Grabsteine: Keine Restaurierung

Landschaftsarchitektin Katja Pawlak verteidigte vor dem Sozial- und Umweltausschuss ihre Pläne. Hier unterhält sich sich mit Bernd Möbius. Der Grünen-Politiker ist Vorsitzender des Sozial- und Umweltausschusses.
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Landschaftsarchitektin Katja Pawlak verteidigte vor dem Sozial- und Umweltausschuss ihre Pläne. Hier unterhält sich sich mit Bernd Möbius. Der Grünen-Politiker ist Vorsitzender des Sozial- und Umweltausschusses.

CDU und SPD lehnen Pläne der Verwaltung für Cäcilie-Bleeker-Park ab / FDP, Grüne und BfB unterliegen

shz.de von
08. September 2018, 16:05 Uhr

Einer Aufstellung der historischen Grabsteine im Bleekerpark stimmten die Fraktionen der SPD und CDU im Sozial- und Umweltausschuss nicht zu. Das Vorhaben ist damit mit knapper Mehrheit vom Tisch. Die Kostenschätzung für die Maßnahme war erheblich höher ausgefallen als von der Politik vorgegeben.

Wäre es nach der Verwaltung gegangen, würden die teils barocken, historischen Grabsteine im Cäcilie-Bleeker Park mittels Metallkonstruktionen aufgestellt, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen, und die Inschriften instandgesetzt. Hierfür hätte es eine zweckgebundene Förderung des Landesamts für Denkmalpflege in Höhe von 20 000 Euro gegeben. Doch Christ- und Sozialdemokraten sprachen sich dagegen aus.

Nachdem Landschaftsplanerin Katja Pawlak aus Schwerin dem Ausschuss ihre Pläne vorgestellt hatte, sagte Dieter Schipler, bürgerliches Mitglied der SPD, es müsse ein Missverständnis über den Zweck der Umgestaltung geben. „Wir wollen nicht den Friedhof wiederaufleben lassen“, so Schipler, „unser wichtigstes Anliegen ist nicht, die Steine zu restaurieren, sondern einen Park zum Verweilen und Spazieren zu gestalten.“

Der Entwurf der Landschaftsarchitektin lehnt sich stark am ursprünglichen Zustand des Parks an. Mit einer Wegeführung, die die Fläche mit dem Klosterareal und dem Buttermarkt verbindet, wollte Pawlak „die städtebaulichen Bezüge wiederherstellen“. Die wertvollsten 23 Grabsteine, teils von Ehrenbürgern der Stadt wie Cäcilie Bleeker oder Ludwig Meyn, sollten mittig aufgestellt und weitere 34, darunter auch klassizistische Grabsteine von Moorreger Bauern, an den Rändern des Parks aufgerichtet werden.

Die Kosten für die denkmalwürdige Instandsetzung der Grabsteine schätzte die Verwaltung auf 53 693 Euro, das wirtschaftlichste Angebot war allerdings noch einmal rund 15 000 Euro teurer. Da die Verwaltung lediglich einen Etat von insgesamt 50 000 Euro zur Verfügung hatte, stellte die Denkmalpflege den Fehlbetrag als Fördersumme in Aussicht. Allein: Für den ursprünglichen Auftrag der Politik, den Park im Sinne heutiger Nutzer umzugestalten, wäre dann kein Geld mehr im Topf verblieben. Denn für die Gestaltung der Wege und Plätze und die Pflanzung von Eiben, Linden und Rotbuchen hätten noch einmal 50 000 Euro aufgewendet werden müssen.

Adolf Bergmann (CDU) sagte, man habe klar um eine Planung gebeten, die mit 50 000 Euro auskommt. Bereits zuvor hatte der Ausschuss teurere Planungsvarianten abgewiesen. Außerdem sollte das Ziel sein, einen Park zu gestalten, der für die Menschen dieser Stadt attraktiv ist, sagte Bergmann. Auch Hans-Joachim Wehrs (SPD) verwies darauf, dass das von der Politik bewilligte Geld allein für die Herrichtung des Parks vorgesehen war. Christdemokrat Helmut Schwalm sagte, es genüge, einige der historischen Steine aufzustellen: „Der Charakter des Friedhofs ist lange vorbei, die Grabsteine sollten nicht die Oberhand gewinnen.“

Planerin Pawlak sagte, für 50 000 Euro sei so ein Vorhaben nicht zu machen. Die Expertin für Gartendenkmalpflege warb dafür, Grabsteinaufstellungen und Parkgestaltung nicht als zwei verschiedene Sachen zu begreifen und befand: „Das ist ein Stück Kulturgeschichte, das sie hier haben.“ Jens Ewald (Grüne) befürwortete ihre Ausführungen und bewertete die Aufstellung der Grabsteine als einen guten ersten Schritt. In weiteren Schritten könne man den Park dann weiter aufwerten. Cornelia Maßow (FDP) mahnte: „Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als Grabsteine aus dem Park auf dem Bauhof landeten und wir alle entsetzt waren, und jetzt werden wir pfennigfuchserisch?“ Aber auch Maßow störte sich am Friedhofscharakter des Entwurfs.

Sabine Lankau (BfB) gab zu bedenken, dass die Fördermittel der Denkmalpflege bei Ablehnen des Vorhabens wohl nie wieder beantragt werden könnten. Anne-Christin Speichert (SPD) sagte dazu, die Förderungszusage beruhe auf einem Konzept, dass der Ausschuss nie beschlossen hat. Ihr Parteikollege Dirk Woschei schlug vor, die Grabsteine in eine passendere Umgebung wie den Klosterbezirk oder den Friedhof zu versetzen.

Bürgermeisterin Andrea Hansen (SPD) wiederum erinnerte daran, dass die Kirche die Steine einst an die Stadt übergab. Zudem betonte sie, der Förderantrag sei nicht einfach über die Köpfe der Politik hinweg gestellt worden, sondern die Fördersumme sei von der Denkmalpflege angeboten worden.

Nach langer Diskussion und einer Sitzungsunterbrechung, in der sich die Fraktionen intern berieten, kam es zur Abstimmung. Bürger für Bürger, Grüne und FPD stimmten für die Restaurierung der historischen Grabsteine, SPD und CDU sprachen sich dagegen aus. Mit sechs zu fünf Stimmen wurde das Vorhaben abgelehnt.

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