Gut beraten in Uetersen

Kirsten Wolf-Niederhausen (von links), Uwe Staack und Traute Zocholl kümmern sich mit vier weiteren Mitstreitern im Seniorenbeirat um die Belange der Senioren.  Fotos: Eschke
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Kirsten Wolf-Niederhausen (von links), Uwe Staack und Traute Zocholl kümmern sich mit vier weiteren Mitstreitern im Seniorenbeirat um die Belange der Senioren. Fotos: Eschke

Sommerserie: Anlaufstellen zu vielen Bereichen des Lebens − heute: Antragshilfe des Seniorenbeirats

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02. August 2018, 16:05 Uhr

Neben der politischen Interessenvertretung ist der Seniorenbeirat auch als Ratgeber tätig, Kontakte zu weitergehenden Hilfen und Beratungsstellen werden vermittelt. Bei der Beantragung eines Behindertengrads hilft der Behindertenbeauftragte Michael Boehlke.

5700 Bewohner von Uetersen sind über 60 Jahre alt, für ihre Interessen setzt sich der Seniorenbeirat in den politischen Gremien ein. Doch die sieben ehrenamtlichen Seniorenvertreter fungieren auch als Ratgeber in allen Lebenslagen.

Die Ratsuchenden werden an Beratungsstellen, Initiativen, Behörden oder Firmen vermittelt, ihre Beschwerden an die zuständigen Stellen weitergeleitet. „Manche haben Fragen zum Thema Pflege, trauen sich aber selbst nicht, die Stellen selbst anzurufen“, erzählt Kirsten Wolf-Niederhausen, „dann rufen wir für sie an und stellen den Kontakt her.“

Hat jemand etwa einen Oberschenkelhalsbruch und braucht jemanden, der mit dem Hund Gassi geht, wird das Freiwilligenforum aktiviert. Wer einsam ist, fühlt sich vielleicht im Senioren-Computerclub oder bei einer der vielen Senioren-Freizeitangebote in der Stadt wohl. Manche Menschen haben Probleme, ein amtliches Schreiben zu verstehen, doch der Seniorenbeirat hilft dabei.

„Einmal rief jemand an und sagte: ‚Meine Frau ist gestorben, was soll ich tun?‘“, beschreibt der Vorsitzende Uwe Staack einen Fall. Er vermittelte den Mann an einen Bestatter. Ein anderes Mal suchte eine Dame ihren Onkel, dessen Pflegeheim in Kummerfeld geschlossen worden war. Bevor er starb, konnten die beiden sich noch verabschieden, denn dem Team vom Seniorenbeirat gelang es, den Onkel in Barmstedt ausfindig zu machen. Das große Plus des Teams ist die gute Vernetzung. „Wir geben den Mitbürgern Anlaufstellen an die Hand“, erklärt Traute Zocholl. „Herrn Staack fällt immer einer ein, der Bescheid wissen könnte“, lobt Wolf-Niederhausen.


Sprechstunde des Beirats auf dem Markt

Im Sommerhalbjahr halten die Seniorenvertreter eine Sprechstunde auf dem Markt ab: An jedem ersten Freitag im Monat stehen sie am Anfang der Fußgängerzone bereit. „Hier ist der Zuspruch größer und die Hemmschwelle geringer“, weiß Wolf-Niederhausen. Die wichtigsten Anlaufstellen für Senioren hat der Beirat im „Seniorenkompass“ zusammengefasst. Darin sind Behörden, karitative Organisationen, Seniorentreffen, Sportangebote, Hilfsorganisationen, Pflegedienste, Trauerbegleitung und Ärzte zu finden. Der Seniorenkompass ist im Rathaus und im Pressehaus erhältlich.

Um die Belange von Behinderten in der Stadt kümmert sich Michael Boehlke (Foto). Der Behindertenbeauftragte ist dem Seniorenbeirat formal angegliedert. „Meist helfe ich bei der Antragstellung, damit eine Behinderung offiziell anerkannt ist“, berichtet er. Das Versorgungsamt in Heide stellt aufgrund der Arztberichte den Grad der Behinderung fest. Im Krankheitsverlauf oder durch Unfälle muss der Behindertengrad unter Umständen angepasst werden. Boehlke beobachtet eine gewisse Ämterscheu in der Bevölkerung. Bei einem Gespräch mit einem Ehrenamtlichen wie ihm sei die Hemmschwelle niedriger.

Wer seine Behinderung offiziell macht, kann von Vergünstigungen profitieren. „Bei Gehbehinderten kommen Steuervergünstigungen für den eigenen Pkw oder für die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln in Frage, außerdem können sie einen Parkausweis erhalten“, betont der Behindertenbeauftragte, der selbst schwerbehindert ist. „Seh- oder Hörbehinderte bekommen eventuell Vergünstigungen bei der GEZ. Mit einem Behindertenausweis ab 50 Prozent werden Steuern gespart und es besteht die Chance auf günstigere Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen.“ Für all diese Fälle hält Boehlke Antragsformulare bereit.

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