll. Der Aktionsplan umfasst viele Maßnahmen.

Thema Rassismus in Schulen

So soll etwa in Schulen mehr über das Thema Rassismus geredet und aufgeklärt werden, sodass Jugendliche ein größeres Wissen bekommen. Auch in staatlichen Institutionen, soll eine Sensibilität gegenüber Rassismus entstehen. „Das halte ich für extrem wichtig, da dort das staatliche Gewaltmonopol ist“, sagt Aminata Touré. Erreicht werden soll diese Sensibilität mithilfe des Aktionsplans durch Workshops und Fortbildungen. So soll Anti-Rassismus präsenter im Alltag werden und nicht erst dann zum Thema werden, wenn etwas passiert.

Blockadehaltung im Bundestag

Auch auf Bundesebene ist ein Maßnahmenpaket in der Diskussion. Im Bundeskabinett wurde dieses nach den Attentaten von Halle und Hanau ins Leben gerufen und es richtet sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus. 89 Maßnahmen wurden vorgeschlagen.

Doch nun stockt das Vorhaben, weil die Fraktion von CDU und CSU den Einwand erhoben hat, es würden dadurch zu viele linke Organisationen unterstützt. „Das ist etwas, was ich als sehr problematisch sehe. Wir stecken Geld in die Bekämpfung, wir machen ein Demokratiefördergesetz, und damit unterstützen wir Organisationen, die sich gegen Rassismus stellen. Eigentlich ist dieses Paket von 89 Maßnahmen ein guter Anfang, und die Bundesregierung hat auch selbstkritisch gesagt, wir haben da wenig gemacht in den letzten Jahren. Deswegen ist es umso trauriger, dass die Bundestagsfraktion CDU/CSU das an dieser Stelle nun blockiert", so Aminata Touré.

Sichere Räume für BIPOC

Was bedeutet BIPOC?

BIPOC steht für Black, Indigenous und People of Color, die aus dem Amerikanischen übernommene politische Selbstbezeichnung  von Menschen, die sich gegen Rassismus wehren und für Gleichberechtigung einsetzen.

Auch innerhalb der Gesellschaft gibt es viele Möglichkeiten, Rassismus entgegenzuwirken. Die BIPoC-Community schafft sich hierfür selber Räume, sogenannte „Safe Spaces“, um sich in der Bevölkerung unter anderen Betroffenen sicherer zu fühlen.

Auf die Frage, ob die eigene Ausgrenzung von People of Colour nicht ein weiterer Anhaltspunkt für Rassisten ist sich gegen sie zu wenden, antwortet Aminata Touré „Das ist ja wie bei Frauenverbänden. Die stellen auch einen Schutzraum für Frauen dar, damit sie sich über Erfahrungen austauschen können. Männer haben dort nichts verloren und genau so kann man sich die Safe Spaces für People of Colour vorstellen.“

Auch Weiße können gegen Rassismus kämpfen

Die Organisation EmBiPoC stellt selber einen solchen Safe Space zur Verfügung. Eine der Gründer:innen der Organisation Diana Nacarli sagt, dass man als weiße Person selber auch Maßnahmen gegen Rassimus ergreifen kann. "Das kleinste, was man machen kann, ist zum Beispiel, beim Abendessen mit der Familie daraufhinzuweisen, dass das „N-Wort“ nicht in Ordnung ist und man also so nicht Rassismus verleugnet".

Rassismus ist kein Thema, das erst in der Zukunft diskutiert werden darf, wir müssen uns jeden Tag fragen, was wir unternehmen können, um sowohl den Alltagsrassismus als auch den strukturellen Rassismus auszulöschen. Wichtig ist auch, dass wir in die Zukunft denken, da Rassismus immer wieder ein Thema sein wird. Auch Aminata Touré ist dieser Ansicht: „Man sollte nicht denken, dass Rassismus in drei Jahren kein Thema mehr ist. Vielleicht haben wir das Thema dann mehr bekämpft, aber es wird immer etwas sein, womit man sich auseinandersetzen muss.“

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