Gelebte Nachbarschaft in Tornesch

Sechs Häuser in der Schwennesenstraße stehen seit der Straßengründung vor 50 Jahren. Ihre Bewohner wurden mit einem Blumenstrauß bedacht.  Fotos: eschke
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Sechs Häuser in der Schwennesenstraße stehen seit der Straßengründung vor 50 Jahren. Ihre Bewohner wurden mit einem Blumenstrauß bedacht. Fotos: eschke

Alle fünf Jahre feiern die Anwohner der Schwennesenstraße gemeinsam / Auflagen werden immer strenger

shz.de von
16. Juli 2018, 16:22 Uhr

In der Schwennesenstraße kennt man sich. Das liegt nicht nur daran, dass die ruhig gelegene Straße überschaubar ist. Alle fünf Jahre stellen die Anwohner ihre Gartengarnituren auf die abgesperrte Fahrbahn und kommen an einer langen Tafel zusammen, so auch am Sonnabend. In diesem Jahr wurde das 50-jährige Bestehen der Straße gefeiert.

Die regelmäßigen Straßenfeste schweißen die Bewohner der Schwennesenstraße zusammen. „Auf so einem Fest spricht man über Dinge, über die man bei flüchtigen Begegnungen im Alltag nicht reden würde“, sagt Organisator Reinhard Beifuß, „auch die äußere linke und äußere rechte Seite kommen miteinander ins Gespräch, was sonst nicht passieren würde.“ Die Besetzung bei den Nachbarschaftsfesten ist immer anders, denn in den insgesamt 24 Häusern wechseln die Bewohner. Nach Todesfällen ziehen neue Leute in die Gebäude, häufig jüngere Menschen mit Kindern, die die Straße beleben. Auch dieses Mal beteiligten sich fast alle Anwohner an dem Beisammensein, 45 Erwachsene und elf Kinder feierten zusammen.

Zur Orientierung für die Gesprächspartner trugen sie Namensschilder mit Hausnummer. Angesichts der sozialen Bedeutung, die das Nachbarschaftsfest in der Schwennesenstraße hat, stehen die Anlieger den immer höheren Auflagen kritisch gegenüber. Dabei ist die Idee denkbar einfach: Alle bringen ihre Gartentische und -stühle mit, die Straße wird an beiden Enden abgesperrt und an einer langen Tischreihe kommen alle zum Essen und Klönen zusammen. „Doch die Organisation wird von Mal zu Mal schwieriger, die Auflagen immer höher“, weiß Beifuß zu berichten. Dieses Mal wurde den Feiernden erstmals nahegelegt, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. 200 Euro kostete die für sechs Stunden Beisammensein.

Doch die Nachbarn haben alle Widrigkeiten gemeistert, und so sind sie am Wochenende zum siebten Mal in Folge zusammengekommen. „Ureinwohner“ Beifuß (64) war noch ein Junge und lebte mit seinem Eltern hinter der heutigen Bebauung, als vor 50 Jahren die ersten sechs Häuser der Straße erbaut wurden. Die Bewohner dieser sechs Gebäude erhielten im Jubiläumsjahr einen Blumenstrauß.

In einem Quiz wetteiferten die Anlieger darum, wer am meisten über die Straßenhistorie weiß. Die Reste des alten, inzwischen erneuerten Asphalts sollten beziffert, die Länge der Straße geschätzt und die dort lebenden Wildtiere benannt werden. Auf die Gewinner warteten kleine gespendete Werbeartikel.

Anwohner Michael Bargmann unterhielt seine Nachbarn zusammen mit seinem „Not related“-Band-Kompagnon Henning Möller mit irischen „Traditionels“, die live zur Gitarrenbegleitung gesungen wurden. Die Kids hatten auf ihren Kettcars auf der abgesperrten Fahrbahn freie Fahrt. Bei Kaffee, Kuchen und Cocktails sowie zu späterer Stunde bei Grillschwein, Hähnchenspießen, Salaten und Fassbier feierten die Bewohner bis in den Abend hinein.

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