Lachen bis „de Schoster kümmt“

Reinhard Glantz (links) spielte den Meister Anecker und Herbert Hübsch dessen Alt-Geselle Matten.
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Reinhard Glantz (links) spielte den Meister Anecker und Herbert Hübsch dessen Alt-Geselle Matten.

Elmshorner Speeldeel zeigt Klassiker „Meister Anecker“ im Haseldorfer Rinderstall / „Junge Platte“ begeistern mit Lesung

shz.de von
07. August 2018, 16:00 Uhr

Fruunslüüd mit Schört (Schürze), den Sleef (Holzlöffel) inne Hand – ist das etwas für emanzipierte Frauen von heute? Na klar, vor allen Dingen, wenn es von der Elmshorner Speeldeel kommt, alles komplett auf Platt gesprochen wird und in der wie Pott auf Deckel passenden Atmosphäre im Haseldorfer Rinderstall aufgeführt wird.

Aber nicht nur die „Fruunslüüd“, auch die „Kerls“ im Publikum hatten eine Menge Spaß an dem Plattdütsch-Klassiker „Meister Anecker“. Der ebenso cholerisch-gnägelige wie uncharmante Schuhmachermeister Anecker und sein Geselle Matten, der sich genau so gerne einen mit „Lüttje Lagen“ antüdelt wie über „annere Lüüd“ to schludern, stifteten mit ihren unangenehmen Eigenschaften ganz viel Verwirrung. Um aus der ganzen Bredulje wieder herauszukommen, mussten Aneckers Frau Lene und ihre Schwester Elsbe sowie der umschwärmte Bürgermeister Heinrich Wedekamp richtig in die Puschen kommen.

Reinhard Glantz als Gnägelpott und Schuhmachermeister Anecker spielt sich mit beeindruckender Poltrigkeit die Seele aus dem Leib. Herbert Hübsch in der Rolle des Alt-Gesellen Matten, die der unvergessene Henry Vahl einst am Ohnsorg-Theater zur regionalen, ja vielleicht sogar durch Fernsehübertragung zur nationalen Berühmtheit erhob, weiß natürlich, was er seinem Urgestein-Image in der Speeldeel schuldet und avancierte wie einst Vahl zum heimlichen Star. Denn er verkörpert die Rolle perfekt: ein bisschen verschmitzt, ganz schön spritig, richtig verfressen, ein Schnacker vor dem Herrn und trotzdem liebenswert.

Am schönsten „anhimmeln“ und Pfannkuchenteig rühren kann als Elsbe Susanne Fleischer, umwerfend natürlich und fröhlich und inzwischen Profi-Herstellerin des Eier-Milch-Mehl-Gemisches, das sie ganz real zu jeder der vielen Aufführungen der Speeldeel von „Meister Anecker“ hergestellt hat. Jutta Ennulat, die sich im Laufe des Stücks zur wahren Power-Frau steigerte, spielte Lene, die Frau des Schuhmacher-Meisters, und Ingolf Cronjäger mit Inbrunst den stattlichen Bürgermeister Heinrich Wedekamp, den Schuster Anecker und sein Geselle ganz fälschlich als „Don Juan“ verdächtigen.


Wenig Arbeit für Karin Kalwa im Flüsterkasten

Als „Toseggersch“ krabbelte Karin Klawa in den Flüsterkasten. Viel hatte die Speeldeel-Institution dort allerdings nicht zu tun, denn die Schauspieler beherrschten ihre Rolle aus dem Effeff. Für den fröhlichen Klamauk gab es im Rinderstall ganz viel verdienten Beifall, ab und an sogar Szenenapplaus.

Was den Zuschauern allerdings genauso viel Freude bereitete, war die Lesung der „jungen Platten“, drei Kinder im traditionellen Buscherump, dem blau-weiß gestreiften Fischerhemd. Angeführt von Leefke Wulff aus Haselau trugen Lea Kruse aus Hohenhorst und Finn Beutler aus Haseldorf gekonnt urkomische plattdeutsche Geschichten und „Pippi Langstrumpf op Platt“ vor, dass sich so mancher Zuhörer vor Lachen bog und viele die mitgebrachten Taschentücher für die Lachtränen zücken mussten.



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