„Gut aussehen auch mit 699 Jahren “

Bischof Gothart Magaard für Schleswig und Holstein.
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Bischof Gothart Magaard für Schleswig und Holstein.

Festgottesdienst mit Bischof und Ministerpräsident zum Abschluss der 700-Jahrfeier der Gettorfer St.-Jürgen-Kirche

shz.de von
28. Mai 2018, 06:42 Uhr

„Ich gratuliere Ihnen zu dieser stattlichen Kirche, die jünger ist als gedacht. Wenn Sie dieses Jubiläum schon so feiern, was wollen Sie dann erst nächstes Jahr machen?“ Bischof Gothart Magaard für den Sprengel Schleswig und Holstein nahm es mit Humor, dass es sich erst auf den letzten Metern vor dem großen Gettorfer Kirchenjubiläum herausgestellt hatte, dass die St.-Jürgen-Kirche eigentlich erst im Jahr 1319 erstmals urkundlich erwähnt wurde und somit das 700-jährige Jubiläum im kommenden Jahr ansteht. Zum Schluss gab er den Gettorfern beim Abschlussgottesdienst der Festwoche die Abwandlung eines Mottos von einem anderen Kirchweihjubiläum mit auf den Weg: „Man kann auch mit 699 Jahren noch gut aussehen.“

Ministerpräsident Daniel Günther sprach in seinem Grußwort von fast 700 Jahren. Pastorin Christa Loose-Stolten ging in ihrer Ansprache hingegen von mindestens 700 Jahren aus, denn schließlich ist es wahrscheinlich, dass zumindest Teile der Kirche auch vor der urkundlichen Erwähnung bereits vorhanden waren.

Bevor Ministerpräsident Daniel Günter auf die bewegte Geschichte der Kirche einging, übergab er sein Geschenk zum Kirchenjubiläum. „Der Reformationstag ist jetzt Feiertag.“ Daniel Günther erinnerte daran, dass die Schweden einst die Bleiplatten des Turmes eingeschmolzen hätten, um daraus Kugeln zu gießen. Auch in der heutigen Welt gäbe es religiöse Eiferer. Das Christentum stehe aber über Konfessionsgrenzen hinweg für Frieden. Er erinnerte an Pfingsten, den Beginn der Festwoche, an den Heiligen Geist, „der Menschen Mut gemacht hat“ und noch heute Mut mache.

Bischof Gothart Magaard erinnerte daran, dass Gettorf an einem der mittelalterlichen Pilgerwege gelegen habe. „Sie müssen sich Schleswig-Holstein vorstellen ohne A7 und B76, dafür aber mit vielen Wegenetzen zum Jakobsweg.“ So habe eine Strecke von Schleswig über Gettorf, Kiel und Plön geführt. „Pilger waren die Touristen des Mittelalters.“ Sie hätten Geld und Leben in die Orte entlang des Weges gebracht. In Gettorf hätten die Menschen Rast gemacht. „Wir brauchen heute wieder solche ‚Raststätten‘, gerade in unserer so mobilen Welt.“ Er freue sich sehr, dass heute wieder Menschen das Pilgern für sich entdecken. Pilgern bedeutet, sich auf eine Reise zu machen, auf den Weg einzulassen, in der Stille wieder offen zu werden für andere Menschen und vielleicht für Gott.

Auch Nikodemus sei wie viele Pilger ein suchender Mensch gewesen. Damit schlug Magaard die Brücke zum Predigttext, einem Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium, in dem von der Begegnung von Jesus und Nikodemus berichtet wird. Nikodemus, ein Mitglied des jüdischen Rates, suchte das Gespräch mit Jesus. „Jesus nimmt Nikodemus ernst und spricht auf Augenhöhe mit ihm. In einer Zeit, in der jüdische Mitbürger angefeindet werden, brauchen wir solche Geschichten“, so der Bischof.

Musikalisch wurde der Gottesdienst gestaltet vom Gospelchor Get spirit und der Kantorei St. Jürgen unter der Leitung von Kantorin Julia Uhlenwinkel und vom Posaunenchor unter der Leitung von Pastor Frank Boysen.

Im Anschluss an den Gottesdienst lud der Kirchbauverein zum Empfang. Gruppen aus der Gemeinde präsentierten rund um die Kirche herum ihre Arbeit.

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