„Happy-Harry-Days“

Carlsen-Chefin Renate Herre präsentiert zum Jubiläum eine Neuausgabe.
Carlsen-Chefin Renate Herre präsentiert zum Jubiläum eine Neuausgabe.

Vor 20 Jahren erschien die deutsche Ausgabe von J. K. Rowlings „Der Stein der Weisen“

shz.de von
30. Juli 2018, 14:32 Uhr

Im Harry-Potter-Universum ist der 31. Juli das magischste Datum – für deutschsprachige Muggel seit 20 Jahren. Kurz vor dem gemeinsamen Geburtstag des berühmten Zauberers und seiner Erfinderin Joanne K. Rowling (diesmal der 53.) am letzten Julitag brachte der Hamburger Carlsen Verlag 1998 „Harry Potter und der Stein der Weisen“ heraus. Ein Jahr nach dem englischen Original kam das Buch – damals noch ohne konkreten Erstveröffentlichungstag – in die hiesigen Buchläden.

Zwei Jahrzehnte später sind 34 Millionen deutsche Exemplare verkauft, steht eine Literaturprofessorin vor der Potter-Generation und erinnert sich eine Buchhändlerin der ersten Harry-Stunde an das von Beginn an Besondere. „Harry Potter ist für Carlsen auch heute noch außergewöhnlich und in der Buchbranche einzigartig“, sagt Verlagschefin Renate Herre. „Das wird es so wohl nie wieder geben.“ Der große Hype setzte zwischen dem dritten und vierten Band ein, rund um das Jahr 2000. „Plötzlich belegte ein Kinderbuch Platz eins bis drei der Bestsellerlisten“, erinnert Herre.

Wesentlich dazu beigetragen habe die Verbreitung des Internets. „Erstmals bekam ein Buchtitel eine eigene Homepage, vor allem aber wurde Fanfiction zum Mainstream“, erzählt sie. „Die Leser mussten ja die Wartezeit bis zum nächsten Band überbrücken. Es ist unglaublich, wie viele Geschichten sie dabei produziert haben.“

Emer O'Sullivan, Professorin für englische Literaturwissenschaft an der Lüneburger Leuphana Universität, trifft sie in ihren Seminaren – „diese privilegierte Generation, die mit der Reihe groß geworden ist, die bis zum nächsten Band warten und mitfiebern musste“. Für sie habe „Harry Potter“ so etwas wie eine moderne Mythologie begründet. „Es geht eben nicht nur um das offensichtliche ,Gut gegen Böse’, Rowling tastet sich auch an weitere ethische Fragen heran.“ Ihre Studenten erzählten ihr von Lektürerlebnissen, die prägend in ihrem Leben gewesen seien, erzählt die Dozentin.

Prägend war der Welterfolg auch für die Landschaft der Kinder- und Jugendliteratur. „Er löste nicht nur einen neuen Fantasyboom aus, es erschienen danach mehr Reihen und mehr Crossover-Titel, also Bücher für junge wie erwachsene Leser gleichermaßen“, erinnert die Expertin. „Vor allem aber wurde Kinder- und Jugendliteratur aufgewertet“ Auf dem deutschsprachigen Markt trug Übersetzer Klaus Fritz zum Erfolg bei. „Die Übersetzer bekamen meistens nur ganz wenig Zeit. Aber auch für seine sprachlichen Einfälle gebührt ihm ganz großes Lob“, sagt O'Sullivan.

Zum Jubiläum richtete Carlsen die Internetseite „20 Years Of Magic“ ein. Dort teilen Fans ihre schönsten Erlebnisse mit der magischen Welt. „Ich weiß noch, wie ich am Fenster gestanden und auf den Briefträger gewartet habe“, schreibt Cathrin. War das Buch endlich da, habe sie es sofort durchgelesen. Und Tania berichtet: „Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht kurz in Hogwarts vorbeischaue. Die Bücher sind meine Zuflucht, mein Ausbruch aus dem Alltag, mein zweites Zuhause und damit etwas ganz Besonderes.“

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