Gut integriert trotz Demenz: Tipps von einer Fachfrau

Seniorenvertreterin Kirsten Wolf-Niederhausen (links) und Inge Staack vom Freiwilligenforum Uetersen (rechts) hatten Ines Hundsdörfer von der Alzheimer Gesellschaft zu Gast.
Seniorenvertreterin Kirsten Wolf-Niederhausen (links) und Inge Staack vom Freiwilligenforum Uetersen (rechts) hatten Ines Hundsdörfer von der Alzheimer Gesellschaft zu Gast.

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10. September 2019, 16:00 Uhr

UETERSEN | Im Gemeindezentrum der Erlöserkirche referierte Ines Hundsdörfer von der Alzheimer Gesellschaft des Kreises Pinneberg über Demenz. Eingeladen hatten der Seniorenbeirat und das Freiwilligenforum Uetersen. Dort kann man sich den Aufbau einer Nachbarschaftshilfe für Demente vorstellen.

Mehr als drei Dutzend Interessierte lockte der Fachvortrag an. Unter ihnen Menschen wie Angela Wolff, die sich bereits mit Erkrankten beschäftigt, indem sie ihnen vorliest. Und wie Cornelia Massow, die einen Betroffenen in der Familie hat und mehr darüber lernen möchte, wie sie damit umgehen soll.

„Das Thema wird immer akuter“, sagt Seniorenvertreterin Kirsten Wolf-Niederhausen, „die Menschen werden immer älter, und Demenz ist eine Krankheit der Älteren.“ Oft sei der Umgang mit Dementen durch Hilflosigkeit geprägt. Das Thema mache Angst, daher beschäftigten sich die Leute nicht rechtzeitig damit. „Dem wollen wir entgegenwirken“, sagte Wolf-Niederhausen.


Eine Krankheit des Alters

„Demenz geht uns alle an“, bekräftigt Referentin Hundsdörfer. Wie sie an einer Kurve aufzeigen kann, steigt die Häufigkeit der Krankheit ab dem hohen Alter rapide an. Statt Extragruppen für Betroffene wünscht sie sich eine bessere Integration in die Gesellschaft.

Das Wort Demenz bedeute „weg vom Geist sein“, also Verwirrtheit. „Es handelt sich dabei um einen Oberbegriff, der noch keine Aussage über die Ursache und den Krankheitsverlauf trifft“, sagte die Sozialpädagogin. Die Diagnose, stellt sie klar, ist daher ungemein wichtig. Während primäre Demenzen direkt das Gehirn in Mitleidenschaft ziehen, Beispiele dafür sind Alzheimer oder ein Schlaganfall, gibt es sekundäre Demenzen, die als Folge einer anderen Erkrankung auftreten. Wird deren Ursache behandelt, können sich solche Demenzen zurückbilden, berichtet Hundsdörfer.

Als Beispiele nennt sie Verwirrtheit, die als Folge von Schilddrüsenfehlfunktionen, Diabetes oder auch Depressionen auftreten. Gerade letztere treten vermehrt auf. „Bei der Generation der Kriegskinder“, erläutert die Fachfrau, „wurde über Vieles nie gesprochen, und im Alter wird das Trauma reaktiviert.“ Abzuklären, woher die Demenz kommt, sei also unabdingbar. Im Fall von Terminschwierigkeiten bei niedergelassenen Ärzten empfiehlt sie die Gedächtnissprechstunde an der psychiatrischen Institutsambulanz an den Regio-Kliniken Elmshorn.

Betroffene und ihre Angehörigen brauchen nach Hundsdörfers Erfahrung vor allem Anerkennung. Die Umgebung müsse ihnen das Gefühl nehmen, sich schämen zu müssen, denn oft ziehen sich Betroffene immer mehr zurück. Bei fortschreitender Erkrankung ist eine immer engmaschigere Betreuung gefordert, und hier könnte eine Nachbarschaftshilfe dringend benötigte Freiräume für Angehörige schaffen.

Hundsdörfer kam nicht nur in die Rosenstadt, um zu informieren, sie hofft auch auf eine weitergehende Vernetzung. Denn es ist die Idee entstanden, Mitglieder des Freiwilligenforums könnten solche Entlastungsmöglichkeiten für Betroffene bieten. Die Ehrenamtlichen würden seitens der Alzheimer Gesellschaft vorab geschult.

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