Kiel – gefährliches Pflaster

Die Kieler Polizei im Gespräch mit Radlern, die auf der falschen Seite am Heuss-Ring fahren.
Die Kieler Polizei im Gespräch mit Radlern, die auf der falschen Seite am Heuss-Ring fahren.

Neue Steigerung bei Verkehrsunfallzahlen – besonders oft unter Alkoholeinfluss, auch unter Radfahrern

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26. April 2019, 10:12 Uhr

Kiel | Die Tendenz zeigt nach oben – weiterhin: Die Polizei hat im vergangenen Jahr erneut mehr Verkehrsunfälle in Kiel registriert als im Jahr zuvor. Einen besonders starken Anstieg ermittelten die Beamten bei den Unfällen unter Alkoholeinfluss.

Eine markante Erkenntnis beim Blick in die Statistik: „Rund jeder dritte bei einem Unfall verletzte Verkehrsteilnehmer in Kiel ist ein Radfahrer“, so Polizeioberkommissar Sven Clausen, der die Zahlen ausgewertet hat. Im Detail: 2018 kam es im Stadtgebiet zu insgesamt 9 447 Verkehrsunfällen. Das entspricht einem Zuwachs von 2,7 Prozent im Vergleich zu 2017. Die steigenden Zahlen beobachtet die Polizei „seit mindestens zehn Jahren“, führt dies unter anderem auf das gesteigerte Verkehrsaufkommen zurück. Das einzig Positive an dieser Meldung: Der Anteil der verletzten Verkehrsteilnehmer ist seit 2014 rückläufig.

Während die Anzahl der in Kiel verunglückten Radfahrer erneut gestiegen ist (zweithöchster Stand der letzten zehn Jahre), ist die Zahl der verunglückten Kinder auf den zweitniedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre gesunken, hieß es. „Die Polizeidirektion Kiel ist weiterhin bestrebt, durch gezielte Verkehrsüberwachung die Verkehrssicherheit zu erhöhen und insbesondere auf die Hauptunfallursache Geschwindigkeit sowie Alkohol- und Drogendelikte im Straßenverkehr einzuwirken“, so Polizeichef Jürgen Funk.

Zwei tödliche Verkehrsunfälle musste die Polizei in die Akten aufnehmen. Im Februar 2018 verstarb eine Fußgängerin (74), nachdem sie von einem alkoholisierten Lkw-Fahrer auf dem Parkplatz eines Supermarkts angefahren worden war. Drei Monate später wurde der Fahrer eines Kleinkraftrads (64) vor einer Verkehrsinsel von einem Lkw-Fahrer überholt und abgedrängt. Er fiel, prallte gegen einen Baum – und starb noch an der Unfallstelle.

Das Thema „Suff-Fahrten“ würde Sven Clausen am liebsten verschweigen, wie er eingesteht. 31,2 Prozent mehr registrierte Unfälle mit alkoholisierten Fahrern musste er verzeichnen (2017: 93 Fälle, 2018: 122). Die Zahlen verteilen sich nicht nur auf Auto-, sondern auch auf Radfahrer.

Besonders die radelnde Bevölkerung wollen die Verkehrsexperten der Polizei denn auch ins Visier nehmen. Zum einen, um sie besser zu schützen. Sven Clausen mahnt aber auch mehr Disziplin an. Nicht umsonst steht er an diesem Tag an einem der Unfallschwerpunkte: An der Ein- und Ausfahrt zu einem Schnellrestaurant an der B76 rollen Radfahrer gern auf der linken und damit verbotenen Seite in Richtung Stadtzentrum. Autofahrer, die zurück auf die Stadtautobahn fahren wollen, übersehen diese jedoch leicht. Schnell kommt es zum Zusammenstoß.

Unfall-Brennpunkte sind nach wie vor die Kreuzung Ostring/Theodor-Heuss-Ring, der „Überflieger“ von der B  404 auf die B  76, die Kreuzung Westring/Olshausenstraße sowie die B 76 zwischen „Holsteinverteiler“ und Eichhoftunnel.

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