Hilfsbedürftige werden Gastgeber

Als es endlich aufklarte, nutzten die Kinder die Spiele auf der Wiese.
Als es endlich aufklarte, nutzten die Kinder die Spiele auf der Wiese.

Flüchtlinge bedankten sich bei Helfern und Paten des Tornescher Sprachcafés mit einem Fest

shz.de von
29. August 2018, 16:35 Uhr

Das Opferfest, das höchste aller islamischen Feste, nahmen die Flüchtlinge und Migranten des Tornescher Sprachcafés „Come TOgether“ zum Anlass, ihre Helfer und Paten zu einem Grillfest einzuladen und sich so für ihr Engagement zu bedanken. Selbstgemachte Salate und Kuchen aus verschiedenen Kulturkreisen sowie Grillfleisch warteten auf die deutschen Gäste. Bezahlt hatten die Flüchtlinge das Festessen aus den Erlösen ihres Stands auf dem Tornescher Weihnachtsmarkt. Auch die Vorbereitung hatten sie weitgehend selbst erledigt, mit der sprachlichen Unterstützung durch die Flüchtlingsbeauftragten Brigitte Berger und Mahdi Habibpur.

Mit der Einladung wollten die Neubürger ihren Helfern etwas zurückgeben. „Frau Berger hilft uns, wir helfen auch“, sagt Khnaf Saml, eine Jesidin aus dem Irak, „Deutschland ist ein nettes Land, wir möchten auch helfen.“ Amilah Rezai und Nadia Amirzada aus Afghanistan schätzen am Sprachcafé, dass man etwas mit Deutschen gemeinsam machen kann, aber auch Menschen aus ganz anderen Ländern trifft. „Das Opferfest ist das größte Fest in Afghanistan“, erzählt Rezai. Da die Großfamilie fehlt, mit der man sonst zusammen feiert, kommt man nun im Sprachcafé zusammen. „Das ist meine Familie hier“, sagt Amirzada. Die drei Frauen und ihre Männer waren bei der Organisation des Fests in erster Reihe, ebenso wie Walid Yagoubi, der zur Feier des Tages afghanische Tracht angelegt hat.


Erst im Stadtteilbüro, dann draußen gefeiert

Das Wetter machte den Feiernden zunächst einen Strich durch die Rechnung, denn es regnete in Strömen. So saß die Gesellschaft zunächst im Stadtteilbüro beisammen, wo die Kinder die Spielecke in Beschlag nahmen und abwechselnd arabische und afghanische Musik gespielt wurde. Später dann klarte es auf, so dass die vorbereiteten Outdoor-Spiele für die Kids zum Einsatz kamen. Auf der Wiese vergnügten sie sich beim Entenangeln, Rasen-Skilaufen und mit dem großen Weltball.

Durch das Abebben der Flüchtlingswelle gibt es nur noch selten Neuzugänge im Sprachcafé. Manchmal kommen Migranten umzugsbedingt dazu, aber die meisten leben schon eine ganze Weile in der Stadt. „Die ehrenamtlichen Helfer gehen zurück“, berichtet die Koordinatorin Brigitte Berger. Umso mehr freut sie sich, dass einige ihrer jüngeren Schützlinge mittlerweile so weit sind, dass sie hilfsbedürftige Migranten bei behördlichen Gängen unterstützen können.

Wenn es mehr Deutsche gäbe, die das Sprachcafé besuchen würden, würde das die Teilnehmer sehr freuen. Denn es ist der Wunsch vieler Neubürger, möglichst oft Deutsch mit Muttersprachlern zu sprechen, um die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern. Wer also zum Klönen vorbeischauen möchte, ist jeden Freitag von 15.30 bis 17 Uhr im Stadtteilbüro in der Pommernstraße  99 willkommen. Besonders bedanken möchte sich Berger bei vier ansässigen Firmen, die bereits über Jahre hinweg mit Sachspenden helfen. „Schlachterei Dörling, Getränke Richter und Blumen Neumann unterstützen uns bei allen Festen, und die Bäckerei Pein gibt uns sogar jede Woche Kuchen fürs Café.“

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