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Job-Vermittler entsorgt Kunden-Akten im Altpapier

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Polizist sichtet Akten, die in einem Altpapiercontainer liegen. Der private Arbeitsvermittler „Job Placement“ soll die sensiblen Personaldaten seiner Kunden einfach in den Müll geworfen haben.

Analoger Datenskandal in Bad Schwartau (Kreis Ostholstein): Im Altpapiercontainer lagen Bewerbungsschreiben mit Fotos, Anschriften und Telefonnummern, Lebensläufe, Führungs- und Gesundheitszeugnisse, Beurteilungen, Zertifikate, Schulzeugnisse und nicht zuletzt die Arbeitsvermittlungsverträge.

Eine der Betroffenen, die versucht hatte, über die Agentur einen Job zu finden, war Bürokauffrau Sarina K. aus Travemünde. Sie ist empört, sagt: „Das ist eine Sauerei.“

Die Polizei nahm telefonisch Kontakt zum Geschäftsführer von „Job Placement“ auf – dank der zahlreichen Visitenkarten im Müll kein Problem. Der Firmenchef soll den Polizisten jedoch beschimpft und gleich noch eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung kassiert haben.

Unserer Zeitung sagte „Job Placement“-Geschäftsführer Thorsten M. Möller (49): „Die Firma gibt es nicht mehr, meine Mitarbeiter hatten den Auftrag, die Akten ordnungsgemäß zu schreddern. Davon bin ich ausgegangen, weil wir ja ein Gerät dafür hatten. Es hätte nur eine Stunde gedauert.“ Alles ein Versehen? Die Polizei ermittelt wegen Verstoßes gegen den Datenschutz.

„Rechtlich handelt es sich um eine Datenübermittlung an einen unbestimmten Personenkreis“, sagt Sven Polenz vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD). Das sei eine Ordnungswidrigkeit, die mit Bußgeldern von bis zu 300 000 Euro bestraft werden könne. „Bei besonders sensiblen Daten wie Gesundheitszeugnissen haben die Verursacher außerdem die Pflicht, alle Betroffenen zu informieren. Wenn das unterbleibt, wird ebenfalls ein Bußgeld fällig.“

In Schleswig-Holstein hat es in den vergangenen drei Jahren laut ULD rund zehn Fälle gegeben, bei denen Akten im Altpapier landeten, darunter Unterlagen einer Rechtsanwaltskanzlei und Patientenakten. Polenz: „Wir verstehen das nicht. Es gibt zertifizierte Unternehmen, die Akten vernichten, die Kosten sind nicht sehr hoch.“

In Bad Schwartau wurde der Müllcontainer von der Polizei zunächst auf einen Hinterhof geschoben. Später wurden die Akten vom Firmenchef persönlich abgeholt, der eine ordnungsgemäße Vernichtung versprach.

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erstellt am 27.Aug.2014 | 12:39 Uhr

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