„Ich töte niemand“ : „Tatort“: Doppelmord und Kasperle-Theater

Die Kommissare Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) verhaften einen Zeugen im Fall der beiden toten Libyer.
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Die Kommissare Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) verhaften einen Zeugen im Fall der beiden toten Libyer.

Der neue Franken-„Tatort“ ist eine verwickelte Tragödie um Rache, Ehre und die Macht von Worten.

shz.de von
15. April 2018, 14:52 Uhr

So viel Düsternis ist selten. Ein grausiger Mordfall, verunsicherte Kriminalisten und eine bleischwere Geschichte, die uns Zuschauer einmal mehr bekehren soll. Auch der vierte Fall um die Nürnberger Kommissare Paula Ringelhahn und Felix Voss (Dagmar Manzel, Fabian Hinrichs) trieft so vor Bedeutsamkeit, als ginge es um eine Predigt. „Wehe dem Menschen, der zum Bösen verführt“ (Matthäus 18,7).

Den ersten Hammer verpassen uns Catharina Schuchmann (Buch) und Max Färberböck (Buch, Regie) mit den Mordopfern – ein 58-jähriger Libyer und seine Schwester. Seit 15 Jahren in Deutschland, voll integriert und nun mit einer Eisenstange zu Brei geschlagen. Augenblicklich scheint unser Kripo-Team überfordert. Denn schon vermuten die Medien eine rechtsradikale Bluttat und fordern rasche Aufklärung, auch wenn es dafür keinerlei Hinweise gibt. Ebenso wenig wie für eine Familientragödie oder einen Raubmord.

Erst als ein langjähriger Freund von Paula, Frank Leitner vom Betrugsdezernat (André Hennicke), auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, öffnet sich ein Zugang zu den brutalen Morden. Denn Leitner hatte kurz zuvor vergeblich versucht, Paula zu erreichen. Und: Leitner war offenbar in die rechte Szene abgerutscht. Aber warum? Kannte ihn Paula doch nur als integeren Familienvater und Polizisten.

Himmel, was für eine Kopfgeburt! Dieser „Tatort“ will ambitioniert sein, Haltung zeigen und menschliche Größe, stolpert aber unablässig über seine eigenen Ansprüche. Weil angesichts des Schreckens sich jede normale Handlung und Konversation verbietet? Muss deshalb jeder Satz in Larmoyanz ersaufen? Muss deshalb Hinrichs wie ein Kasperle durch die Verhöre und Dialoge hopsen, um den Wahnsinn irgendwie zu brechen? Nein, Färberböck tut sich mit diesem Betroffenheitstheater keinen Gefallen. Und uns Zuschauern erst recht nicht. Seine Predigt „Wehret den Anfängen!“ erreicht uns in dieser Düsternis der Gefühle nur halb. Schade um das vergossene Herzblut der Protagonisten!

>>> „Tatort – Ich töte niemand“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD




 

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