Hohe Kontogebühren statt Minus-Zinsen

Wie Banken und Sparkassen sich durch die Hintertür ihr Geld wiederholen

Margret Kiosz von
29. Januar 2020, 12:11 Uhr

Kiel | Die Politik des billigen Geldes lässt vielen Banken keine Wahl. Sie verlangen selbst für Kleinigkeiten immer höhere Gebühren – oft vom Sparer unbemerkt. Fast jede zweite Bank oder Sparkasse hat im vergangenen Jahr die Preise für Girokonten angehoben. Und die Preiserhöhungen setzen sich im Januar massiv fort. Laut einer Analyse des Verbraucherportals Biallo.de stiegen in diesem Januar bei 188 von 1276 untersuchten Geldinstituten die Kontogebühren – darunter auch bei sechs in Schleswig-Holstein. Dies seien so viele wie noch nie in einem Monat. Ein Girokonto kostet im Schnitt jetzt 72 Euro pro Jahr.

Ein Grund für das Drehen an der Gebührenschraube ist nach Ansicht von Verbraucherschützern die Null- und Negativzinspolitik der EZB. Ein oder zwei Euro mehr im Monat zu kassieren sei einfacher als Negativzinsen zu verlangen. Allerdings treffen solche Preiserhöhungen Kleinsparer heftiger als Kunden, die ein paar 100 000 Euro Guthaben auf Konten liegen haben.

Bereits 2019 hatten laut Biallo-Portal 550 Anbieter ihre Gebühren erhöht. „Mehr Geld für die Kontoführung verlangten Banken und Sparkassen vor allem auf dem Land oder in kleineren Städten“, meint Horst Biallo. „Das liegt vermutlich daran, dass dort der Konkurrenzkampf nicht so groß ist. In Großstädten haben wir viel weniger Bewegung“, sagte er unserer Zeitung. So hebe die Raiffeisenbank Todenbüttel im Kreis Rendsburg-Eckernförde die Gebühren für das Komfort/Basiskonto von 9,95 Euro auf 11,95 Euro an. Bei der Sparkasse Elmshorn sei der Goldkartenpreis von 60 auf 78 Euro gestiegen und bei der Nord-Ostsee Sparkasse von 78 auf 88.

Ein eindeutiges Muster lässt sich dabei nicht erkennen. Mal würden die Monatspreise um 50 Cent angehoben, mal mehr für Überweisung am Bankterminal oder für Bareinzahlungen kassiert. Die Banken seien sehr kreativ, was ihre Preispolitik angeht. „Unterm Strich kosten etliche kleine Leistungen jetzt Geld, die es früher einmal kostenlos gab.“

Biallo äußerte in der Süddeutschen Zeitung sogar den Verdacht, „dass viele Geldhäuser derzeit alles tun, damit die Kunden nicht in die Filialen kommen“ und fragt sich, „wann die erste Bank ein Eintrittsgeld für den Besuch einer Filiale erhebt“.

Die neueste Preiserhöhungsrunde spiegelt sich auch in den Durchschnittspreisen wider. Das klassische Basiskonto kostete nach Angaben des Verbraucherportals im Dezember 2018 im Schnitt noch 4,78 Euro, jetzt seien es 4,91. Am stärksten verteuert haben sich reine Onlinekonten, deren monatlicher Durchschnittspreis von 2,73 Euro auf 3,63 Euro gestiegen ist. Bei den Premiumkonten, bei denen meist die Zahl der Buchungen und Abhebungen unbegrenzt ist und die Girocard nichts extra kostet, stieg der Durchschnittspreis in diesem Zeitraum von 9,42 auf 10,15 Euro im Monat, wie die Süddeutsche berichtet.

Noch gibt es nach Angaben Biallos aber fast 40 Banken, die bei Privatkonten keine Gebühren erheben. Außerdem gebe es gut 60 Geldhäuser, die unter Bedingungen – wie etwa monatlichen Geldeingängen – keine Monatspauschale einziehen. Verbraucherschützer raten deshalb einen Kontowechsel zu prüfen. Ein Wechsel sei heute leichter als früher, weil die alte Bank gesetzlich verpflichtet sei, beim Umzug zur neuen Bank zu helfen. Nicht einmal den Dauerauftrag für die Miete muss man selbst ändern.

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