Journalist und Buchautor der besonderen Art

Erich Maletzke im Gespräch mit Siegfried Lenz.
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Erich Maletzke im Gespräch mit Siegfried Lenz.

Zum Tode von Erich Maletzke

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12. Juni 2021, 08:50 Uhr

Es spielte sich zumeist in den späten Abendstunden ab. Wenn die Zeitung für den nächsten Tag fast fertig war. Die Seiten lagen auf dem Tisch des Chefredakteurs. So etwas wie Spannung machte sich breit im Verlagshaus der damals noch selbstständigen und von der Verlegerfamilie Möller herausgegebenen Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung in der Rendsburger Bahnhofstraße. Spannung dahingehend, ob Erich Maletzke die Seiten freigeben würde. Freigeben für den Druck. Die Abende in den achtziger Jahren sollten häufig länger werden. Unser Chefredakteur, später sh:z-Chefkorrespondent, korrigierte mit Bleistiften, deren Spitzen kaum noch zu erkennen waren. Dazu die eine oder andere süffisante Bemerkung. Inhalte waren ihm wichtiger als die Optik.

Maletzkes Ansprüche an das Geschriebene waren hoch. Er machte seine eigene Formulierungskunst zum täglichen Gradmesser. Was nicht von allen seiner Kolleginnen und Kollegen umzusetzen war. Hin und wieder aber lobte er sein Redaktionsteam. Das waren besondere Tage. Darauf durfte man stolz sein. Erhobenen Hauptes ging es auf den Heimweg.

Die Zeit mit Erich Maletzke bleibt im Redaktionskreis unvergessen. Sein Tod im Alter von 81 Jahren bewegt und nimmt uns mit in eine berufliche Vergangenheit, die in der überschaubaren schleswig-holsteinischen Presselandschaft von Erich Maletzke über Jahrzehnte journalistisch klug und kritisch begleitet und in Szene gesetzt wurde.

Jeden Sonnabend wartete die Landespolitik auf die „Kieler Impressionen“. Erich Maletzkes Kolumne war nicht nur ein ironischer Wochenrückblick, sondern auch kritischer und teilweise entlarvender Lesestoff. Er schrieb auch mehr als ein Dutzend Bücher, darunter „Der Tod des Kammerherrn“ oder „Ich kannte Felix Krull“, eine Fortsetzung von Thomas Manns „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“.

Es gibt viele Fotos, die „em“ bei Interviews mit politischer und kultureller Prominenz zeigen. Von den Gesprächen mit Siegfried Lenz, Golo Mann, Günter Grass, Wolf Biermann, Günter Kunert, Sarah Kirsch oder mit Marcel Reich-Ranicki erzählte er gern. Maletzke konnte amüsant, hintergründig, erklärend und humorvoll unterhalten. Man hörte ihm gern zu. Wie bei unserem letzten Treffen im Garten seines historischen Resthofes, der zwischen Eider und Nord-Ostsee-Kanal in der Einsamkeit kaum zu finden ist. Auf meine Frage, wo denn das Foto sei, das ihn als früheren Fußball-Torwart des Rendsburger TSV Ball fangend in fliegender Manier mit Mütze zeigt, hieß es: „Das habe ich verlegt.“ „Wo?“ „Sag ich nicht.“

Dieses Foto lag über Jahre in einem Holzkasten im Bildarchiv. Als Maletzke Wind davon bekam, dass dieser Schnappschuss zu seinem 60. Geburtstag veröffentlicht werden sollte, war das Bild verschwunden. Schade, wir hätten es gern veröffentlicht. Zeigt es den Journalisten und Buchautor doch in einer für ihn ungewöhnlichen äußeren Körperhaltung. In jungen Jahren hatte er Hobby und Beruf verbunden. Nach dem Abpfiff fuhr der Torwart auf dem Fahrrad in die Redaktion und fertigte selbst den Zeitungsbericht an. Als „em“ diese Episode erzählt hatte und der Abend nahte, schlug er vor, gemeinsam doch noch einen Schnaps zu trinken. Gebrannt in Albenga an der ligurischen Küste, wo er zusammen mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Astrid Bölter so gern seinen Urlaub verbrachte. Dorthin wollte er auch in diesem Herbst reisen. Sein Tod kam jedoch leider früher.

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