Kiel zieht den Kopf aus der Schlinge

Er brachte Kiel in die Spur: Doppeltorschütze Alexander Mühling (Zweiter von rechts) wird von seinen Teamkollegen gefeiert.
Er brachte Kiel in die Spur: Doppeltorschütze Alexander Mühling (Zweiter von rechts) wird von seinen Teamkollegen gefeiert.

DFB-Pokal: Fußball-Zweitligist macht bei 1860 München in der Schluss-Viertelstunde aus 0:1-Rückstand einen 3:1-Sieg

shz.de von
19. August 2018, 20:56 Uhr

Das war knapp. Holstein Kiel ist dank Alexander Mühling mit Mühe in die zweite Runde des DFB-Pokals eingezogen. Der Fußball-Zweitligist aus dem Norden setzte sich gestern Abend mit 3:1 (0:1) beim Drittliga-Aufsteiger 1860 München durch und revanchierte sich damit für das Erstrunden-Aus in der Saison 2014/15 (1:2). „Wir haben schon in der ersten Halbzeit guten Fußball gezeigt und fast nichts zugelassen – bis auf den Konter zum 0:1“, sagte Kiels Trainer Tim Walter und erklärte: „Nach der Pause haben wir das Tempo noch einmal erhöht, sind geduldig geblieben und haben zwangsläufig dann auch die Tore erzielt.“

Zum ersten Mal in der jüngeren Vergangenheit waren die „Störche“ als klassenhöherer Favorit in ein Spiel im DFB-Pokal gegangen. Im Stadion in der Grünwalder Straße war davon in der ersten Halbzeit über weite Strecken aber nicht viel zu sehen. Zwar verzeichneten die Gäste wesentlich mehr Ballbesitz und waren von Beginn an um Struktur in ihren Aktionen bemüht, zumeist fehlte aber entweder die letzte Genauigkeit in den Pässen und Flanken oder aber eine zündende Idee, um die Defensive der Bayern in Unordnung zu bringen. Auf der Gegenseite führte ein für ein unterklassiges Team im Pokal so oft erfolgreiches Stilmittel zum Erfolg. Mit ihrem ersten offensiven Ausrufezeichen sorgten die „Löwen“ per blitzsauberem Konter für Torjubel. 1860-Regisseur Adriano Grimaldi schickte Nico Karger auf die Reise. Der Stürmer ließ Dominik Schmidt stehen und tunnelte KSV-Keeper Kenneth Kronholm (7.). Die „Störche“ brauchten einen Moment, um sich davon zu erholen. Jaesung Lee war zweimal gefährlich, doch erst wurde sein Kopfball abgeblockt (11.) und dann traf der Südkoreaner 13 Meter vor dem Tor freistehend und von Johannes van den Bergh bedient den Ball nicht (18.). Die Norddeutschen blieben am Drücker, ohne allerdings wirklich zwingend zu sein.

Stattdessen war Kronholm erneut geschlagen, doch beim Treffer von Karger hatte der Ball vor der Hereingabe von Phillipp Steinhart bereits die Torauslinie überschritten (27.), das Tor zählte folgerichtig nicht. Erst gegen Ende des ersten Abschnitts wurden die „Störche“ wieder gefährlicher. Im Anschluss an einen weiten Pass brachte Kingsley Schindler den Ball per Direktabnahme vor das Tor, doch Serra traf mit seinem Abschluss aus spitzem Winkel nur das Außennetz (40.). Wenig später war es erneut Serra, der nach Kopfball-Vorlage von Schmidt per Kopf knapp verzog (42.).

Wer nach der Pause ein Kieler Powerplay erwartete, der wurde zunächst enttäuscht. In Sachen Ballbesitz hatten die Gäste zwar weiterhin mehr zu bieten, Chancen sprangen dabei aber nicht heraus. Erst Mitte des zweiten Durchgangs gab es einen Hauch von Gefahr, doch die Schüsse von Mathias Honsak (66.) und Mühling (67.) blieben in der 1860-Abwehr hängen. Der Ausgleich für die KSV fiel dann fast wie aus dem Nichts. Der ebenfalls eingewechselte Aaron Seydel setzte sich auf der linken Seite energisch durch und passte flach in den Rückraum. Aus dem Hintergrund rückte Mühling nach und verwandelte überlegt zum 1:1 (74.). Bei 1860 schwanden die Kräfte, Holstein setzte nach. Erst verpasste Mühling nach feinem Solo noch seinen zweiten Treffer (76.), den er dann aber sehenswert nachholte, indem er einen geblockten Honsak-Schuss aufnahm und den Ball aus 20 Metern ins Netz zirkelte (83.). Nun mussten die „Löwen“ kommen – und bekamen per Konter durch das 1:3 von Schindler den finalen Knockout verpasst (87.).

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