Klarer Auftrag für Sorg

Marco Reus, Leroy Sane (v.l.) und Co. hören heute auf das Kommando von Marcus Sorg.
Marco Reus, Leroy Sane (v.l.) und Co. hören heute auf das Kommando von Marcus Sorg.

Joachim Löw erwartet von seinem Co-Trainer drei Punkte aus dem Spiel gegen Weißrussland

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07. Juni 2019, 12:02 Uhr

Minsk | Marcus Sorg überließ vor dem Aufbruch in sein Abenteuer nichts dem Zufall. Der Ersatz-Bundestrainer stellte die roten und gelben Hütchen für Spielformen vor dem Abschlusstraining in Venlo persönlich auf und maß die Distanzen akribisch mit Schritten ab. Alles soll bestens vorbereitet sein, wenn Sorg den klaren Auftrag seines erkrankt fehlenden Chefs Joachim Löw erfüllen soll: Drei Punkte in der EM-Qualifikation in Weißrussland heute (20.45 Uhr/RTL). „Es ist speziell und ungewohnt, wenn der Cheftrainer nicht dabei ist. Ich bin aber überzeugt, dass wir es zur vollsten Zufriedenheit des Bundestrainers lösen können“, sagte Sorg.

Nach der letzten Einheit im strahlenden Sonnenschein in der niederländischen Grenzstadt flogen Kapitän Manuel Neuer und Co. gestern Nachmittag von Düsseldorf nach Minsk. Nach dem Auftaktsieg in den Niederlanden (3:2) soll in Weißrussland der nächste Schritt Richtung EM 2020 gemacht werden – auch für Löw. „Wir wollen unserem Trainer zeigen, dass er sich total auf uns verlassen kann, auch wenn er nicht dabei ist“, sagte Neuer. Nach dem Spiel in Borissow und am Dienstag in Mainz gegen Estland soll Löw sagen können: „Auf diese Spieler ist Verlass, das sind gute Jungs und super Typen – und die holen sechs Punkte für mich.“

Auf die leichte Schulter will die klar favorisierte Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den 81. der Weltrangliste aber nicht nehmen. „Wir alle wissen leider zu genau von der WM 2018, was passieren kann, wenn man auf dem Papier schon so gut wie sicher gewonnen hat“, sagte Ilkay Gündogan. Die Atmosphäre im nur 13 126 Zuschauer fassenden Stadion könnte zudem hitzig werden. Die Weißrussen sind seit vier Heimspielen ungeschlagen. Löw warnte schon vor seinem Ausfall (Arterien-Quetschung) vor Überheblichkeit. „Gerade in unserer Situation nach dem Umbruch von Sparringspartnern zu reden, möchte ich tunlichst vermeiden“, sagte er. Sein Team mit den vielen jungen Spielern sei „noch nicht so gefestigt. Früher, als wir eine eingespielte Mannschaft hatten, sind wir zu solchen Spielen in der Überzeugung angetreten, dass wir uns den Gegner im Laufe des Spiels zurechtlegen und dann zuschlagen können. Da waren wir in der Lage, solche Spiele mit drei, vier Toren Unterschied zu gewinnen.“

Alles andere als ein Sieg wäre dennoch eine riesige Enttäuschung, auch wenn die Mannschaft noch „reifen“ müsse, wie es DFB-Direktor Oliver Bierhoff formulierte und feststellte: „Der Umbruch ist vollzogen, die Entwicklung muss jetzt stattfinden.“

Über der richtigen Aufstellung für diese Entwicklung brütete Sorg nach dem Abschlusstraining im Stadion De Koel. Das tägliche Telefonat mit Löw durfte da natürlich nicht fehlen. Sorg versicherte, dass der Bundestrainer vor dem 100. EM-Qualifikationsspiel einer DFB-Auswahl das „letzte Wort“ habe.

Die Spieler gaben sich derweilen trotz der ungewohnten Situation ohne Löw, der erstmals in seiner Amtszeit nicht im Stadion sein wird, gelassen. „Wir haben genauso großes Vertrauen in ihn wie wir es in Jogi haben“, sagte Julian Draxler über Sorg, der „mit aller Macht eine optimale und souveräne Qualifikation“ spielen will: „Dazu gehören die sechs Punkte, damit wir die Tabelle im Sommer anführen können.“

Die voraussichtliche Aufstellung der DFB-Auswahl: Neuer - Klostermann, Süle, Ginter, Schulz - Kimmich, Gündogan - Goretzka - Gnabry, Reus, Sane

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