Erneuerbare Energien : Kohleausstieg wird für Deutschland zum Risiko

Der Ausstieg aus der Kohleenergie wird den Bürger Milliarden kosten und die gestiegenen Strompreise sind erst der Anfang.

shz.de von
23. August 2018, 11:48 Uhr

Vom Anstieg der Strompreise in den vergangenen Jahren sind private Stromverbraucher besonders stark belastet worden – am stärksten traf es Ein-Personen-Haushalte.

Als wäre diese Hiobsbotschaft des europäischen Statistikamtes nicht schon schlimm genug, sorgt jetzt eine Analyse der Energieversorger für helle Aufregung. Demnach wird der geplante Abschied von der Kohle die Bürger Milliarden kosten – und die Strompreise um bis zu 20 Prozent in die Höhe treiben. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wird bei seinem Besuch am Donnerstag in Kiel auch hierzu Stellung nehmen müssen.

Die Kohlekommission, die ebenfalls am Donnerstag erstmals nach der Sommerpause wieder zusammentritt, soll einen Plan für den Ausstieg aus der Kohleverstromung entwerfen. Je nachdem, wie die Kommission die Weichen stellt, entwickelt sich das Strompreisniveau.

Deutschland als Produktionsstandort unattraktiv

Das Handelsblatt zitiert aus einer Studie, die der Energieversorger RWE beim Beratungsunternehmen Frontier Economics in Auftrag gegeben hat, wonach die Strompreise im Falle eines politisch forcierten Kohleausstiegs bis 2040 um 25 Euro je Megawattstunde ansteigen würden. Das wären neun Euro mehr je Megawattstunde im Vergleich zu einem Szenario ohne politisch forcierten Ausstieg und entspräche einem Anstieg um annähernd 20 Prozent. Am Wochenende hatte sich die Grüne Parteispitze für ein Sofortprogramm zum Kohleausstieg ausgesprochen.

Für Alexander Luckow, Pressesprecher des Arbeitgeberverbandes Nordmetall, ist das ein „weiterer ganz wesentlicher negativer Faktor für den Produktionsstandort Deutschland, der von Jahr zu Jahr unattraktiver wird“. Viele Firmen fragten sich angesichts der teuren Energiekosten inzwischen, ob sie hierzulande noch richtig positioniert seien.

Weniger Mitspracherecht für Bundesländer und Bürgerinitiativen

Altmaier will in Kiel mit seinem Amtskollegen Bernd Buchholz (FDP) unter anderem über die Landstromanbindung von Fähren und Kreuzfahrtschiffen sowie über das geplante LNG-Terminal in Brunsbüttel sprechen. Zudem hat er den zügigen Ausbau der Stromnetze auf die Agenda genommen. Dafür sollen unter anderem Planungsverfahren verkürzt werden, heißt, Bundesländer und Bürgerinitiativen haben dann weniger Mitspracherechte.

Ein weiteres Problem: Für den Landverbrauch beim Leitungsbau müssen Ausgleichsflächen geschaffen werden. Diese Flächen gehen als landwirtschaftliche Nutzflächen verloren. Das sorgt für eine Verknappung von Agrarland und treibt Pachten und Kaufpreise in die Höhe.

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