Jahrestreffen der dänischen Minderheit : Hauptstadt für ein paar Stunden: Aus Årsmøde wird Polit-Gipfel

Die Atmosphäre stimmt:  Lars Løkke Rasmussen (links) und Daniel Günther vor der Union Bank Fotos: martin ziemer, flensborg avis
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Die Atmosphäre stimmt: Lars Løkke Rasmussen (links) und Daniel Günther vor der Union Bank beim Umzug der dänischen Minderheit.

Der seit zwölf Jahren erste Besuch eines Kopenhagener Premiers machte Flensburg gestern kurz zur Landeshauptstadt.

shz.de von
03. Juni 2018, 19:49 Uhr

Das Jahrestreffen der dänischen Minderheit hat Flensburg gestern einen deutsch-dänischen Polit-Gipfel beschert. Nicht genug damit, dass Dänemarks Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen und sein Kieler Amtskollege Daniel Günther beide als Ehrengäste auf dem Sportplatz der dänischen Minderheit aufeinandertrafen. Bereits am Vormittag hatten beide bei einem gut halbstündigen Vier-Augen-Gespräch aktuelle politische Fragen erörtert und danach im größeren Kreis auf Einladung des dänischen Generalkonsuls Kim Andersen zu Mittag gegessen. Am Ende schaffte es Günther sogar, dass ihn Rasmussen zum Entscheidungsspiel in der Handball-Bundesliga in die Campushalle begleitete – obwohl der Zeitplan des Dänen-Premiers zunächst anders ausgesehen hatte.

Marcus Dewanger

Nach Günthers Kopenhagen-Besuch im September war es die zweite Begegnung der beiden. Die enge Zeitfolge „zeigt, dass wir eine spezielle Beziehung zwischen Deutschland und Dänemark und viele Gesprächsthemen haben“, befand Rasmussen nach dem Vormittags-Treffen vor der Presse. Bei der Zusammenkunft in den Räumen der Union Bank war Günther „wichtig deutlich zu machen, dass die Landesregierung weiter zum Zeitplan für die feste Fehmarnbelt-Querung steht“. Also: Planfeststellung bis Ende dieses Jahres.

Rasmussen kündigte an, dass heute im Parlament der Beschluss für den vielkritisierten Wildschein-Zaun entlang der Grenze fällt. Der Politiker prophezeite eine breite Mehrheit. Er beteuerte, das Projekt sei „kein Grenzzaun, sondern seine Idee ist ausschließlich der Schutz vor der Schweinepest“. Günther hielt dem entgegen, man stufe in Deutschland andere Infektionswege als Wildtiere als wahrscheinlicher ein – rang sich aber ab: „Wir respektieren die Art, wie die Dänen es machen. Der Zaun ist nichts, was unsere Länder voneinander trennt.“

Zumindest für einen Formelkompromiss reichte es bei den Grenzkontrollen. Günther wiederholte den „Wunsch, dass dies kein Dauerzustand ist“. Zumindest „grundsätzlich teilen wir diese Auffassung“, entgegnete Rasmussen. Auch er sei persönlich kein Fan davon. Angesichts von Migrationsdruck und Terror sehe er sich jedoch dazu gezwungen. Später, vor 3000 Besuchern auf dem Sportplatz an der Waldstraße, dankte Rasmussen den Bürgern, „dass ihr die Mühe auf euch nehmt, die mit den Grenzkontrollen verbunden sein können. Ich weiß, dass ihr davon nicht gerade begeistert seid“.

Prominentes Feld: Lars Løkke Rasmussen, Generalkonsul Kim Andersen und OB Simone Lange inmitten des Festumzugs durch die Stadt.
Martin Ziemer, Flensborg Avis
Prominentes Feld: Lars Løkke Rasmussen, Generalkonsul Kim Andersen und OB Simone Lange inmitten des Festumzugs durch die Stadt.

Mit Rasmussen nahm erstmals seit zwölf Jahren wieder ein dänischer Regierungschef am Jahrestreffen teil. Beide Ministerpräsidenten hatten den Festumzug der Minderheit vom Nordermarkt bis zum Sportplatz begleitet. Einig waren sie sich im Vorbild-Charakter des deutsch-dänischen Minderheitenmodells für andere Teile Europas – und darin, das 100-jährige Jubiläum der Grenzziehung 2020 als Anlass zum Blick nach vorn und damit einem Ausbau der Zusammenarbeit zu nehmen. „Andere beneiden uns um das, was uns wie eine Selbstverständlichkeit erscheint, aber in Wirklichkeit keine ist“, sagte Günther. Geradezu hymnisch urteilte Rasmussen über die Minderheit: „In einer Finsternis aus Bürgerkriegen und ethnischer Verfolgung tragt ihr die Fackel voran – die des Friedens und der Freiwilligkeit.“ Dass „das Dänentum Raum hat, südlich der Grenze zu blühen“, ist für Rasmussen „Ausdruck einer einzigartigen Freundschaft zwischen Dänen und Deutschen“.

Auch wenn Flensburg unzweifelhaft in Deutschland liege, so befand der Kopenhagener: „Die Stadt ist auch ein kleines Stück Dänemark“. Unter anderem die vielen dänischen Spieler der SG tragen dazu bei. Woraus Günther schlussfolgerte: „Wenn so eine tolle deutsch-dänische Mannschaft spielt, muss auch der dänische Ministerpräsident dabeisein“ – und zog, im wiederholten Anlauf mit seiner Einladung doch noch erfolgreich, gemeinsam mit „Løkke“ zur Campushalle von dannen.

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