Gesundheit

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12. Mai 2020, 15:16 Uhr

Als es losging, war die Angst groß, die Ökonomisierung des Gesundheitssystems in den vergangenen Jahrzehnten werde in die Katastrophe führen. Die Eindämmung der Pandemie hat das verhindert, dennoch wird es Veränderungen geben müssen: Es braucht mehr Pflegekräfte, und das ist nur über bessere Bezahlung zu erreichen. Nur mit genug Personal ist auch eine optimale Hygiene in Altenheimen möglich. Der Applaus für die „Alltagshelden“ und eine „Corona-Prämie“ werden nicht ausreichen, mehr junge Leute für den Beruf zu gewinnen.

Echte Pandemie-Vorsorge gelingt auch nur mit einer Stärkung der Gesundheitsdienste. Deren Überlastung zu Beginn der Krise war extrem kritisch. Auch die Vorratshaltung an Schutzmaterial war desaströs und muss dauerhaft hochgefahren werden. 85 Prozent der Covid-19-Fälle wurden in Arztpraxen behandelt, nicht in Kliniken. Doch gerade in den Praxen waren so gut wie keine Masken verfügbar.

Als gefährlich offene Flanke erwies sich nicht zuletzt, dass neben Schutzausrüstung auch Medikamente kaum noch in Europa hergestellt werden. Die globalen Lieferketten sind nicht dauerhaft abgerissen, aber es stand auf Messers Schneide. Klar ist: Wir müssen weniger abhängig werden von der Pillen-Produktion in Indien oder China, wieder mehr in Europa herstellen.

All das wird viel Geld kosten. Die Reserven der Kassen sind weggeschmolzen. Nur mit Krediten werden sie über dieses Jahr kommen. Danach – daran führt kein Weg vorbei – werden die Beiträge steigen. Damit sie nicht explodieren, wird an anderer Stelle gespart werden müssen. Die Debatte über weniger, dafür spezialisierte Kliniken – bei insgesamt ausreichender Bettenreserve – wird nach der Krise an Fahrt gewinnen. Und der von Corona ausgelöste Digitalisierungsschub wird fortdauern und die Telemedizin beflügeln.

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