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KKW Brunsbüttel: Rückbau erst ab 2017

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 00:34 Uhr

Das Kernkraftwerk Brunsbüttel an der Elbe – 300 000 Tonnen Stahl und Beton sind hier verbaut. Bis spätestens 2033 soll die Atomanlage abgebaut, das Areal wieder eine grüne Wiese sein. Der Betreiber Vattenfall hat gestern seinen Fahrplan dazu im Kieler Energiewendeministerium hinterlegt.

Geht alles glatt, könnte mit dem Abriss „in drei bis vier Jahren“ begonnen werden, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) gestern in Kiel. „Ein Spaziergang“ werde der Abbau jedoch nicht, assistierte der Grüne Energiepolitiker Detlef Matthiessen.

Problem Kernbrennstoff: Noch stecken die Brennelemente im Reaktordruckbehälter. Was fehlt für die Entladung, sind Castorbehälter in ausreichender Anzahl. Die müssten erst zugelassen werden – durch die Bundesämter für Strahlenschutz und Materialforschung.

Problem schwach- und mittelradioaktiver Abfall: Das Endlager Schacht Konrad ist zwar genehmigt, steht aber frühestens 2021 zur Verfügung. Deshalb wird beim Kernkraftwerk Brunsbüttel auf einer Fläche von 4500 Quadratmetern vorübergehend ein Zwischenlager gebaut werden müssen.

Zwar gelten 93 Prozent des rund um die Anlage anfallenden Bauschutts als „uneingeschränkt weiter verwendbar.“ Nur will niemand den Schrott haben. „Der ist faktisch unproblematisch, aber emotional eben nicht“, sagte der Geschäftsführer von Vattenfall Nuclear Energy, Pieter Wasmuth. Deponiebetreiber weigerten sich bundesweit, solche radiologisch unbedenklichen Abfälle anzunehmen. Bleibe es dabei, werden Stilllegung und Abbau nicht gelingen, sagte Habeck.

Die Kosten für den Rückbau bezifferte Wasmuth auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Dafür seien Rückstellungen von 1,6 Milliarden Euro gebildet worden. Wie Vattenfall mit dem ebenfalls stillgelegten Kernkraftwerk Krümmel verfahren wird, ließ der Vattenfall-Manager offen.

Zugleich gibt es rechtliche Auseinandersetzungen. So hatte das Oberverwaltungsgericht in Schleswig die Genehmigung für das Abstellen von Castoren im Standort-Zwischenlager Brunsbüttel am 19. Juni aufgehoben. Ein Anwohner hatte geklagt, weil die Folgen terroristischer Angriffe nicht hinreichend geprüft worden seien. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Sollte der Kläger sich in dem wahrscheinlich noch Jahre dauernden Rechtsstreit durchsetzen, drohe „ein mittleres atompolitisches Erdbeben“, sagte Habeck. Alle Zwischenlager bundesweit seien ähnlich konzipiert. „Der Ball liegt bei Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU)“, so Habeck. Der Bund müsse dafür sorgen, dass es eine rechtssichere Genehmigung für das Lager in Brunsbüttel gibt.
Internet: www.perspektive-brunsbuettel.de

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