Imkerei für Schüler : Keine Angst mehr vor „Fliege-Tieren“

Furchtlos: Imker-Schülerin Tjara Wilke kontrolliert eine Wabe des Bienenstocks.
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Furchtlos: Imker-Schülerin Tjara Wilke kontrolliert eine Wabe des Bienenstocks.

Der Tierpark Gettorf bietet auf seinem Gelände jetzt in Kooperation mit der Isarnwohld-Schule eine Bienen-AG für Schüler an.

shz.de von
29. August 2018, 16:09 Uhr

Das neue Schuljahr hat begonnen und somit startet auch der Förderverein „Freunde des Tierpark Gettorf“ in ein neues Jahr. „Seit 22 Jahren versuchen wir, den Tierpark in jeder Weise zu unterstützen“, sagt der Vereinsvorsitzende Volker Strehlow. Mit Werbeaktionen und verschiedenen Projekten wollen Strehlow und seine 250 Vereinsmitglieder auf das tierische Markenzeichen Gettorfs aufmerksam machen. Aber auch Kooperationen mit Schulen gehören dazu. So wie die mit der Isarnwohld-Schule, die jetzt die Bienen–AG hervorbrachte. Hier lernen die Schüler die Imkerei an zwei realen Bienenvölkern mitten auf dem Tierpark-Gelände kennen.

Svenja Ohms und Patrick Blass, Referendare an der Gettorfer Schule, haben die Arbeitsgemeinschaft für Schüler der sechsten bis achten Klasse während der Sommerferien vorbereitet. Allerdings waren sie dabei nicht allein: Trotz der schulfreien Zeit halfen die Schüler Mirco Spettler, Andre Hahn, Justin Friedrich, Tjara Wilke und Jule Itrich schon fleißig mit. Und dabei scheuen sie keinen Kontakt mit ihren stacheligen Schützlingen. Nach einer Unterweisung im Umgang mit Bienen kontrollieren die Siebtklässler – im Schutzanzug – bereits mehrmals pro Woche souverän die einzelnen Waben der Bienenstöcke, während es um sie herum summt und schwirrt. „Seitdem ich in der AG bin, habe ich keine Angst mehr vor Fliege-Tieren“, erklärt Justin lachend. Und Mirco findet: „Man lernt hier mit Spaß“. Zur Vorbereitung der Bienen-AG gehörte der Bau einer Unterbodenkonstruktion für die schweren Kästen – die Beuten–, in die beide Bienenvölker schließlich einzogen. „Wir haben Mitte Juni ein Volk von Bodil Busch und ein weiteres von einem Imker aus Gettorf geschenkt bekommen“, fasst Svenja Ohms zusammen. „ Es sind beides sehr sanfte Völker.“

Die Bienen bedürfen nun ständiger Kontrolle und Pflege. So müssen die Königin, ihre Arbeiter und Drohnen etwa regelmäßig mit Zuckerwasser angefüttert werden, damit sie über den Winter kommen. Denn: „Jetzt kommt schon die schwere Zeit für Bienen“, so Patrick Blass, „viele heimische Pflanzen sind schon abgeblüht“.

Im ersten Jahr werden sie noch keinen Honig ernten, das wissen die kleinen und großen Hobby-Imker schon. „Aber auf dem Weihnachtsbasar in der Schule wollen wir Wachskerzen verkaufen“, sagt Jule. „Das Geld stecken wir dann in die AG“. Denn für die Arbeit mit den Bienen sind weitere Anschaffungen nötig – vom Stockmeißel bis zu den Schutzanzügen für die Schüler. Die aktuellen Anzüge sind lediglich eine Leihgabe von Imkern.

Aber auch die festen Schuhe, die langen Jeans, der Schleier vor dem Gesicht und die Handschuhe können nicht jeden Angriff der Bienen verhindern. Tjara erlebte als Erste aus der Gruppe, wie sich ein Bienenstachel anfühlt. „Das tat schon ganz schön weh“, erklärt sie, während sie sich ein Kühlpack auf die betroffene Stelle am Bein hält. „Aber man überlebt es.“– Vor allem mit Blick auf das nächste Jahr. Denn dann beginnt die Honigproduktion der Bienen-AG.

„Wir sind unendlich dankbar für all die Unterstützung“, betont Patrick Blass. „Und es war toll, dass der Tierpark sofort bereit war, uns dieses Areal hier zur Verfügung zu stellen“, sagt der angehende Biologie- und Sportlehrer mit Blick auf die kleine Hütte in der Nachbarschaft der Truthähne im Gettorfer Tierpark. Noch werde diese „aufgehübscht“, sagt Volker Strehlow. „Die Sträucher kommen weg und es kommt eine Scheibe vor die Bienenstöcke, sodass die Tierparkbesucher auch sehen können, was hier passiert.“ Der Gettorfer Imker-Verein hatte das Holzhaus vor Jahren über die Bingo-Stiftung erworben und auf dem Gelände installiert. „Der Verein hat sich irgendwann aufgelöst und uns das Haus überschrieben“, so Strehlow. Dass das Häuschen mit der Bienen-AG wieder einen Nutzen hat, freut den Fördervereinsvorsitzenden besonders.

Der Förderverein „Freunde des Tierpark Gettorf“ präsentiert sich und seine Arbeit bei Veranstaltungen wie der Grünen Woche in Berlin. Außerdem bietet er verschiedene AG’s an den Schulen der Region an und unterstützt auch das Forschercamp und die Ferienaktionen im Tierpark. Für die Wintermonate plant Volker Strehlow kostenlose Vorträge unter anderem mit einem Weltenbummler und einer Vulkanologin. Und auch der Verkaufsliebling – der alljährliche Tierparkkalender – für das Jahr 2019 ist bereits gedruckt. Strehlows Vorhaben für 2018: „Wir werden die Tapirspur vom Bahnhof zum Tierpark erneuern.“

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