Jobticket und Luftfilter? „Lächerlich!“

Umwelthilfe kritisiert Kämpfers Konzept für bessere Luft

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15. Juli 2019, 09:27 Uhr

Kiel | Bloß keine Fahrverbote für alte Diesel-Fahrzeuge riskieren: Die Stadt Kiel setzt auf das Angebot eines Jobtickets – und den Einsatz von Luftfilter-Anlagen am viel befahrenen Theodor-Heuss-Ring. Das geht aus der Stellungnahme der Landeshauptstadt an das Kieler Umweltministerium zum Entwurf des Luftreinhalteplans hervor (wir berichteten). Diesen Ansatz und weitere Ideen kritisierte die nicht unumstrittene Deutsche Umwelthilfe (DUH) gestern. Sie hält Diesel-Fahrverbote in Kiel noch in diesem Jahr für „alternativlos, um die saubere Luft noch dieses Jahr für alle Bürger sicherzustellen“, teilte sie in einer Reaktion auf die Stadt mit.

„Landesregierung und Oberbürgermeister machen sich lächerlich mit vorgeschlagenen NO2-Staubsaugern und einem Spurwechsel für Diesel-Pkw direkt an der amtlichen Messstation“, hieß es. „Solche Vorschläge passen nach Schilda, nicht aber in eine der am höchsten belasteten Städte Deutschlands“, so Jürgen Resch von der DUH. Im November 2017 hatte die Umwelthilfe Klage vor dem Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsgericht eingereicht. Ziel der Klage ist die schnellstmögliche Einhaltung des EU-Grenzwerts für Stickstoffdioxid (NO2) von 40 Mikrogramm im Jahresmittel in Kiel. Am Theodor-Heuss-Ring (B 76) werden seit Jahren die Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschritten. Dennoch hatte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) im Mai erklärt, bei zusätzlichen Maßnahmen könnten Fahrverbote vermieden werden.

Das Ziel der Stadt Kiel ist indes: möglichst niemandem wehzutun – nicht den Autofahrern, nicht den Gewerbetreibenden – und trotzdem die Luft sauberer zu machen. Sie hofft auf den noch nicht bescheinigten Reinigungseffekt von Luftfilteranlagen, die im Frühjahr in Kiel getestet wurden – Kostenpunkt rund 500.000 Euro – und ein attraktives, günstiges oder gar kostenfreies Jobticket. Dies soll in einem ersten Schritt ab August 2020 die Beschäftigten der Stadt zum Umsteigen auf ein umweltfreundliches Verkehrsmittel bewegen. Gespräche würden schon geführt. Unklar ist die Finanzierung.

„Auch Verbesserungen im ÖPNV, unser neues Bike-Sharing-System „Sprottenflotte“ und die Erprobung der kostenlosen Fahrradmitnahme auf der Schwentine-Fähre tragen dazu bei, dass immer mehr Kieler auf emissionsarme Verkehrsmittel umsteigen“, erklärte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer in der Stellungnahme. „Das wird messbare Verbesserungen am Heuss-Ring bringen.“

Das Umweltministerium prüft die Vorschläge der Stadt nun.




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