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Geständnis: Mildere Strafe für Unglückspilot

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Sein Geständnis rettet ihm den Job: Unglückspilot Nikolaj Graf von W. aus Wedel ist gestern vom Hamburger Landgericht wegen des Absturzes eines Wasserflugzeugs mit zwei Toten zu einer Geldstrafe von 5400 Euro verurteilt worden. Das Strafmaß der Berufsverhandlung fiel milder aus als in der ersten Instanz, als das Amtsgericht auf eine Bewährungsstrafe von neun Monaten für den erfahrenen Berufspiloten erkannt hatte. Derartige Freiheitsstrafen sind in aller Regel gleichbedeutend mit der Aberkennung der Fluglizenz.

Auch die Berufungskammer sprach den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung schuldig. „Sie haben einen Kardinalfehler begangen, der zwei Menschen das Leben gekostet hat“, sagte die Vorsitzende Richterin. Der Pilot hatte am 22. August 2009 während eines Rundfluges über Hamburg vergessen, vor der Landung im Baakenhafen die Räder einzufahren. Das Fahrwerk wirkte beim Aufsetzen wie ein Bremsklotz. Die Cessna T 206 überschlug sich, ein Ehepaar (54 und 57) aus Ganderkesee bei Bremen hing in den Gurten fest und ertrank. „Es war ein fataler Fehler. Ich trage die volle Verantwortung“, hatte von W. vorige Woche zum Prozessauftakt gesagt und damit seine Taktik aus der Vorinstanz entscheidend geändert. Vor dem Amtsgericht hatte er noch geschwiegen und über seinen Anwalt technische Mängel geltend gemacht. Die hat es laut Gutachtern jedoch nicht gegeben. Vielmehr hatte von W. nach einem Tankstopp auf dem Flughafen Fuhlsbüttel schlicht versäumt, die Räder vor der Wasserung einzufahren. Auch deutete der Pilot die Kontrollleuchten im Cockpit falsch. Die Kleine Strafkammer hielt dem Wedeler nicht nur sein „von Reue getragenes“ spätes Geständnis zugute, auch sein Verhalten direkt nach dem Unglück wirkte sich strafmildernd aus. Der Angeklagte habe „alles erdenklich Mögliche versucht, um die Passagiere aus der Kabine zu retten, auch unter Einsatz seines eigenen Lebens“, sagte die Richterin. Mehrfach war von W. abgetaucht und hatte in der Kabine nach dem Ehepaar getastet – dieses in dem trüben Elbwasser aber nicht mehr entdecken können.

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erstellt am 31.Okt.2013 | 00:34 Uhr

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