„Ich bin noch nicht in China gewesen“

Günther will unter anderem die Unternehmenszentrale des chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba in Hangzhou besuchen.
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Günther will unter anderem die Unternehmenszentrale des chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba in Hangzhou besuchen.

Das ändert Regierungschef Günther jetzt: Er besucht das Land mit einer Wirtschaftsdelegation

shz.de von
12. September 2018, 16:42 Uhr

Bei Gesprächen im Reich der Mitte will Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die Kooperation mit der Partnerregion Zhejiang ausbauen. Er wolle als Regierungschef in China für Unternehmen aus dem Norden Türen öffnen und Kontakte vermitteln, sagte Günther vor dem Start seiner einwöchigen Reise nach Hangzhou und Shanghai. „Denn diese Partnerschaft hat für unser Bundesland eine hohe Bedeutung.“ Zwischen beiden Regionen gebe es Zusammenarbeit in vielen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Bereichen. „Aus Sicht Schleswig-Holsteins hat die Bedeutung zugenommen.“ Für den Politikwissenschaftler ist es nicht nur seine erste längere Auslandsreise als Regierungschef, sondern auch der Antrittsbesuch in der Partnerregion mit rund 55 Millionen Menschen. Neben der bei einem Besuch obligatorischen Fahrt auf dem Westsee trifft sich Günther am Montagabend in Hangzhou mit dem Parteisekretär Che Jun zu politischen Gesprächen. Anschließend ist ein gemeinsames Abendessen auf Einladung der Provinzregierung Zhejiang geplant.

Begleitet wird Günther von einer Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegation mit rund 50 Teilnehmern, darunter auch Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) und Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). „China ist mittlerweile außerhalb der EU der zweitwichtigste Handelspartner des Nordens“, sagte Günther. Das asiatische Land mit seinen 1,4 Milliarden Menschen strebe in verschiedenen Bereichen nach vorne. In vielen gebe es Anknüpfungspunkte für Kooperationen beider Regionen.

Erstes Ziel ist am Wochenende die Provinzhauptstadt Hangzhou. Die Beziehungen zwischen der chinesischen Provinz und dem nördlichsten Bundesland reichen bis ins Jahr 1986 zurück. Geplant sind unter anderem Besuche der in China dominierenden Online-Handelsplattform Alibaba (Börsenwert 420 Milliarden Dollar – etwa 361 Milliarden Euro) und dem High-Tech-Zentrum Dream Town, in dem junge Chinesen in Start-ups dem Erfolg von Alibaba-Chef Jack Ma nacheifern. „Für uns ist es natürlich besonders spannend zu sehen, was dort im Bereich der Digitalisierung passiert“, sagte Günther.

Wirtschaftsminister Buchholz besucht in China Start-ups. Hiesige Unternehmen könnten von den Chinesen gerade im Bereich digitaler Produkte viel lernen. „Nach meinem Eindruck hat uns die chinesische Gründerszene vor allem eines voraus – nämlich Geschwindigkeit“, sagte Buchholz. Dort habe man den Mut, auch Produkte auf den Markt zu bringen, die noch nicht vollständig ausgereift seien. „Denn in China weiß man: lieber schnell und unperfekt auf dem Markt, als zu spät und dafür perfekt.“ Laut Wirtschafts- und Technologieförderung Schleswig-Holstein (WTSH) stand China bei den Exporten hiesiger Firmen im ersten Halbjahr auf Platz acht. Das Schleswig-Holstein Business-Center (SHBC) habe in den vergangenen Jahren mehr als 200 Firmen den Weg in den chinesischen Markt geebnet. Aktuell betreue das SHBC 23 Unternehmen, sagte Geschäftsführer Bernd Bösche.

Günther freut sich darauf, die „Dimensionen dieses Landes“ in Augenschein nehmen zu können. „Ich bin noch nicht in China gewesen“, sagte er. Chinesisch gegessen hat er bislang nur im Restaurant, Berührungsängste mit der Küche des Landes hat er nicht: „Ich bin ein Allesesser. Bisher hatte ich höchst selten etwas auf dem Teller, an das ich mich nicht rangewagt habe.“ Ein anderes Thema der Reise ist der Tourismus. „Es sind mehrere Treffen mit Vertretern der chinesischen Tourismuswirtschaft geplant, im Zuge derer wir für Schleswig-Holstein als Urlaubsziel werben werden“, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD, Birgit Herdejürgen.

Ihre Aktivitäten im Fernen Osten wollen auch norddeutsche Hochschulen vorantreiben. Mehrere Institute aus Kiel planen Abkommen mit der Zhejiang Universität. Für Regierungschef Günther wäre die Reise bereits ein Erfolg, „wenn beide Seiten die Partnerschaft weiter mit einem positiven Gefühl betrachten“.

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