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Kampf gegen Bordell: Sylt wird Sperrgebiet

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Symbolischer Akt gegen Straßenprostitution

von
erstellt am 30.Jan.2014 | 00:34 Uhr

Als Teil ihres Kampfes gegen das geplante Nobel-Bordell in der Westerländer Fußgängerzone beantragt die Gemeinde Sylt beim Kreis Nordfriesland nun die Einführung eines Sperrbezirks für die gesamte Gemeinde Sylt. Damit wäre die Gemeinde Sylt nach Neumünster die zweite Stadt in Schleswig-Holstein, die so die eigentlich legale Ausübung der Prostitution eindämmen will. Ob ein Sperrbezirk gegen das geplante Edel-Bordell hilft, ist allerdings höchst fraglich: „Die Sperrbezirksverordnung soll Straßenprostitution verhindern und kann eventuell auf Wohnungsprostitution erweitert werden“, sagt Petra Reiber, Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt. Dass per Sperrbezirksverordnung ein Bordell verhindert werden kann, hält die Juristin für unrealistisch – trotzdem lasse man dies gerade prüfen. Die Einrichtung eines Sperrbezirks muss der Kreis Nordfriesland veranlassen, der dazu eine Erlaubnis des Innenministeriums des Landes braucht. In ihrem Antrag begründet die Gemeinde Sylt den Wunsch eines Sperrbezirks mit „Gründen des Jugendschutzes und der Wahrung des öffentlichen Anstandes“.

Bisher scheint Prostitution auf Sylt allerdings kein sonderlich großes Thema gewesen zu sein: „Die Insel ist in der Hinsicht eher tot“, erklärt Oliver König. Der Öffentlichkeitsbeauftragte der Internetseite sexnord.net produziert Werbung für norddeutsche Sexarbeiterinnen und schätzt, dass es auf Sylt lediglich zwei bis vier Frauen gibt, die der Prostitution hauptberuflich nachgehen. Während der Hochsaison kämen zwei zusätzliche Prostituierte auf der Insel. Ein bis drei Sylterinnen würden zudem gelegentlich sexuelle Dienste gegen Geld anbieten. Außerdem lebe eine Escort-Dame auf der Insel: „Es kommt außerdem häufiger vor, das Escort-Damen von den Urlaubsgästen direkt aus ganz Deutschland mitgebracht werden.“ Offiziell gibt es auf der Insel bisher ein Bordell. Straßenprostitution, die ein Sperrbezirk verhindern könnte, gibt es auf Sylt momentan nicht.

Ähnlich symbolisch wie die Einrichtung eines Sperrbezirks ist auch der Beschluss des Hauptausschusses, dass die Gemeinde Sylt das Bordell ablehne. Petra Reiber engagierte sich in den vergangenen Wochen öffentlich stark gegen die Eröffnung des „Gentlemen’s Club“, den der Stuttgarter Bordellbetreiber Jürgen Rudloff im Appartementhaus Strandburg eröffnen will.

Der Besitzer der Strandburg, Ex-Musicalkönig Rolf Deyhle, meldet sich derweil über seinen Pressesprecher Felix Kurz zu Wort: Der plötzliche Widerstand der Bürgermeisterin gegen das Bordell sei „überraschend“ – habe es doch von Seiten der Gemeindepolitik keine Kritik gegeben, als der Antrag für den „bordellähnlichen Betrieb“ durch die Gremien wanderte. „Warum Frau Reiber nun mit Alice Schwarzer um die Ecke kommt, ist mir daher eher unklar“, so Kurz. Die Feministin hatte der Bürgermeisterin ihre Unterstützung gegen das Bordell zugesagt (wir berichteten).

Nun möchten sich Vertreter der Gemeinde Sylt mit Deyhle treffen, um so die Eröffnung des Bordells zu verhindern, eventuell indem Deyhle Rudloff aus dem Pachtvertrag entlässt. Kurz dazu: „Es geht bei der Geschichte um recht viel Geld. Der Pachtvertrag, den Herr Deyhle mit Herrn Rudloff geschlossen hat, geht ja nicht nur über ein, zwei Jahre.“

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