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Landfrauen wollen sich einmischen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Frauenlobby will sich künftig lauter und intensiver für Erhalt von Schulen, Straßensanierung und Breitbandversorgung im ländlichen Raum einsetzen

„Die Frauen müssen begreifen, dass jede von ihnen wichtig ist, dass es auf jede ankommt, ihren Lebensraum in Zeiten großer Umbrüche mit zu gestalten“, sagt Wibke Bruhns (Foto) beim Mittagessen vor dem gestrigen Landeslandfrauentag mit 1600 Mitgliedern in den Holstenhallen Neumünster. Damit ist sofort eine Verbindung, eine gemeinsame Botschaft mit der knapp 35 000 Mitglieder starken Frauenlobby im Land gefunden. Diese will sich künftig noch stärker für den Erhalt einer hohen Lebensqualität jenseits der Städte einsetzen. „Bedrohte Schulen, marode Straßen, schlechte Breitbandversorgung und die Folgen der Energiewende – im ländlichen Raum gibt es viele Herausforderungen zu meistern. Wir werden uns künftig noch lauter und intensiver dafür einsetzen“, verspricht Präsidentin Marga Trede.

Dass die Landfrauen keine heißen Themen scheuen, zeigen sie auch mit dem Motto ihrer Jahrestagung: „Die Welt und Europa – ein Dorf?“. Mit der leidenschaftlichen Journalistin Wibke Bruhns – erste Nachrichtenfrau im Deutschen Fernsehen, Auslandskorrespondentin in Israel und den USA sowie viele Jahre die engste Vertraute von Kanzler Willy Brandt – ist den Landfrauen zu diesem Thema ein Glücksgriff gelungen. „Europa ist kein Dorf, aber ich bin froh, dass es bei aller Verschiedenheit zusammen hält. Eine Alternative dazu gibt es nicht“, sagt die 75-Jährige, die so wach und frisch wirkt, wie in den Jahren, in der die Mutter von zwei Töchtern ganz dicht dran war am Puls der Weltpolitik. Ihrem herben, schlicht edlen Stil, ihrer klaren, verbindlichen Wortwahl ist sie bis heute treu geblieben. Was hält sie von den neuen Medien, die die Welt heute zum Dorf machen? „Sie sind unverzichtbar, können aber leicht missbraucht werden. Wie derzeit die Handy-Videos über die Gewaltausbrüche in der Ukraine. Was sie zeigen, ist kaum nachrecherchierbar“, sagt die Wahl-Berlinerin, die persönlich „so konservativ wie in diesen Zeiten möglich“ kommuniziert.

An ihre Jahre in Schleswig-Holstein hat sie keine guten Erinnerungen: „Von den Internaten in Timmendorf und Plön bin ich wegen Aufmüpfigkeit geflogen.“ Von dem breiten, auch politischen Engagement der Landfrauen zeigt sich Bruhns beeindruckt. Wie auch Energiewende-Minister Robert Habeck. „Welt“ stehe für ihn für Entfremdung und Anonymität, „Dorf“ für Nähe und Gemeinschaft. „Die Landfrauen sind unverzichtbar, um die Werte des Dorflebens gegen die Folgen der Energiewende und der demnächst zur Wahl stehenden europäischen Strukturprogramme zu verteidigen“, betont Habeck, der sich künftig aus Überzeugung auch „Landfrauenminister“ nennen wird. Auf dem Podium diskutierten mit den EU-Abgeordneten Britta Reimers (FDP), Ulrike Rodust (SPD) und Reimer Böge (CDU) weitere Politiker, und mit dem NDR-Fernsehchef Andreas Cichowicz ein Kollege mit Wibke Bruhns.

Ihre erste Nachrichtensendung am 12. Mai 1971 löste eine Welle von Kritik und Diffamierungen aus. Möchte die Verfechterin der Emanzipation lieber heute Journalisten sein? „Nein, die armen Schweine müssen heute so verdammt schnell sein. Ich bin gründlich, ich recherchiere eine Geschichte bis zum Ende.“ Für die Landfrauen ist Heimat ein hohes Gut, wo liegt die von Wibke Bruhns? „Heimat kenne ich nicht. Ich fühle mich da zuhause, wo ich lebe und arbeite.“

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erstellt am 14.Mai.2014 | 12:11 Uhr

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