Kiel und Lübeck: Jetzt streiken auch die Uni-Ärzte

Dr. Marret Bohn, Sprecherin für Gesundheit und Soziales
Dr. Marret Bohn, Sprecherin für Gesundheit und Soziales

Vor der nächsten Verhandlungsrunde machen Mediziner und Pflegekräfte im UKSH Druck

Margret Kiosz von
04. Februar 2020, 12:52 Uhr

Kiel/Lübeck | Jetzt also auch die Mediziner: Nachdem die Unikliniken in Schleswig-Holstein bereits zwei Tage durch die Arbeitsniederlegung der Pflegekräfte lahmgelegt wurden, folgten gestern etliche der rund 1600 Mediziner an den Standorten in Kiel und Lübeck dem Aufruf des Marburger Bundes zu einem Warnstreik. Zu viele Nachtdienste und Überstunden bei zu niedriger Bezahlung beklagt die Interessenvertretung der angestellten Ärzte. Die Arbeitsbedingungen seien zu hart, jeder zweite Arzt fühle sich überlastet, begründet der Marburger Bund den bundesweiten Streikaufruf an die 20 000 Mediziner an 23 Uni-Kliniken. In Kiel und Lübeck folgten gestern laut Verdi etwa 500 Beschäftigte dem Aufruf. Nach Angaben des UKSH hatten sich nur 160 Ärzte abgemeldet.

Unterstützung kommt von den Grünen im Landtag: „So kann es am UKSH nicht weitergehen!“ erklärt deren gesundheitspolitische Sprecherin Marret Bohn. „Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens erweist sich als verhängnisvoller Irrtum“. Nur eine angemessene, reale Personalausstattung gewährleiste eine gute medizinische und pflegerische Versorgung, Der Warnstreik sei ein Alarmsignal, die Hilfe unabhängiger Schlichter dringend erforderlich.

Dabei scheint die Faktenlage verworren. Die UKSH -Leitung widersprach den Vorwürfen der Gewerkschaft, in den vergangenen 20 Jahren seien allein in der Pflege rund 750 Vollzeitstellen abgebaut worden. „Vor 20 Jahren gab es das UKSH in dieser Form noch gar nicht“, erklärte Sprecher Oliver Grieve und erinnerte daran, dass allein seit 2015 die Zahl der Pflegestellen um 19 Prozent auf 2317 erhöht worden sei. Trotzdem: „Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie den UKSH-Vorstand zu einem Kurswechsel bewegt“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Steffen Kühhirt.

Derweil versucht das UKSH, die Auswirkungen für die Patienten so gering wie möglich zuhalten. „Wir haben alle verschiebbaren Termine per Telefon abgesagt“, so Grieve. Wo Not am Mann sei gebe es eine hohe Bereitschaft der Streikenden, an den Arbeitsplatz zurückzukehren, lobte er. „Zum Glück haben auch die Funktionäre der Gewerkschaft zugestimmt, dass ein schwerkrankes Kind an einem Hirntumor operiert werden durfte“, so Grieve.

Während für die Pflegekräfte vor Ort mit den Tarifpartnern verhandelt wird , finden die Gespräche mit dem Marburger Bund in Hannover statt, wo gestern auch die zentrale Kundgebung mit rund 2000 Ärzten stattfand.

Und das fordern die Mediziner: Eine automatisierte Erfassung der Arbeitszeit, maximal zwei Wochenenden im Monat arbeiten, eine Höchstgrenze für Bereitschaftsdienste, und das Gehalt soll insgesamt um sechs Prozent erhöht werden.

In Unikliniken starten junge Ärzte mit rund 4600 Euro pro Monat. Fachärzte bekommen knapp 6200 Euro, ein Oberarzt als Grundentgelt rund 7650 Euro . Hinzu kommen Zuschläge für Wochenend-, Nacht- und Feiertagsdienste. Die Tarifverhandlungen sollen Ende Februar in die nächste Runde gehen.

Für die 3300 Pflegekräfte des UKSH geht es bereits am Donnerstag nächster Woche mit den Verhandlungen weiter. Das Klinikum hat bisher angeboten, 182 zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Aus Verdi-Sicht werden 420 neue Mitarbeiter benötigt.

Selbst wenn sich die Parteien einigen würden, bleibt die Frage: woher nehmen? „Die Zahlen sind utopisch, das gibt der Arbeitsmarkt nicht her. Sollen wir die Kräfte in Flensburg oder Schleswig abwerben?“, fragt Grieve und verweist auf millionenschwere Werbekampagnen, um Personal zu finden.

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