Kriminalität in Landesunterkunft: Boostedts Bürgermeister will Klarheit

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11. März 2019, 19:29 Uhr

Wirbel um vermeintlich gestiegene Kriminalität in der Landesunterkunft für Flüchtlinge in Boostedt: Zumindest die Zahl der angezeigten Fälle ist nach Angaben des Innenministeriums in den vergangenen Monaten tatsächlich „deutlich gestiegen“. Inwieweit es sich um tatsächliche Straftaten handele, bedürfe „gründlicher und fachgerechter Bearbeitung“, teilte gestern Ministeriums-Sprecher Dirk Hundertmark mit. Zuvor hatten die „Kieler Nachrichten“ berichtet, dass in den vergangenen drei Monaten 117 Straftaten in der Unterkunft angezeigt worden seien; zudem würden 23 Straftaten im Ort Flüchtlingen zugeschrieben. Zum Vergleich: In der Landesunterkunft waren im Jahr 2017 insgesamt 126 Straftaten registriert worden. 2015 waren es nur 33 gewesen.

Der Sprecher verwies darauf, Innenminister Hans Joachim Grote (CDU) werde am Donnerstag in Kiel die Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 für ganz Schleswig-Holstein und damit auch für den Kreis Segeberg, in dem Boostedt liegt, vorlegen.

„Über eine vermehrte Zahl von Straftaten bin ich nicht informiert worden“, sagte Boostedts Bürgermeister Hartmut König (CDU) gestern. Aber auch: „Ich hatte das Gefühl, dass Ruhe eingekehrt ist.“ Grundsätzlich wünsche er sich einen offeneren Umgang mit Informationen.

Hundertmark betonte, über Anzeigen informiere man nicht die Öffentlichkeit, solange es keine gesicherten Erkenntnisse gebe. So habe sich die Darstellung, ein neunjähriges Mädchen sei am 12. Februar in der Unterkunft von einem anderen Bewohner sexuell missbraucht worden, nicht bestätigt. Das Mädchen sei bedrängt, aber nicht missbraucht worden. Und in einem anderen Fall habe sich eine vermeintliche Vergewaltigung nicht bestätigt. Es handele sich um „häusliche Gewalt“. Die Ermittlungen liefen noch. Zudem werde man nicht „ausschließlich für Boostedt zu jeder erfassten Straftat – auch Diebstahl und kleinere Sachbeschädigungen – proaktive Pressearbeit“ leisten. Dies wäre eine „verantwortungslose Verschiebung von Maßstäben“ .

Bürgermeister König hatte im September Alarm geschlagen wegen zunehmenden negativen Verhaltens mancher Flüchtlinge. In Boostedt mit 4600 Einwohnern waren in Spitzenzeiten mehr als 2000 Flüchtlinge in der Landesunterkunft untergebracht. König forderte neben Neumünster und Boostedt eine dritte Landesunterkunft. Am 25. Februar wurde in Rendsburg eine Einrichtung für 500 Menschen wiedereröffnet.

Wie Dirk Gärtner, der das Landesamt für Ausländerangelegenheiten interimsweise leitet, berichtete, waren in Boosted am 11. März 962 Menschen untergebracht. Im Januar war die Unterkunft im Schnitt mit 1309 Personen, im Februar mit 1311 Menschen belegt. Das Land wolle die Zahl der Flüchtlinge in Boostedt bis Ende dieses Jahres auf 500 reduzieren, in Notfällen auf 700.

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