Hamburg-Berlin: Flixtrain will mit Bahn konkurrieren

Bald auch zwischen Hamburg und Berlin? Flixtrain hat Trassenzeiten für die Bahnstrecke zwischen den Metropolen beantragt.
Bald auch zwischen Hamburg und Berlin? Flixtrain hat Trassenzeiten für die Bahnstrecke zwischen den Metropolen beantragt.

Die DB streitet mit ihrem Rivalen um Trassenzeiten – der ab Dezember geplante Halbstundentakt droht zu scheitern

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20. August 2020, 17:02 Uhr

Hamburg/berlin | Erst anderthalb Monate ist es her, da hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer eine gute Nachricht von der Deutschen Bahn mitzuteilen: „Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember will die Bahn im Halbstundentakt zwischen Berlin und Hamburg fahren“, verkündete der CSU-Politiker. Vier Züge statt bisher nur drei in zwei Stunden sollten künftig je Richtung die beiden größten deutschen Städte verbinden – und damit den Anfang für den neuen Deutschlandtakt machen, der im Lauf der nächsten zehn Jahre republikweit für bessere Zugverbindungen sorgen soll.

Doch nun drohen die Bahnpläne für die Strecke zwischen Hamburg und Berlin zu scheitern: Bei der diesjährigen Vergabe der Trassenzeiten für die 287 Kilometer lange Strecke hat die Bahn laut einem Bericht des Berliner „Tagesspiegels“ nur drei statt der erhofften zwölf zusätzlichen Verbindungen von der DB Netz erhalten. Schlimmer noch aus Sicht des von Scheuer kontrollierten Staatsunternehmens: Der private Konkurrent Flixtrain will ihm nun erstmals auch auf der Rennstrecke zwischen den beiden Metropolen Konkurrenz machen. Er hat einige der Trassenzeiten erhalten, die eigentlich die Bahn haben wollte.

Bisher fährt Flixtrain nur auf den Strecken Hamburg-Köln und Köln-Berlin. Mit der Linie Berlin-Hamburg würde sich der Kreis schließen – der Betrieb der Züge dürfte lohnender werden. Ein Flixtrain-Sprecher wollte gestern zwar keine Details nennen, weil man von der DB Netz bisher nur einen vorläufigen Fahrplan erhalten habe und die Trassenvergabe noch von der Bundesnetzagentur überprüft werde. „Ohne den endgültigen Fahrplan sind noch keine Aussagen zu Trassen und Linien möglich“, erklärte er. Doch er sagte auch: „Allgemein möchten wir unser Angebot mit Flixtrain natürlich weiter ausbauen.“

Auch die Bahn teilte keine Einzelheiten mit. „Die DB Fernverkehr beabsichtigt, im Dezember 2020 mit einem dichteren Takt zwischen Hamburg und Berlin zu beginnen, und hat dazu entsprechende Trassen angemeldet“, sagte ein Sprecher. Die Trassenvergabe sei aber noch nicht beendet. Und: „Details des neuen Fahrplans werden wir wie immer im Herbst veröffentlichen.“

Beantragt hat die Bahn für die Linie Hamburg-Berlin je Richtung sechs zusätzliche ICE-Verbindungen. Die Züge sollen über den Tag verteilt die stündlichen ICEs und die zweistündlichen Eurocitys ergänzen, die über Berlin bis Prag fahren. So könnten in zwei Stunden vier Züge fahren – wenn auch nicht im echten Halbstundentakt, weil die Eurocitys gewöhnlich eine halbe Stunde und derzeit sogar oft über eine Stunde langsamer sind als die ICEs, die meist eine Stunde und  45 Minuten brauchen. Sollte die Bahn aber nur drei Extra-Slots erhalten statt der beantragten zwölf, könnte sie ihr Angebot kaum verbessern. Dennoch hofft Scheuers Bahnbeauftragter Enak Ferlemann, dass auch in diesem Fall der Halbstundentakt kommt – dann mit Flixtrain. Zwar äußert er sich nicht zum Wettbewerb um die Trasse. Doch unabhängig von dessen Ausgang könnten „die Verbindungen gefahren werden wie im Deutschlandtakt vorgesehen“, sagt er.

Ein echter Halbstundentakt ist allerdings auch mit Flixtrain fraglich: Bisher setzt das Unternehmen keine ICE-Züge ein.

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