Ärzte und Krankenhäuser : Krankenkassen melden 168 Behandlungsfehler: Medizinische Misserfolge gehen zurück

Blick in den Operationssaal: Vor allem hier müssen Mediziner konzentriert alles im Griff haben.
Blick in den Operationssaal: Vor allem hier müssen Mediziner konzentriert alles im Griff haben.

Die meisten Misserfolge gibt es in der Unfallchirurgie und bei orthopädischen Operationen.

shz.de von
06. Juni 2018, 10:01 Uhr

Kiel | Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK Nord) haben im vergangenen Jahr 168 Behandlungsfehler in Schleswig-Holstein und Hamburg bestätigt – im Vorjahr waren es noch 187, vor drei Jahren sogar 227 Fälle.  Die meisten der 168 bestätigten Fehler sind mit 27 Prozent in der Unfallchirurgie und bei orthopädischen Operationen festgestellt worden. Mit 13 Prozent folgt die Pflege und mit rund neun Prozent die Zahnmedizin, vor allem bei Kariesbehandlungen.

Deutliche Verbesserungen verzeichnete der MDK Nord in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe: Während ihr Anteil an den bestätigten Fehlern 2016 noch 10,7 Prozent betrug, waren es im vergangenen Jahr noch sechs  Prozent. Insgesamt haben die Gutachter 46 von 168 Fällen als grobe Fehler eingestuft, die aus Sicht der Fachleute gegen elementare Behandlungsgrundsätze verstoßen. Nur wenn die Behandlung nicht gemäß dieser Standards erfolgte, haben die Versicherten eine Chance, Schadenersatz zu bekommen.

Die Gutachter prüfen zuerst, ob ein angezeigter Verdacht auch stichhaltig ist. Das traf im vergangen Jahr auf 812 der gemeldeten 3900 Verdachtsfälle zu. „Hier klafft nicht selten zwischen der eigenen Empfindung der Betroffenen und der Sicht eines unabhängigen ärztlichen Gutachters eine Lücke“, sagt Dimitrios Psathakis, Leiter des MDK-Fachbereiches. Das sei angesichts der komplexen medizinischen oder pflegefachlichen Zusammenhänge aber auch verständlich.

Den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Fehler und dem Schaden für die Versicherten konnten die Gutachter in 89 Prozent der Fälle feststellen. Meist waren weitere Behandlungen notwendig.

Der MDK stellt die Gutachten über die Krankenkasse den Versicherten zur Verfügung. Die Erfahrung zeigt, dass sich in der überwiegenden Zahl aller Fälle die Behandler und deren Haftpflichtversicherer anschließend mit den Versicherten außergerichtlich einigen und einen Vergleich anstreben.

„Die Gutachten des MDK Nord helfen den Versicherten aber auch dann, wenn sich ihr persönlicher Behandlungsfehler-Verdacht als unbegründet herausstellt: Dann sparen sie viel Geld und persönlichen Einsatz für eine zivilrechtliche Auseinandersetzung, die sie am Ende meist nicht gewinnen können“, sagt Psathakis. Er weist darauf hin, dass sich Versicherte nach §66 des Sozialgesetzbuchs (SGB) V bei ihrer Krankenkasse bei einem vermuteten Behandlungsfehler melden können. Sie sollen dann von der Kasse bei der Prüfung des Falles unterstützt werden.

Die AOK-Nordwest hatte jüngst berichtet, dass auch nach ihrer Einschätzung in rund 20 Prozent der Verdachtsfälle tatsächlich ein Fehler vorliege. Die Ärztekammern sollten prüfen, ob alle Ärzte über ausreichenden Versicherungsschutz verfügen. Der ermögliche es den Weißkitteln eher, sich offensiv mit Fehlern auseinander zu setzen.

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