Kriegsende am 8. Mai: Ruf nach offiziellem Gedenktag

 Uta Körby
Uta Körby

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14. April 2020, 06:41 Uhr

Kiel | Der 8. Mai, Tag der deutschen Kapitulation am Ende des Zweiten Weltkriegs, soll in Schleswig-Holstein vom Landtags zum offiziellen Gedenktag aufgewertet werden. Dieses Ziel verfolgt eine Petition der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte, der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte und der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung.

Zu den Unterzeichnern auf der Online-Plattform change.org zählen mehrere namhafte Persönlichkeiten. Unter ihnen befinden sich etwa der Schleswiger Bischof Gothart Magaard, Ex-Ministerpräsident Björn Engholm (SPD), die einstige Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW), der Professor für Regionalgeschichte an der Universität Kiel, Oliver Auge, oder der Leiter der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel, Arne Zerbst. Neben zahlreichen den Opfern der Nazi-Diktatur gewidmeten Gedenkstätten hat sich auch die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf der Petition angeschlossen.

Anlass des Vorstoßes: Das Ende von Weltkrieg und Nationalsozialismus jährt sich an diesem 8. Mai zum 75. Mal. Schleswig-Holstein hat dazu einen Extra-Bezug: An diesem Tag erklärte Hitler-Nachfolger Alfred Dönitz über den Reichssender Flensburg die bedingungslose Kapitulation Deutschlands. Die Reste des Regimes hatten sich in die nördlichste Stadt des Landes zurückgezogen, weil sie als einziger Fleck des Reichsgebiets noch nicht von alliierten Truppen besetzt war.

Die Initiatoren der Petition wollen mit diesem Schritt „sichtbar und nachhaltig die Erinnerungskultur ebenso wie unsere freiheitliche Demokratie stärken“. Nach 75 Jahren und mehreren Generationswechseln werde der 8. Mai heute „größtenteils als Jahrestag der Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur gesehen“, heißt es in der Argumentation weiter. „Erst diese Zäsur ermöglichte eine 75-jährige friedliche, demokratische und rechtsstaatliche Entwicklung. Die Zögerlichkeit und Unentschiedenheit im Umgang mit dem 8. Mai wird, je länger das Datum zurückliegt, zum geschichtspolitischen Skandal.“

„Eigentlich wäre uns ein arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag am liebsten“, ergänzt Uta Körby, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte. „Aber aus pragmatischen Gründen verzichten wir bewusst darauf.“ Allen sei klar, dass eine Debatte über einen zusätzlichen gesetzlichen Feiertag im Norden gerade erst geführt und mit der Auswahl des Reformationstags am 31. Oktober beendet worden sei. Zugleich, setzt Körby hinzu, „würde ein weiterer arbeitsfreier Tag im ohnehin feiertagsstarken Mai die Arbeit etwa von Schulen stark durchlöchern“.

Berlin hat den 8. Mai anlässlich des 75. Jahrestags in diesem Jahr einmalig zum arbeitsfreien Feiertag erklärt. Offizieller staatlicher Gedenktag ohne den Status arbeitsfrei ist er in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Thüringen. In der DDR war der 8. Mai arbeitsfrei.

Körby will bereits aufgeschlossene Signale aus der Landespolitik vernommen haben. Vorsichtige Rückendeckung kommt zum Beispiel von Bildungsministerin Karin Prien (CDU): „Der 8. Mai hat für unser Land eine besondere Bedeutung. Gerade in Schleswig-Holstein mit seiner Rolle in den letzten Kriegstagen. Ich kann mir vorstellen, dass der Tag in Schleswig-Holstein besonders gewürdigt wird. Eine neue Feiertagsdebatte halte ich dagegen nicht für geboten.“


Die Petition: bit.ly/34xAjO9


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