Verschmutzung in der Landwirtschaft : Greenpeace findet multi-resistente Keime in Gülleproben

NRW_will_Schweinesta_64158133 (1).jpg

Auch bei Proben, die aus Schweineställen in Schleswig-Holstein stammen, wurde eine hohe Belastung festgestellt.

Avatar_shz von
16. März 2020, 20:07 Uhr

Kiel / Hamburg | Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat im Sommer und Dezember 2019 insgesamt 15 Gülleproben aus Schweineställen getestet – darunter auch welche aus Schleswig-Holstein. In 12 von 15 der untersuchten Proben – also bei rund 80 Prozent – seien (multi-)resistente Keime nachgewiesen worden, sagt der Agrarexperte der Organisation, Dirk Zimmermann. „Uns hat echt überrascht, dass es auch Resistenzen gegen Colistin gibt, ein bei Menschen mit am besten wirkende Antibiotikum.“

Die am stärksten belastete Probe habe sechs unterschiedliche Substanzen und drei resistente Bakterienstämme aufgewiesen. Die Greenpeace zugespielten Proben stammen aus Ställen in fünf verschiedenen Bundesländern – ein Teil der Proben sei in der Umgebung von Ferienorten wie etwa Fehmarn genommen worden. Das geht aus einer Greenpeace-Studie hervor, über die das ZDF-Magazin „Frontal 21“ heute Abend berichten will. Darin geht es auch um die Belastung der Gülle mit Anitbiotika, über die Greenpeace nach Veröffentlichung der gesamten Studie Details bekannt geben will.

Positive Effekte bei weniger Antibiotika

Die Sprecherin des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Kirsten Hess, sagt, dass nur ein Tierarzt, der das Tier vorher untersucht hat, über den Einsatz der Medikamente entscheidet. Und: „Eine deutliche Reduktion der Anwendung antibiotischer Tierarzneimittel wurde bereits erreicht. Die an Tierärzte abgegebenen Mengen antimikrobieller Substanzen reduzierten sich von 2011 bis 2017 um insgesamt 57 Prozent.“

Die bei weitem stärksten Reduktionen seien bei Mastferkeln und Mastschweinen erreicht worden, so Hess, die auf einen entsprechenden Bericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums verweist. Auch was die Resistenz angeht, zeichneten sich positive Effekte des verringerten Antibiotikaeinsatzes ab. Es habe bei den wichtigsten Nutztierarten „keine Verschiebung zu für die Humanmedizin kritischen Wirkstoffklassen stattgefunden“.

Je mehr Medikamente, desto mehr Resistenzen

Greenpeace-Agrarexperte Dirk Zimmermann sagt dazu: „Wir erkennen den Einsatz der Landwirtschaft zur Reduktion der Mittel an, aber es bleibt noch eine Menge Luft – in diesem Fall nach unten.“ Er will den Einsatz von Antibiotika gar nicht verhindern, „wir wollen nur, dass die Mittel wirksam bleiben – sowohl für Tiere als auch für Menschen.“ Und je mehr Antibiotika verabreicht werde, desto mehr Resistenzen gebe es auch. „Und jede Resistenz ist eine zu viel.“ Man könne die Behandlung von kranken Tieren auch individueller gestalten, in dem man sie isoliere und einzeln behandle „als gleich den ganzen Stall mit Antibiotika zu versorgen“.

Das Landwirtschaftsministerium in Kiel wollte gestern mit Verweis auf die aktuelle Corona-Krise kein Statement dazu abgeben.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen