Kontrollverlust in der Rechtskurve

20-jähriger Motorradfahrer sühnt Tod seiner 17-jährigen Beifahrerin mit 2000 Euro Geldbuße

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31. Juli 2018, 15:52 Uhr

Der Unfall liegt über ein Jahr zurück, aber die Wunden der Eltern sind noch immer frisch. Als die Jugendrichterin im Amtsgericht Neumünster gestern morgen betont sachlich das Verfahren gegen einen 20-jährigen Motorradfahrer aus dem Raum Segeberg eröffnet, ist von der Zuhörerbank immer wieder ein feines Schluchzen zu vernehmen.

Am 5. Juni vergangenen Jahres haben die Eltern ihre damals 17-jährige Tochter verloren. Katharina (Name geändert) starb auf der kurvenreichen Kreisstraße zwischen Stuvenborn und Todesfelde. An diesem Abend hatte Katharina eher zufällig den Angeklagten getroffen, den sie weitläufig über ihren Freundeskreis kannte. Erst einen guten Monat zuvor hatte der junge Mann seinen Motorradführerschein gemacht. Auch Katharina wollte gern Motorrad fahren. Der stolze Motorradbesitzer ließ sich überreden, das Mädchen mitzunehmen, auch wenn er ihr keine feste Lederhose oder Schuhe leihen konnte, wie der Staatsanwalt in der Verhandlung rügte.

Dann passierte es: In einer leichten Rechtskurve auf der Straße nach Todesfelde verlor der Fahrer die Kontrolle über sein schweres Motorrad. Die Maschine geriet auf die Gegenfahrbahn, stürzte und schlitterte unter einen entgegenkommenden Pkw. Der Kradfahrer überlebte, seine junge Beifahrerin auf dem Sitz hinter ihm starb.

Aber welche Schuld hatte der junge Fahrer an dem Unfall?

Der Kfz-Sachverständige konnte dazu wenig Belastendes, aber viel Entlastendes beitragen: So lässt sich aus den Unfallspuren etwa keineswegs herauslesen, dass der junge Unfallfahrer mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war.

Diesen Verdacht hatte vor allem der Anwalt der Eltern, die als Nebenkläger auftraten, nahelegen wollen: Es gebe Zeugen, die bereits im Ort das auffallend sportliche Verhalten des Kradfahrers beobachtet hätten, ließ er in der Verhandlung einfließen. Die Richterin wollte sich darauf nicht einlassen: Entscheidend sei ausschließlich das Fahrverhalten während des Unfalls, wies sie den Anwalt zurecht.

Letztlich blieb vor Gericht ungeklärt, ob das Krad schneller als mit den erlaubten 60 km/h unterwegs war. Ebenso, ob der Fahrer falsch gebremst oder seine Bremsmanöver durch falsche Gewichtsverlagerung seiner motorradunerfahrenen Beifahrerin erschwert wurden.

Die Richterin machte letztlich eine „Verkettung unglücklicher Umstände“ für die Schwere des Unfalls verantwortlich. Wegen fahrlässiger Tötung sprach sie gegen den damals heranwachsenen Angeklagten eine Verwarnung aus. Darüber hinaus muss der angehende Kfz-Mechatroniker 2000 Euro Buße zahlen.

Die Eltern nahmen das Urteil mit Kopfschütteln entgegen. Noch unmittelbar vor der Urteilsverkündung wollte sich der Angeklagte bei den Eltern entschuldigen. Die lehnten das ab: „Am Todestag unserer Tochter hat du auf der Straße dein Motorrad geputzt! – Sag jetzt nichts“, schnitt ihm der Vater das Wort ab.

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