Kriminalität in SH : Generalstaatsanwalt Zepter: Wirtschafts-Kriminalität erreicht Zehn-Jahres-Hoch

Das zeigt der Jahresbericht von Generalstaatsanwalt Wolfgang Zepter für 2018, den er jetzt in Kiel vorgestellt hat.
Generalstaatsanwalt Wolfgang Zepter hat den Jahresbericht für die Kriminalität für 2018 in Kiel vorgestellt.

Auch Sexualdelikte, Geldwäsche und Betrügereien bei Senioren bescheren Staatsanwälten mehr Arbeit.

fju_maj_0203 von
19. April 2019, 16:29 Uhr

kiel/schleswig | Wirtschafts- und Sexualdelikte sowie Geldwäsche bescheren den Strafverfolgern in Schleswig-Holstein deutlich mehr Arbeit. Das zeigt der Jahresbericht von Generalstaatsanwalt Wolfgang Zepter für 2018, den er jetzt in Kiel vorgestellt hat.

Rückgänge gab es hingegen bei Wohnungseinbrüchen, Umweltstraftaten und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. In Summe lag die Zahl der neuen Verfahren bei den Staatsanwaltschaften in Kiel, Lübeck, Flensburg, Itzehoe und Schleswig nur leicht über dem Vorjahr: Sie wuchs um 142 auf 284.647.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist Schleswig-Holstein ein sicheres Bundesland. Wolfgang Zepter, Generalstaatsanwalt
 

Mit einem Anstieg um 35 Prozent auf 6666 haben die frischen Wirtschaftsstrafsachen den Höchststand der vergangenen zehn Jahre erreicht. Die Palette reicht von Steuerstrafverfahren über Abrechnungsbetrügereien bis zur Insolvenzverschleppung. Der Generalstaatsanwalt führt den Zuwachs auf einen stetig steigenden Anfall von Großverfahren und mehr Verflechtungen ins Ausland zurück. Die Kooperation mit ausländischen Behörden gestalte sich oft zäh.

Es wirken mehr und mehr Täter aus dem ganzen Bundesgebiet, aus Europa und auch anderen Weltgegenden nach Schleswig-Holstein hinein. Wolfgang Zepter, Generalstaatsanwalt
 

Ebenfalls den höchsten Stand der letzten Dekade verzeichneten die Staatsanwaltschaften für Geldwäsche. Das Plus um 26 Prozent auf 1842 Verfahren erklären mit der Überwindung von Anlaufproblemen nach behördlichen Umstrukturierungen 2017. Zudem habe das Bundesfinanzministerium Banken und Finanzdienstleister intensiv für Verdachtsfälle sensibilisiert.

Zahl der Sexualdelikte ging nach oben

Sexualdelikte gegen Erwachsene gingen um 16 Prozent auf 2668 nach oben, der sexuelle Missbrauch von Kindern um zwölf Prozent auf 890 Fälle. Zepter verwies auf eine erhöhte Anzeigebereitschaft und den neuen Straftatbestand der „sexuellen Belästigung“.

Nach den Worten des „Generals“ ebenfalls „signifikant“: 891 neue Verdachtsfälle wegen Kinderpornografie bedeuten 41 Prozent mehr. Den Fahndern seien Daten zu umfangreichen Ermittlungskomplexen in die Hände gefallen. Unter anderem machten sich neue Meldepflichten für in den USA ansässige Provider bemerkbar.

1237 Ermittlungen wegen Betrug von Senioren

Die eigens geschaffenen Dezernate zum Schutz von Senioren registrierten spürbar mehr Betrugsstraftaten, die die Arglosigkeit betagter Schleswig-Holsteiner ausnutzen: 1237-mal wurde deswegen ermittelt. Zepter zeigte sich „erstaunt, dass solche Delikte trotz aller öffentlichen Aufklärung so viel Erfolg haben“. Senioren seien allzu leichtgläubig etwa gegenüber Anrufern, die sich als – falsche – Polizisten ausgeben.

Hohen Arbeitsaufwand, aber auch große Erfolge hatten die Staatsanwaltschaften mit einem erweiterten Instrumentarium zur Vermögensabschöpfung bei Straftätern: Dort zogen sie 2018 3,4 Millionen Euro für die Staatskasse und sogar 14,5 Millionen Euro zu Gunsten Geschädigter ein. Das sind 300 beziehungsweise 500 Prozent mehr als vorher.

Verstoß gegen Betäubungsmittelgesetz am häufigsten

Mit Abstand am häufigsten landeten 2018 Betäubungsmitteldelikte auf den Schreibtischen der Strafverfolger: 12.768-mal.

Cannabis ist nach wie vor oft ein Einstieg in weitere Drogenkriminalität. Wolfgang Zepter, Generalstaatsanwalt
 

Das betonte Zepter mit Blick auf die politische Debatte, den Konsum zu legalisieren. „Und der Stoff ist wesentlich härter und damit gefährlicher geworden als in früheren Jahrzehnten.“

Die 200 Staatsanwälte im Land konnten 2018 quer durch alle Delikte 4742 mehr Beschuldigte ermitteln als ein Jahr zuvor. Insgesamt kamen die Personalien von 166.679 Tatverdächtigen heraus. 70 Prozent aller Verfahren wurden innerhalb von drei Monaten erledigt.

Für eine Anklage reichte es nur in 26.282 Verfahren. Mehr als doppelt so viele – 54.835 – wurden, meist wegen geringer Schuld, eingestellt. 10.893-mal rieten die Staatsanwälte Geschädigten, durch eine Zivilklage ihre Rechte durchzusetzen. „Auch wenn dabei gewisse Bauchschmerzen einsetzen“, so Zepter, „angesichts einer steigenden Arbeitsbelastung müssen wir Prioritäten bilden.“

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