zur Navigation springen

Komasaufen im Trend: Erneut mehr Jugendliche im Krankenhaus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 12.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Feiern und saufen, bis nichts mehr geht. Endstation Krankenhaus. Auch in Schleswig-Holstein trinkt der Nachwuchs immer häufiger bis zur Bewusstlosigkeit: Nach einer aktuellen Auswertung offizieller statistischer Daten durch die Deutsche Angestellten Versicherung (DAK) nahm 2012 die Zahl der Klinikeinweisungen von Jugendlichen, die mehr als einen über den Durst getrunken haben, hierzulande um 2,5 Prozent zu.

Bundesweit landeten im Jahr 2012 mehr als 25 600 junge Leute mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus, wie DAK-Sprecher Rüdiger Scharf gestern sagte – 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Viel extremer sei der Zehn-Jahres-Vergleich: „Seit 2003 gibt es eine Zunahme um fast 90 Prozent“, sagte er.

Der jüngste Drogenbericht der Bundesregierung kam Ende Mai allerdings zu dem Schluss, dass Jugendliche unterm Strich weniger trinken, rauchen und kiffen als vor zehn Jahren. Bei den Zwölf- bis 17-Jährigen ist der regelmäßige Alkoholkonsum von 17,9 auf 14,2 Prozent gesunken. Nur vor der kleinen Gruppe der Komasäufer macht dieser Minus-Trend offenbar Halt.

Zu einem ähnlichen Schluss war kürzlich auch die AOK gekommen, die die eigenen Leistungsdaten analysierte. Demnach wurden im Norden 2012 insgesamt 255 bei der AOK versicherte Kinder im Alter von zwölf bis 20 mit einer Alkoholvergiftung stationär aufgenommen. Auffällig: Bei den 16- bis 20-Jährigen ist die Zahl der Einweisungen laut AOK im Vergleich zu 2011 um 16 Prozent gestiegen. Die Gesamtkosten für die Klinik-Behandlung und den Notfalltransport beliefen sich auf rund 360 000 Euro.

Die Leiterin der Landesstelle für Suchtfragen, Regina Kostrzewa, geht davon aus, dass es – bezogen auf alle Kassen – rund 400 alkoholbedingte Krankenhauseinweisungen bei Jugendlichen im Norden gegeben hat. Auch sie setzt auf den Langzeitvergleich: 2008 waren es „nur“ 51. Landet ein Kind wegen des „Binge-Drinking“ in einer Klinik, werden Väter und Mütter in die Präventionsarbeit einbezogen, damit sie künftig ihren Nachwuchs besser auf die Gefahren des frühen Alkoholismus hinweisen. Unterschiede zwischen Stadt und Land beim Trinkverhalten – wie sie vor Jahrzehnten noch beobachtet wurden – sieht Kostrzewa heute nicht mehr.

Allerdings ist Rauschtrinken nicht nur bei Jugendlichen, sondern auch bei älteren Menschen verbreitet. Mehr als jeder fünfte Mann und rund acht Prozent der Frauen zwischen 65 und 79 Jahren betrinken sich regelmäßig bis zur Besinnungslosigkeit, hatte das Bundesgesundheitsministerium im Juni vom Robert Koch-Institut ermitteln lassen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen