Kleine Schleuse als Sandkiste

Komplett mit Sand aus Dänemark aufgefüllt: die Kleine Schleuse in Holtenau. Er stabilisiert das Bauwerk.
Komplett mit Sand aus Dänemark aufgefüllt: die Kleine Schleuse in Holtenau. Er stabilisiert das Bauwerk.

Sicherungsverfahren vor Abriss und Neubau: 130.000 Kubikmeter Sand stützen marodes Bauwerk in Holtenau

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29. Mai 2019, 12:14 Uhr

Kiel | Ostseesand statt Ostseewasser: Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau (WSA) hat beide Kammern der maroden Kleinen Schleuse komplett mit Sand aufgefüllt. Die Masse, rund 135.000 Kubikmeter Sand, entspricht etwa 7.000 Lkw-Ladungen. Sie stabilisiert die Wände der Kammern. Nun kann dort wieder mit schwerem Gerät gearbeitet werden.

Mit dem Schiff wurde der Sand, hauptsächlich aus Dänemark, antransportiert und eingespült – das alles innerhalb eines Vierteljahres. Allein dieses Verfahren kostete laut WSA rund 7 Millionen Euro. Es ist fast abgeschlossen – und macht die Schleuse zu einer riesigen „Sandkiste“. Schon von weitem kann man den weißen Sand erkennen, der Mitte Juni mit einer Mischung aus Grassamen und Strandhafer begrünt wird. „Ansonsten wird man in der Nähe quasi sandgestrahlt“ – so lautet der augenzwinkernde Kommentar aus dem WSA. Denn der feine Sand wird bei starkem Wind aufgewirbelt. Durch die Begrünung soll er dort bleiben, wo er ist – mindestens für etwa fünf Jahre.

So lange wird es noch dauern, bis die Kleine Schleuse abgerissen und neugebaut wird. Frühestens wohl 2023. Mit einer Fertigstellung des Neubaus rechnet Sönke Meesenburg, Leiter im Fachbereich Investitionen am Kanal im WSA, vorsichtig in zehn bis zwölf Jahren, also etwa 2030. Im Vorfeld gibt es noch zu viele Unwägbarkeiten. Allein das Planfeststellungsverfahren, das voraussichtlich Mitte dieses Jahres beantragt wird, dürfte bis zum Baurecht mehrere Jahre dauern. Auch die Gesamtinvestitionssumme von derzeit nach WSA-Angaben etwa 310 Millionen Euro ist daher mit Vorsicht zu genießen.

Die Kleine Schleuse ist wegen der baulichen Schäden seit 2014 vorübergehend außer Betrieb. Um die Leistungsfähigkeit des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) sicherzustellen, ist der Neubau der Kleinen Schleuse an gleicher Stelle und in ähnlicher Größe geplant. Erst nach deren Fertigstellung kann mit der Instandsetzung der Großen Schleuse begonnen werden, so das WSA. Rund 70 Prozent aller heute durch den NOK fahrenden Schiffe könnten dann aber die Kleine Schleuse passieren.

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